Pflege von Gedenktafeln

Jugendliche frischen die Erinnerung an Mitbürger auf

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Rieke Janke, Julian Maas, Denise Albrecht und Tessa Grewe (v.l.) vor den beiden polierten Stolpersteinen der Geschwister Mautner.

Kirchlinteln - Von Hermann Meyer. Die jüdischen Geschwister Amalie und Adolf Mautner wurden am 17. November 1941 von den Nationalsozialisten nach Minsk deportiert und im Juli 1942 ermordet.

Damit ihr Schicksal nicht in Vergessenheit gerät, wurden am 16. Mai 2011 vor dem damaligen Wohnort der Geschwister in Neddenaverbergen vom Kölner Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine gesetzt. So „stolpern“ Passanten seitdem beim Vorbeigehen, indem sie auf die farblich hervorstechenden Gedenktafeln aus Messing aufmerksam werden und durch die Inschriften erfahren, was mit Amalie und Adolf Mautner geschah.

In der Ortschaft Neddenaverbergen lebten im 19. Jahrhundert mehrere jüdische Familien. Neben den Mautners zählten die Reinholds, Lewies, Grünsteins und die Familie Herz dazu.

Bis zur Deportation am 17. November 1941 mit Pferd und Wagen zum Verdener Bahnhof und dann weiter mit dem Zug nach Minsk lebten die Geschwister Amalie und Adolf Mautner in dem Haus Nummer 54a an der Straße Zum Bergfeld. Vor diesem Haus hatte ihr Vater Ludwig Mautner an der Neddener Dorfstraße 1892 eine Gastwirtschaft mit Tanzsaal und einen Kolonialwarenladen errichtet. Nach dem frühen Tod der Eltern, die Mutter starb 1924, der Vater 1933, lebten die stark gehbehinderte Amalie und ihr taubstummer Bruder Adolf in dem sogenannten Judenhaus hinter der Gaststätte. Im Juli 1942 wurden sie in Minsk von den Nationalsozialisten ermordet.

Negativpunkt in der Reichskristallnacht

Hier erkennt man gut den Unterschied: Die eine Gedenktafel ist bereits gereinigt. Jetzt fällt der Stolperstein aus Messing wieder ins Auge und erinnert die Passanten daran, wer einst in der Straße zum Bergfeld in Neddenaverbergen gelebt hat.

In der Chronik von Neddenaverbergen ist vermerkt, dass die von der NSDAP inszenierten Angriffe gegen Juden und jüdisches Eigentum mit der Reichskristallnacht ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatten, als man den alten, gebrechlichen Leuten ganze Stapel Backholzscheite durch die Fenster in die Zimmer warf. „Es rührte sich keine Hand zur Hilfeleistung“, ist in der Chronik zu lesen.

Da die Schule am Lindhoop für diese Stolpersteine die Patenschaft übernahm, besprachen der Fachbereichsleiter für geschichtlich-soziale Weltkunde, Eike Behrens, und SPD-Gemeinderatsmitglied Hermann Meyer, dass es nun an der Zeit sei, die Gedenktafeln zu pflegen. In diesem Sinne thematisierte Eike Behrens das Schicksal von Amalie und Adolf Mautner in seiner Klasse E 9-2. In der Folge erklärten sich mehrere Schülerinnen und Schüler bereit, sich der Pflege der Stolpersteine anzunehmen.

So trafen sich am Sonnabendvormittag Denise Albrecht, Tessa Grewe, Rieke Janke und Julian Maas in Neddenaverbergen vor dem ehemaligen Wohnhaus der Geschwister Mautner, das nicht mehr vorhanden ist. Sie polierten die beiden Gedenktafeln, damit die Inschriften lesbar bleiben, Passanten weiterhin „stolpern“ und somit auch in Zukunft an Amalie und Adolf Mautner erinnert wird.

Stolpersteine wieder sichtbar gemacht

In Kirchlinteln sorgten Sigrid und Uwe Lindhorst, Dörte Liebetruth und Hermann Meyer (alle SPD) dafür, dass der dort gesetzte Stolperstein für den ehemaligen Sozialdemokraten Hinrich Heitmann wieder auffällt. Vor seinem Wohnhaus an der Hauptstraße 34 (Lampen Huus) polierten die vier die Messing-Ummantelung des ebenfalls am 16. Mai 2011 gesetzten Steins. 

Hinrich Heitmann wurde Ende September 1944 von seiner Arbeitsstelle beim Bremer Hauptbahnhof von der Gestapo ins „Arbeitserziehungslager“ Bunker Valentin verschleppt, weil er hungernden Zwangsarbeitern heimlich Brot zusteckte. Dabei wurde er gesehen und denunziert. 

Knapp drei Monate war Heitmann den Torturen der SS und ihrer Helfershelfer ausgesetzt. Seine Familie wusste lange Zeit nicht, wo er war. Die unmenschliche Arbeit und ständige Demütigung hatten auch bei ihm Spuren hinterlassen. Am 29. April 1953 starb er im Alter von nur 54 Jahren.

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