Kabarett mit Matthias Schlicht

Treffsichere und heitere Fantasie

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Treffsicheres Kabarett lieferte Matthias Schlicht.

Kirchlinteln - Von Johanna Zeuner. Wie man die Sonntagskollekte mit einem Zaubertrick vervierfachen kann, das zeigte Matthias Schlicht dem Publikum in der Kirchlintelner Kirche. Der Pastor aus Buxtehude ist auch als Kabarettist unterwegs. Dabei kommt es ihm, wie er im Gespräch äußerte, darauf an, das Publikum „nicht auf Kosten anderer“, sondern letztlich „über sich selber“ zum Lachen zu bringen. Denn manchmal, so Schlicht vor der Kirche, „nehmen wir uns viel zu wichtig“.

Schlicht „erwischte“ das Kirchlintelner Publikum mit dem Programm „Eisfabrik“ in den kleinen Situationen des Alltags. Um die Postumschläge, die man nicht aufmacht und was einem dabei entgeht, ging es ebenso wie um die ermüdenden Übungen auf einem „Paarseminar“ der evangelischen Erwachsenbildung, die er mal eben so „dirty dancing für Protestanten“ nennt. Auch von den „kalten Füßen seiner Frau“ und seiner immer wieder mit „besonderen Hilfegesuchen“ vor der Tür stehenden Nachbarin erfuhren die Zuhörer in der St.-Petrikirche. „Der traut sich was“, hörte man das Publikum auf der sommerabendlichen Kirchenwiese in der Pause sich mit „Stiftungswein“ zuprosten.

Zum guten Schluss zitierte Schlicht die Sprüche seiner Großmutter, die ihm einfallen, wenn er nachts um drei aufwacht und nicht einschlafen kann. „Kennen Sie das auch“, blinzelt Schlicht mit viel Power zum Publikum rüber und durfte sich der Lacher sicher sein. Dann deklinierte er die gut gemeinten Ratschläge durch: „Nichts tun“ – dabei wird er philosophisch. „An was Schönes denken“ – dabei lenkt er ab. „Schäfchen zählen“ – dabei entwickelt er so manch brutal pastorale Fantasie. „Wissen Sie, Pastor heißt ja Hirte, da hat man manchmal solche Gedanken.“ Die zum Beispiel, wie er seine gealterten Schäfchen über einen Elektrozaun in den Himmel springen lässt.

Immer wieder griff Schlicht auch zur Gitarre, mit der er den Abend, der von manch Stimmausbruch geprägt war, melodiös umrahmte und sich selber samt seiner brodelnden Emotionen wieder einfing. Schön der Song über das „alte Pfarrhaus“, in das er sich zurücksehnt und von wo aus er die alte Diakonisse aus der Kindheit auf dem Fahrrad „mit Medizin und Glauben voll bepackt“ wieder sieht. Den multireligiösen Zeitgeist karikierte Schlicht mit seinem „Reinkarnationssong“ treffsicher.

Der gelungene Abend endete mit Schlichts Vorbild und, wie er sagte, auch Freund seit Jugendtagen, Hanns Dieter Hüsch. Einen Moment lang wurde es ganz still in der Petrikirche, als der Pastor plötzlich ganz politisch wurde und vor einem Zeitgeist warnte, den es schon einmal gab: „Nur wenn wir in uns alle sind ...fliegt keine Asche mehr im Wind…!“

Schlichts Schlusswort aber war wieder heiter – ein „Psalm“ von Hüsch: „Ich bin vergnügt erlöst, befreit, Gott nahm in seine Hände meine Zeit.“ Etwas von dieser „Erlöstheit“ im manchmal spannenden Alltag durfte das Publikum aus der Petrikirche mit nach Hause tragen.

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