Besuch in Kükenmoor: Auf einen Kaffee bei Bewerberin Sabine Mandel

Bürgermeisterwahl in Kirchlinteln: Die Kandidatin kann auch Doppelkopf

Eine Frau sitzt auf einem Gatter und streichelt ein braunes Pferd.
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Das liebste Hobby von Bürgermeisterkandidatin Sabine Mandel ist der 23-jährige Wallach Castor.

Kaffeeduft erfüllt Sabine Mandels Küche. Der Blick aus dem Fenster fällt auf eine große Weide, auf der Pferde grasen. Kirchlintelns Bürgermeisterkandidatin macht noch schnell ihr Telefon auf lautlos. Das klingelt ohnehin oft, wegen ihres Jobs in der Verdener Stadtverwaltung. Jetzt im Wahlkampf steht es kaum noch still.

Kükenmoor – „Das ist alles sehr aufregend“, erzählt die 59-Jährige. Sie springe im Moment „zwischen zwei Leben hin und her“. Zum einen der verantwortungsvolle Job als Fachbereichsleiterin im Verdener Rathaus, zum anderen die Wahlkampagne in ihrer Heimatgemeinde Kirchlinteln, wo sie Bürgermeisterin werden möchte, mit Pressegesprächen, Ortsterminen, Hausbesuchen. Sie freue sich, dass sie die Gemeinde und ihre Bewohner in den vergangenen Wochen noch einmal auf eine ganz andere Weise habe kennenlernen dürfe. „Mir ist einmal mehr aufgefallen, wie schön es hier eigentlich ist.“

Sie habe während des Wahlkampfes viele Menschen kennengelernt, die sich mit ihren Anliegen an sie gewandt hätten. „Man muss die Leute ernst nehmen“, sagt sie und ergänzt, dass dazu aber auch Ehrlichkeit gehöre. „Bei einem Ortstermin in Armsen wurde zum Beispiel der Wunsch nach einem Kindergarten im Ort geäußert.“ Da hätte sie jetzt sagen können, dass sie sich als Bürgermeisterin dafür einsetzen würde. „Aber das kann ich nicht. Das ist mein Fachgebiet und ich weiß: Dafür gibt es im Moment nicht die Voraussetzung.“ Falsche Versprechen zu machen, das sei nicht ihr Ding, sagt sie.

Die Homestorys

Wir stellen Ihnen in dieser Rubrik die Bürgermeisterkandidaten vor – ganz privat. Dafür haben wir sie gebeten, uns zu sich nach Hause einzuladen. Heute ist die von SPD und Grünen unterstützte parteilose Kandidatin Sabine Mandel an der Reihe. Die 59-Jährige aus Kükenmoor bewirbt sich bei der Kommunalwahl um die Nachfolge von Wolfgang Rodewald. Neben ihr kandidieren Arne Jacobs und Frank-Peter Seemann.

Mandels Küche liegt im Obergeschoss eines alten Resthofes in Kükenmoor, mit holzgetäfelten Wänden, inmitten von Pferdeweiden und Getreideäckern. „Als wir vor 27 Jahren in diese Gegend gezogen sind, haben wir gezielt nach einem Resthof gesucht, auf dem wir Pferde halten können“, sagt Mandel, die aus Nordhessen kommt und seit drei Jahren mit Kurt, einem Diplom-Biologen, verheiratet ist. Ein Paar sind die beiden schon seit 40 Jahren.

Im Dorf gut angekommen

„Als wir hier ankamen, waren wir auf die Hilfe der Dorfbewohner angewiesen. Wir brauchten Stroh für die Pferde, Futterlieferanten, wir wussten nicht, auf welchen Wegen man reiten darf oder wo man sich einen Traktor ausleihen kann.“ Sie sei heute noch dankbar, dass man sie so gut aufgenommen habe. „Ich komme ja vom Dorf und weiß, wie wichtig Kontakte sind. Ich habe hier auch regelmäßig an Dorfaktivitäten teilgenommen.“ Beim Kükenmoorer Katerfrühstück habe sie eine wichtige Erfahrung gemacht: „Das heißt zwar Frühstück, aber man sollte da nicht mit leerem Magen hingehen.“

Auch an Doppelkopfturnieren habe sie gerne teilgenommen. „Ich bin aber mittlerweile zum Knobeln übergangen.“ Das Kartenspiel sei ihr manchmal dann doch zu ernsthaft gewesen. „Die beim Knobeln haben dagegen immer gelacht“, erzählt sie schmunzelnd. Bei den Turnieren freue sie sich, dass es mittlerweile als Gewinn neben Fleischpaketen auch noch andere Präsente gebe – sie sei nämlich Vegetarierin.

Gerichte mit Gemüse zu kochen – das sei daheim die Aufgabe von Kurt. „Ich backe lieber.“ Ihre Schwarzwälder Kirschtorte sei der Familienkuchen, der dürfe bei keinem Geburtstag fehlen. Zu ihrer Mutter, ihren drei Geschwistern und ihrem Patenkind pflege sie engen Kontakt. „Wir machen regelmäßig Familienurlaube und Geschwisterwochenenden.“

Kandidatin mit Interesse an Kunst

Ein „Muss“ sei für sie, alle fünf Jahre zur documenta in ihre hessische Heimat zu fahren. Davon zeugen unzählige Plakate der Kasseler Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst, die an den Wänden für einen interessanten Kontrast zum Resthofambiente sorgen.

Früher habe sie mit Kurt gerne abenteuerliche Fernreisen unternommen, Neuseeland, Kuba und Costa Rica sind ihr in besonderer Erinnerung geblieben. Heute holten sich die beiden die notwendige Erholung lieber in Südtirol, in den Bergen. „Acht Stunden am Tag einfach nur wandern, das finde ich herrlich.“

Frauengruppe teilt sich die Arbeit rund um die Pferde

Wenn Mandel nicht wandert, Rad fährt oder durch die Wälder joggt, hält sie sich mit Pilates fit. „Ich bin seit rund zehn Jahren im Turnverein Verden in einer festen Gruppe.“ Wegen der bevorstehenden Wahlen käme der Sport allerdings etwas kurz. Das gelte auch für ihr Herzenshobby: Das Reiten. Ihr 23 Jahre alter Wallach Castor verzeiht ihr das offensichtlich, er begrüßt seine Besitzerin mit einem freundlichen Schnauben. Der von Mandel selbst gezüchtete Hannoveraner lebt in Offenstallhaltung als Teil einer kleinen Pferdeherde direkt am Haus. Die weiteren Tiere gehören anderen Frauen, mit denen Mandel eine Art Stallgemeinschaft gebildet hat. „Das ist wahnsinnig praktisch, wir teilen die Arbeiten gerecht auf, größere Einsätze, wie Zäune reparieren oder Jakobskreuzkraut stechen, machen wir gemeinsam.“

Die Bürgermeisterkandidatin schwingt sich auf das Gatter und krault ihren Castor an den Ohren. Der wartet geduldig, bis das Pressefoto im Kasten ist. Und bekommt zum Dank ein Leckerli.

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