Ausstellung von Dirk Stichweh / Alte Techniken stehen im Fokus

Kamera einfach selbst gebaut

Dirk Stichweh zeigt, wie eine Camera Obscura funktioniert.

Kirchlinteln - Es war eine Vernissage der etwas anderen Art, zu der die jugendlichen Mitarbeiter der Kirchlintler Schülerfirma „Kreartiv“ eingeladen hatten. Und das lag daran, dass diesmal weniger die Kunstwerke im Vordergrund standen, als vielmehr die Art und Weise, wie sie entstanden sind. Dirk Stichweh, Fachleiter Kunst der Schule am Lindhoop, zeigte Werke, die er mit alten, heute kaum noch bekannten Techniken hergestellt hat.

Normalerweise stellen die Jugendlichen in ihrer Galerie im Schulgebäude Bilder von schulfremden Künstlern aus. Doch diesmal hatten sie Stichweh, der auch Kunstlehrer am Lindhoop ist, gebeten, seine ungewöhnlichen Stücke zu zeigen. „Wir fanden das einfach total interessant“, berichtet Schülerfirma-Mitarbeiterin Luisa Meyhoff. „Bilder dieser Art hatte ich vorher noch nie gesehen – und ehrlich gesagt auch noch nie davon gehört.“

Der 38-jährige Stichweh berichtete auf Nachfrage der Schüler, dass er während seines Studiums angefangen habe, sich mit den alten Techniken zu beschäftigen. „Es faszinierte mich, weil man dabei so viel herumexperimentieren muss.“

Michael Rudek (r.), Abteilungsleiter der Schülerfirma, begrüßte die Gäste zur Vernissage. - Fotos: Raczkowski

Viele Bilder seiner aktuellen Ausstellung gehen auf Fotografien zurück, die er mit einer Lochkamera, der so genannten Camera Obscura, gemacht hat. Die Besucher der Vernissage zeigten sich sehr interessiert an dieser Technik, so dass Dirk Stichweh den Moment nutzte, den Besuchern zu zeigen, wie ein solches Gerät funktioniert: „Eigentlich ist es ganz einfach, sich so eine Kamera zu bauen“, erzählte der Kunstlehrer. Man brauche ein lichtdichtes Gefäß, er selbst hatte einen Metallkoffer gewählt. Die Innenwände sollten dunkel ausgekleidet sein, damit einfallendes Licht nicht reflektiert wird. „Nun bohrt man ein Loch in den Behälter, das man mit einem Joghurt-Deckel wieder verschließt. In den Joghurt-Deckel sticht man mit einer Stecknadel ein winziges Loch.“

Das Licht fällt durch das Loch auf die gegenüberliegende Wand des Behälters, an der man zuvor Schwarz-Weiß-Fotopapier befestigt hat. Je nach Stärke des Sonnenlichts kann die Belichtungszeit zwischen 10 Sekunden und einer Minute betragen. Danach kann das Bild im Fotolabor entwickelt werden. Die Vernissagegäste waren sehr interessiert und schauten sich die Lochkamera genauer an. Viele hatten noch weitergehende Fragen.

Ebenso spannend klang eine andere Technik, die Cyanotypie. „Dieses Blaudruckverfahren ist sehr alt und heute schon fast in Vergessenheit geraten“, berichtete Stichweh. Für dieses 1842 erfundene, monochrome fotografische Verfahren brauche man vor allem dickeres Papier und einige Chemikalien, mit denen es bestrichen wird. Sobald das Papier dem UV-Licht ausgesetzt wird, reagieren die Chemikalien und lassen ein Bild entstehen. „Fotogramme lassen sich mit diesem Verfahren sehr einfach herstellen“, so Stichweh. Werden Gegenstände wie Blätter, Federn, transparente Foto-Folien oder Schablonen auf das vorbereitete Papier gelegt und dann gemeinsam der Sonne ausgesetzt, entsteht ein Abdruck des Gegenstandes. Zu guter Letzt zeigte Stichweh noch Werke in einer etwas bekannteren alten Technik, dem Holzschnitt.

Interessierte, die sich die Bilder anschauen wollen, sind willkommen. Außerhalb der Schulzeiten können Besucher mit dem Abteilungsleiter der Schülerfirma-Galerie, Michael Rudek, Kontakt aufnehmen, um einen Termin zu vereinbaren: Telefon 04236/1229. - rei

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Kreatives mit Kehrseite inklusive

Kreatives mit Kehrseite inklusive

Rekordteilnahme an der Jubiläums-Frühjahrsjagd

Rekordteilnahme an der Jubiläums-Frühjahrsjagd

Spotlight im Rampenlicht

Spotlight im Rampenlicht

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Kommentare