17-Jähriger Kirchlintler geht nach Kolumbien

Josh will helfen

Josh Bartels fliegt im August nach Kolumbien. Angst vor Heimweh hat er nicht. Foto: Raczkowski

Es dauert nicht mehr lange, dann beginnt für Josh Bartels (17) das Abenteuer seines Lebens. Im August fliegt der Abiturient aus Kirchlinteln nach Kolumbien, um dort ein Jahr lang einen Freiwilligendienst zu leisten.

Kirchlinteln - Schon jetzt freut er sich auf das aufregende Land im Nordwesten Südamerikas, zwischen Pazifik und Karibik, dem Amazonasregenwald und den Anden, wo er sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren wird. Unterstützt wird er von der Organisation ICJA (Internationaler christlicher Jugendaustausch), finanziert wird das Jahr vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Doch Josh braucht noch weitere Sponsoren, die sein FSJ unterstützen.

Derzeit macht Josh sein Abitur am Gymnasium am Wall in Verden. In seiner Freizeit mag er es, sich zu bewegen, fährt viel Fahrrad und geht ins Fitnessstudio. Früher hat er im Verein Fußball gespielt. Um sein Taschengeld aufzubessern, gibt er Schülern Nachhilfe in Spanisch und Mathe.

Bevor er sich seiner Berufsfindung zuwendet, will er sich für Bedürftige engagieren. „Gerade in Kolumbien gibt es viele Kinder, die wegen ihrer familiären Situation sozial benachteiligt sind. Sie wachsen in armen Verhältnissen auf, haben wenig zu essen und oft nicht genug Geld für eine gute Bildung. Um diesen Menschen zu helfen, mache ich das FSJ. Es gibt dort Projekte, in denen ich als Lehrer in einer Schule für arme Kinder oder in Notunterkünften für Straßenkinder ohne Familien eingesetzt werden könnte.“

Wo genau in Kolumbien es hingehen soll, weiß Josh noch nicht. Auch nicht, wie genau seine Aufgaben aussehen werden. Darauf hat er nur insoweit Einfluss, als dass er bei seiner Entsendeorganisation seine Präferenzen angeben konnte, auf welche Weise er tätig werden will. „Ich möchte am liebsten mit Kindern arbeiten, weil ich glaube, dass man ihnen nicht nur viel beibringen, sondern auch viel von ihnen lernen kann.“ Ob es an die Küste geht, in ein Bergdorf in den Anden oder mitten in eine Stadt – Josh muss abwarten, was die Organisation für ihn vorsieht. „Ich finde das spannend“, sagt der 17-Jährige. Eins ist klar: Die ersten beiden Wochen wird er mit anderen Freiwilligen in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, verbringen, wo alle gemeinsam ein Einführungsseminar absolvieren.

„Ich wusste eigentlich schon immer, dass ich so was machen möchte“, sagt Josh. „Meine Cousinen haben beide ein FSJ im Ausland gemacht, sie waren in Indien beziehungsweise in der Ukraine, und beide haben viel für sich mitgenommen. Ihre Erzählungen haben mich noch in meiner Entscheidung bestärkt.“ Auch seine jüngere Schwester Ennie (15) weiß jetzt schon, dass sie unbedingt ein Auslandsjahr machen will.

Dass es für Josh Lateinamerika werden sollte, war ebenfalls schon lange klar. „Bei uns zuhause läuft immer Salsa-Musik, damit bin ich aufgewachsen. Wir haben Freunde aus Costa Rica – und natürlich liebe ich die Sprache.“ Seine Spanischkenntnisse konnte Josh bereits bei einem Schüleraustausch vertiefen. Drei Monate lebte er in einer Gastfamilie, drei Monate lebte sein Austauschschüler bei ihm. „Das ist dann schon noch mal was anderes als Unterricht in der Schule.“

Über sein Zielland hat Josh viel im Internet recherchiert. Nicht immer mit erfreulichem Ergebnis. „Wenn man sich so die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes ansieht, da denkt man sich schon: Eine Mutter will so was wohl eher nicht lesen.“ Kolumbien ist kein sicheres Reiseland. Drogenhandel, Terrorismus und organisierte Kriminalität sind allgegenwärtig. Angst hat Josh deswegen nicht, doch er nimmt die Hinweise ernst. Es bestärkt ihn eher noch in seiner Entscheidung, dass Kolumbien ein Land ist, in dem es Menschen gibt, die Hilfe brauchen.

Angst vor Heimweh hat er nicht. „Dafür bin ich nicht anfällig. Ich habe das auch schon in Spanien gemerkt: Wenn ich da bin, bin ich komplett da. Außerdem bin ich offen und positiv, ich komme gut mit Menschen klar.“ Er freue sich darauf, die kulturellen Unterschiede kennenzulernen, insbesondere die Lebensfreude der Kolumbianer. „Obwohl es den Menschen in Lateinamerika meist schlechter geht als uns hier, machen sie sich oft weniger Sorgen.“

Die Entsendeorgansiation ICJA ermöglicht es Josh, das Jahr zu drei Vierteln mit staatlicher Finanzierung durchzuführen. Da der Staat aber nicht die gesamten Kosten tragen kann, ist es erforderlich, dass jeder Freiwillige seine Unterstützung über seine tatsächliche Hilfe vor Ort hinaus, finanziell durch das letzte fehlende Viertel leistet. Hierfür gibt es das Prinzip des Förderkreises. Das bedeutet, dass jeder Freiwillige eine Gruppe von Spendern mobilisiert, die dieses Viertel von insgesamt 3 600 Euro spendet. Dieses Geld geht nicht an Josh, sondern an ICJA und wird als Ressource genutzt, um die Projekte, bei denen die Freiwilligen mitarbeiten, zu unterstützen. ICJA setzt sich auf der ganzen Welt für Frieden, Sicherheit und Solidarität ein, ohne dabei selber Gewinne zu erwirtschaften. „Ich bin der Meinung, dass solche Organisationen für unsere heutige globalisierte Weltgemeinschaft von unglaublichem Wert sind“, sagt Josh. Wer den Kirchlintler unterstützen möchte, schreibt ihm am besten eine E-Mail an josh.bartels@web.de. „Ich werde meine Sponsoren über meinen Aufenthalt und mein Projekt auf dem Laufenden halten“, verspricht er.

Die Kontodaten: Inhaber ICJA Freiwilligenaustausch, IBAN DE06 3506 0190 1011 8120 38, BIC GENODED1DKD, Bank KD-Bank Dortmund, Verwendungszweck Spende 32-1161.

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