Infoveranstaltung zum Thema Flüchtlinge / Konkrete Fragen und Wünsche

Spürbare Hilfsbereitschaft

+
Franz Riedel (l.) war einer der Referenten.

Kirchlinteln - In der Gemeinde Kirchlinteln leben derzeit 80 Flüchtlinge in 15 Wohnungen in den Ortschaften Armsen, Schafwinkel (St. Pauli), Otersen und Sehlingen. Und es werden noch mehr. Glücklicherweise engagieren sich aber bereits zahlreiche Menschen in der Gemeinde, um den Fremden einen guten Start in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen. Dafür bedankte sich gestern Karsten Bödeker vom Landkreis Verden im Rahmen einer Info-Veranstaltung im Lintler Krug, zu der fast 50 Menschen gekommen waren. Die meisten von ihnen hatten schon Kontakt mit den Flüchtlingen und helfen bereits, wo sie können.

Bei der Veranstaltung berichtete Bödeker zunächst über die aktuelle Situation im Landkreis Verden, machte deutlich, dass man keine Möglichkeit habe zu steuern, wie viele Flüchtlinge kämen oder wann. Nur zwei bis drei Tage Vorlauf hätte der Landkreis, wenn es darum gehe, neue Flüchtlinge unterzubringen. Zu diesem Zweck habe der Landkreis mittlerweile 150 Wohnungen angemietet. „Aber irgendwann könnte es sein, dass der Wohnraum knapp wird.“ Er wolle kein Schreckensszenario aufbauen, aber in letzter Konsequenz sei es denkbar, öffentliche Gebäude, wie Turnhallen, mit Flüchtlingen zu belegen oder Container aufzustellen. „Aber so schlimm ist es noch nicht und diese Lösung ist auch auf keinen Fall gewollt.“

Im Anschluss berichteten die Ortsvorsteher Ingrid Müller (Schafwinkel) und Friedel Koch (Armsen) von ihren bisherigen Erfahrungen mit den Flüchtlingen. Beide waren sich einig: Mit den Menschen habe es bisher überhaupt keine Probleme gegeben, ob sie nun aus Albanien, Montenegro, Bosnien, Elfenbeinküste, Pakistan, dem Sudan oder Eritrea stammen. „Jede Kultur bringt etwas Neues mit in unser Dorf“, so Ingrid Müller, die daran erinnerte, dass die Flüchtlinge zwar nur wenig Gepäck mitbringen würden, aber oft einen Rucksack voller Sorgen.

„Zum Glück haben wir ganz viele tolle Einwohner, die sich kümmern.“ Seien es Fahrten zum Arzt, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder bei alltäglichen Fragen. „Und dann gibt es Menschen, die nicht auf die Flüchtlinge zugehen. Aber nicht, weil sie sie ablehnen, sondern weil sie nicht der Typ dafür sind. Sie kommen dann aber zu mir und bieten sich zum Beispiel an, Fahrräder zu reparieren.“

Müller erklärte auch, warum fast die meisten der Flüchtlinge Smartphones hätten. Die seien kein Statussymbol, sondern einfach der Draht nach Hause. „Die waren oft monatelang unterwegs. Die wollen ihre Familie kontaktieren können und sagen: ‚Ich hab es geschafft, ich lebe noch.‘“ Einer der Flüchtlinge habe zu ihr gesagt: „Ihr seid alle so freundlich hier. Selbst eure Polizei ist freundlich.“ Das würde einen Eindruck davon geben, welche Repressalien diese Menschen in ihren Heimatländern durchgemacht hätten.

Friedel Koch berichtete, auch in Armsen würden sich die Neubürger gut einleben, dank der Hilfe aus der Nachbarschaft, der Caritas und der Kirche. Die Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen mit dem Kreis sei besser geworden. Dennoch gebe es noch einige konkrete Probleme. Etwa, dass die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft einfach mit etwas Geld bei ihrer neuen Wohnung abgesetzt würden. „Aber dann kommen sie rein und der Kühlschrank ist leer“, so Müller. In St. Pauli oder Armsen gebe es weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit und „Geld kann man nicht essen“, so eine Besucherin. Die Flüchtlinge seien also von der ersten Minute darauf angewiesen, dass Nachbarn mit ihnen einkaufen fahren. Die Mobilität sei ohnehin ein großes Problem, betonte Friedel Koch. Er forderte, dass die Flüchtlinge verbilligte Tickets für öffentliche Verkehrsmittel bekämen.

Franz Riedel, Arbeitsvermittler bei der ALV – Arbeit im Landkreis Verden, beriet die Zuhörer im Anschluss in der Frage, welche Beschäftigungsformen für Flüchtlinge möglich sind, wie zum Beispiel ehrenamtliche Arbeiten oder unbezahlte Praktika.

Am Ende des Abends bedankte sich Karsten Bödeker bei den Bürgern. „Auch dafür, dass sie uns unbequeme Fragen stellen. Ich kann nicht von allen erwarten, dass sie ihre Freizeit opfern. Aber bitte seien Sie optimistisch und aufgeschlossen, wenn in Ihrer Nachbarschaft Flüchtlinge untergebracht werden sollen.“

Bürgermeister Wolfgang Rodewald zeigte sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden. „Kein Einziger hat an diesem Abend in Frage gestellt, dass wir uns um die Flüchtlinge kümmern müssen.“ Stattdessen sei es nur darum gegangen, wie man am effektivsten Hilfe leisten könnte. „Das finde ich einfach super.“

rei

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Meistgelesene Artikel

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Im Jaguar gegen die Leitplanke

Im Jaguar gegen die Leitplanke

Kommentare