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Heike Fischer-Martius ist ab sofort Flüchtlingskoordinatorin in Kirchlinteln

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Von: Reike Raczkowski

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Ein Mann und eine Frau im Gespräch vor einem Verwaltungsgebäude.
Sie wollte eigentlich nur eine Patenschaft für ukrainische Flüchtlinge übernehmen. Bürgermeister-Vertreter Frank Weiberg konnte sie überzeugen, direkt als ehrenamtliche Flüchtlingskoordinatorin einzusteigen: Heike Fischer-Martius wird künftig Ansprechpartnerin in vielen Fragen rund um die Kirchlintler Hilfsangebote sein. Zu erreichen ist sie derzeit am besten per E-Mail an ukraine-hilfe@kirchlinteln.de. © Raczkowski

In der Ukraine herrscht Krieg, unzählige Menschen, vor allem Frauen und Kinder, müssen ihr Land verlassen. In Deutschland wollen viele Menschen helfen, auch in der Gemeinde Kirchlinteln. Aber damit das funktioniert, muss irgendjemand die vielen Hilfsangebote auch koordinieren. Darum wird sich jetzt Heike Fischer-Martius ehrenamtlich kümmern.

Kirchlinteln – Hat noch jemand einen Kinderwagen für eine ukrainische Mutter übrig? Wo kann sich ein Geflüchteter registrieren lassen? Gibt es Informationen über die Corona-Schutzimpfung auch in ukrainischer oder russischer Sprache? Braucht jemand noch Kinderkleidung in Größe 134? Fragen über Fragen rund um die Flüchtlingssituation wegen des Ukrainekrieges, von denen viele zunächst einmal an die Rathäuser gestellt werden, wo die Telefone der Mitarbeiter schon seit Wochen heiß laufen. Um der Verwaltung etwas Luft zum Arbeiten zu verschaffen, wird sich künftig Heike Fischer-Martius ehrenamtlich um viele Fragen rund um Flüchtlingsangelegenheiten in der Gemeinde Kirchlinteln kümmern. „Heike ist für uns ein Hauptgewinn“, sagt Frank Weiberg, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.

Die Verwaltung kann die Arbeit nicht nebenher stemmen

Er berichtet, dass derzeit in der kleinen Kirchlintler Verwaltung wahnsinnig viel zu tun sei, was zum Beispiel die Registrierung von Flüchtlingen angehe. „Und dazu kommt viel Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, was natürlich unglaublich toll ist, aber auch koordiniert werden will. Das ist viel Arbeit, und das schaffen wir einfach nicht. Wir saufen hier tatsächlich gerade ab.“

Und an dieser Stelle kommt nun Heike Fischer-Martius ins Spiel. Die 57-Jährige, seit Kurzem im Ruhestand, hatte sich vergangene Woche zunächst aus einem anderen Grund an das Kirchlintler Rathaus gewandt. „Ich wollte eigentlich nur wissen, ob es möglich ist, eine Patenschaft für ukrainische Flüchtlinge zu übernehmen.“ Schnell konnte sie aber dafür gewonnen werden, sich noch in einem größeren Maße ehrenamtlich einzusetzen und die Funktion der gemeindlichen Flüchtlingskoordinatorin zu übernehmen.

Ehrenamtliche ist für die Verwaltung „ein Hauptgewinn“

Das Studium der interkulturellen Kommunikation der Kirchlinterin liegt zwar schon eine Weile zurück, ihr Interesse an der Thematik ist aber ungebrochen. Sie bekundete ihre Bereitschaft, und dann ging alles blitzschnell: „Wir haben uns mit dem Bürgermeister und dem Ordnungsamtsleiter zusammengesetzt, alles besprochen und ihr gerade ihr Diensthandy und -notebook übergeben“, sagt Weiberg. „Heike ist für uns ein Hauptgewinn.“

Weil sich die Krisensituation derzeit sehr dynamisch darstelle, müsse sich in den kommenden Wochen erst noch herauskristallisieren, wo genau der Schwerpunkt der engagierten Kirchlintlerin liegen wird. „Für uns ist klar: Heike macht das, woran sie auch Spaß und Freude hat“, erklärt Weiberg, der betont, dass Fischer-Martius keinesfalls selbst im Meldeamt Registrierungen vornehmen – oder andere Aufgaben übernehmen werde, die eindeutig in der Verantwortung der Gemeinde lägen.

Gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis

Sie werde aber zum Beispiel als Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Helfer fungieren, Spendengesuche und -angebote koordinieren, den Austausch unter Ukrainern ermöglichen, mit den Ortsvorstehern netzwerken und langfristig dabei helfen, die Menschen vor Ort zu integrieren: Alles Aufgaben, die derzeit einen großen Teil von Weibergs eigener Arbeitszeit binden, der aber ja als Kämmerer bereits gut ausgelastet ist.

Wie viele ukrainische Flüchtlinge stand heute in der Gemeinde Kirchlinteln leben, kann Weiberg nicht genau sagen. „69 Menschen haben die Kirchlintler Ehrenamtlichen vergangene Woche hierher geholt und privat untergebracht, ich würde aber schätzen, dass es noch mindestens 30 bis 40 weitere Kriegsflüchtlinge in der Gemeinde gibt, die auf anderen Wegen gekommen sind.“ Klar sei eins: Es werden jeden Tag mehr.

Und wenn der Landkreis Verden in Kürze die Kirchlintler Schulturnhalle zur Sammelunterkunft umfunktioniert habe, würden die Zahlen natürlich noch einmal stark steigen. „Aber der Landkreis kümmert sich sehr gut, das muss man ausdrücklich loben. Die Kommunikation mit Landrat und Ausländerbehörde läuft prima, wir unterstützen uns gegenseitig. Wir können diese riesige Herausforderung nur gemeinsam als kommunale Familie leisten.“

Nach wie vor seien es aber vor allem der unermüdliche Einsatz der vielen Ehrenamtlichen aus der Gemeinde Kirchlinteln, die Großzügigkeit und Spendenbereitschaft der Einwohner, die ihn in diesen Tagen persönlich sehr berührten. „Wenn ich gerade die Zeit dafür hätte, würde ich wohl eine Gänsehaut bekommen.“

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