Hausbesuch bei den Kandidaten

Kirchlintelns Bürgermeisterkandidat Seemann: Mit Cooper durch die Lutter Wischen

Hund vor einem Ehepaar im Garten
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Bis vor den Wintergarten hat es Waisenhund Cooper schon geschafft. Jetzt muss er Herrchen und Frauchen Frank-Peter und Elke Seemann nur noch dazu bringen, mit ihm aufzubrechen.

Kirchlinteln – Cooper ahnt schon was. Ein süßer Duft steigt ihm in die Nase, ein süßer Duft schon an der Haustür. Längst hat er natürlich ausgekundschaftet, wo dieser Wohlgeruch seinen Ursprung hat. Und deshalb läuft er vor auf seinen vier Pfoten und Herrchen und Frauchen hinter ihm und alle steuern den Wintergarten an. Vorbei an der Küche, sie bleibt rechts liegen, direkt dorthin, wo frisch gebackene Waffeln auf dem mächtigen Tisch zwei Sinne ansprechen, Augen und Nase, und einen dritten gleich hinterher. „Greifen sie gern zu“, sagt Frank-Peter Seemann (61). Erster Eindruck: Lecker.

Kaum haben sie sich gemütlich zurückgelehnt an dem weiten Esstisch, der einer Großfamilie Platz bietet mit seinen sechs Stühlen drumherum, da beginnen die Eheleute Seemann auch schon, zurückzurudern und die Dinge ein wenig gerade zu rücken. „Zugegeben“, sagt Elke Seemann, „die Waffeln haben nicht wir gebacken, unser zweiter Sohn hat sich dazu bereiterklärt. Er hatte heute Nachmittag Zeit.“ Und da sie schon mal bei der ganzen Wahrheit sind. „Natürlich würden wir im Wintergarten gern den Tag ausklingen lassen, den Arbeitstag“, sagt Frank-Peter Seemann, „aber eigentlich finden wir hier nur zusammen, wenn wirklich genug Zeit ist. Ist es gegenwärtig ja überhaupt nicht.“ Und so treffe man sich in der Küche. Seemann ist Bürgermeisterkandidat für die Gemeinde Kirchlinteln. Permanent unterwegs. Wahlkampf. Ein wenig davon sogar jetzt im Wintergarten. Neben den Waffeln ganz zufällig eine Broschüre mit seinem Programm. „Greifen sie gern zu.“ Das Heftchen mit den acht Seiten geballter Information beschäftigt ihn sehr. „Ich bin Einzelbewerber, keine Partei im Hintergrund. Ich war tagelang mit dem Verteilen beschäftigt.“

Keine Zeit also für Wintergärten und deren erholsame Komponente. Auch an diesem frühen Abend nicht so richtig. Cooper steht vor der Glastür. Nachdem alle von den Waffeln gekostet haben, außer er, ihm haben sie nichts gereicht, ist es eigentlich seine Zeit. „Er will los“, sagt Seemann. „Eine Runde durch die Lutter Wischen. Oder durch den Dalsch. Das kennt er nicht anders.“ Cooper sei ein Waisenhund. Mit fünf fand er zur Familie Seemann, zuvor lag er tagelang mit seinem damaligen Herrchen in der Wohnung, seinem verstorbenen Herrchen. „Wir hatten ihn eigentlich nur für kurz übernommen“, sagt Frank-Peter Seemann, „daraus sind jetzt fast acht Jahre geworden.“

Und Cooper hat natürlich auch kein Problem mit zwei Haushalten. Wieder so eine Geschichte. Aufgewachsen ist Seemann etwas außerhalb Luttums, genaugenommen in einem eher einsam gelegenen Haus. Seine Mutter lebt noch dort, sie mit ihren 91 Jahren. Ein Drei-Generationen-Haus. „Irgendwann haben wir festgestellt, es ist zu eng. Und als dann in Luttum ein Haus zum Kauf stand, haben wir zugegriffen.“ Die untere Etage bewohnen sie, nicht immer, aber schon regelmäßig, die Eheleute Seemann und ihr zweiter Sohn, während der ältere überwiegend in Seemanns Elternhaus geblieben ist, und manchmal auch die ganze Familie. Und schon beginnt eine etwas kompliziertere Mathematik. „Wir leben sozusagen mit drei Generationen in drei Haushälften“, sagt Seemann, „das passt perfekt.“

Platz genug wäre für alle im Wintergarten, es bliebe sogar noch ein Stuhl frei in jenem Jugendstil-Refugium mit den Besonderheiten. Mit dem mächtigen Kamin, an dessen Seite Holzscheite liegen. „Aus eigener Ernte“, sagt Seemann, „sie schaffen dreifach Wärme. Erst beim Sägen, dann beim Spalten, dann im Winter.“ Oder dem mächtigen Kronleuchter an der Decke. „Er war schon da, als wir das Haus übernommen haben, er passt, er durfte bleiben“, sagt Elke Seemann. Oder das Vertiko aus den Zeiten der Jahrhundertwende. „Haben wir bei Ebay ersteigert, es stammt aus der Gemeinde Kirchlinteln.“

Für das nostalgische Möbelstück bedurfte es nur einer kurzen Fahrt, sonst sind die Touren länger. Frank-Peter Seemann ist als Volljurist an der Polizeiakademie Nienburg im Bereich Wissensmanagement tätig. Er kennt aber auch die Basis sehr genau, zuweilen mit noch weiteren Anreisen. „Einen ganzen Sommer lang war ich der Polizist auf der Insel Spiekeroog“, sagt er. Prüfungsklausuren führte er im Gepäck, werde ich durchgehen und benoten, hatte er sich vorgenommen, aber es kam anders. „Erst klauten sie mir mein Dienstfahrrad, zum Glück war es nach einigen Tagen wieder da, und dann hing da eine Schaufensterpuppe im Wald an einem Baum, und beunruhigte Touristen, und darunter waren Teelichter aufgestellt.“ Seemann löste auch diesen Fall. „Ein Pfarrer und dessen gewöhnungsbedürftiger Praxisunterricht mit einer Jugendgruppe.“

Spiekeroog ist nicht nur Vergangenheit, alles anderthalb Jahrzehnte her, die Insel ist auch ein schönes Beispiel für zukünftige Pläne. „Ich gehe fest davon aus, ich werde Bürgermeister“, sagt Seemann, „für eine zweite Amtsperiode wäre ich ebenfalls bereit.“ Aber nach zehn Jahren, vielleicht werde er sich dann einen Lebenstraum erfüllen, er und Ehefrau Elke. „Wir haben schon viele Inseln in Nord- und Ostsee kennengelernt, wir würden sie gern mal im Winter genießen, über längere Zeit im Winter.“ So viel Zeit hat Cooper nicht. Er will los. Und zwar jetzt. Und es geht los.

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