Rat in Kirchlinteln mit deutlicher Mehrheit gegen Krippenneubau

So geheim dann doch nicht

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Marcel Meyer (l.) und Norbert Svenson zählen die Stimmen aus. Die Mehrheit entschied gegen die neue Krippe.

Kirchlinteln - In Kirchlinteln wird es keine neue Kinderkrippe geben. „Zu teuer und nicht notwendig“, so die Entscheidung der Mehrheit von CDU und Grünen am Montagabend im Gemeinderat. Die SPD, allen voran Richard Eckermann, hatte vergeblich für einen Neubau geworben. „Sie werden sich noch umgucken“, kritisierte der Parteivorsitzende.

Weniger die Entscheidung gegen die Krippe, die sich bereits im zuständigen Fachausschuss angekündigt hatte, als vielmehr der Weg dorthin sorgte für ungewohnte Betriebsamkeit in der Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus in Weitzmühlen. Eckermann musste im Verlauf der Sitzung einsehen, dass er die Mehrheit des Rates für einen Neubau nur schwer gewinnen konnte und setzte auf eine vermeintlich letzte Karte. „Ich beantrage geheime Abstimmung“, so der SPD-Vorsitzende, als es um die Entscheidung für oder wider die Krippe ging. Dass es überhaupt zum Wahlgang kommen konnte, bedurfte allerdings der Zustimmung der Ratsmehrheit. Die Blöße einer Ablehnung wollte sich die CDU nicht geben, und deren Fraktionsvorsitzender Günter Lühning nahm die Herausforderung an: „Den Gefallen tun wir dem Kollegen gern.“ Gesagt, getan und sämtliche Ratsmitglieder formierten sich zur Abstimmung. Die Auszählung selbst ergab dann das bekannte Bild. 17 Stimmen gegen, acht Stimmen für den Neubau, entsprechend der Sitzverteilung von CDU/Grüne und SPD.

Dem Wahlgang vorausgegangen war eine Debatte, die sich bereits seit Sommer durch die Sitzungen zieht. Da hatte sich auch noch die CDU für die Einrichtung einer neuen Krippe ausgesprochen, allerdings mit Standort in der Oberschule (wir berichteten). Dort sollte, nach der Sanierung von Dach und Räumen, neben dem Hort die Krippe ihren Platz haben. „Wir hätten mit Sanierung, Krippe und Fahrstuhl drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, so Arne Jacobs (CDU) damals.

Doch die Kosten des Projektes, kalkuliert wurde zuletzt mit bis zu einer Million Euro, machten den Beteiligten einen Strich durch die Rechnung. Also ein Neubau, der allerdings auch mit circa 640000 Euro zu Buche schlagen würde. Bürgermeister Wolfgang Rodewald warb für die Variante. Trotz sinkender Geburten würden immer mehr Eltern ihre Kinder in die Krippe schicken, so der Verwaltungschef. Die derzeit 75 Plätze, von denen 52 belegt seien, könnten dann nicht mehr reichen. Außerdem, so Rodewald, werde der Neubau vom Landkreis gefördert, wenn denn bis zum 30. November der Antrag gestellt werde. Die Gemeinde könnte mit einem Betrag zwischen 250000 und 340000 Euro rechnen. Da herrsche noch Uneinigkeit mit dem Landkreis.

Unabhängig davon warb auch Eckermann für den Neubau, der eine positive Werbung für die Gemeinde sei. „Ein Signal für junge Familien, nach Kirchlinteln zu ziehen und eine Chance für uns, über der so wichtigen Marke von 10000 Einwohnern zu bleiben.“ Eckermann legte zudem Zahlen vor, nach denen in den kommenden Jahren bis zu 80 Kinder und mehr in die Krippen drängten. „Dann reicht unser Angebot nicht aus, die Fördergelder sind futsch – und was sagen Sie dann den Familien?“

Frank-Peter Seemann (Grüne) warf der SPD „Schwarzmalerei“ vor und betonte: „Einen Neubau, auch mit Förderung, können wir uns nicht leisten.“ Fred Martens (CDU) betonte: „Wir haben für die nächsten vier Jahre genug Krippenplätze, befinden uns in der Haushaltssicherung, da darf es keine Vorratsplanung geben.“ CDU-Fraktionschef Günter Lühning dazu: „Wenn 2020 Bedarf da ist, dann wird es den nicht nur bei uns geben, sondern überall, so dass der Landkreis wieder fördern wird.“

mw

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