Auf Homes Hoff wird Platt gesprochen

Feier in Holtum (Geest): Landwirt Werner Meyer wird 90 Jahre alt

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Auf Homes Hoff wird Plattdeutsch gesprochen, das hat Jubilar Werner Meyer auch an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Enkelin Maria sorgt ihrerseits dafür, dass auch Urenkel Henrich die alte Sprache von klein auf lernt.

Holtum (Geest) - Landwirt durch und durch ist Werner Meyer aus Holtum (Geest). Er hat die Veränderungen der Branche miterlebt – neun Jahrzehnte lang. Gestern feierte er auf Homes Hoff seinen 90. Geburtstag. „Früher gab es in Holtum 45 Betriebe, die allein in Landwirtschaft gemacht haben, jetzt sind es vielleicht noch fünf oder sechs“, erzählt Werner Meyer mit etwas Wehmut in der Stimme und zieht an seinem Zigarillo.

Er wurde in Holtum in eine Landwirtschaftsfamilie geboren. Seine Leidenschaft galt vor allem den Pferden, und so machte eine Ausbildung auf dem Landgestüt Celle. Doch der Krieg kam dazwischen. Meyer wurde eingezogen, diente bei der Luftwaffe und geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er nach einem Jahr in sein Heimatdorf zurückkehrte. „Aber mein älterer Bruder, der den Hof übernehmen sollte, der ist im Krieg geblieben.“

Also besuchte Werner zwei Winter die Landwirtschaftsschule. Als 20-Jähriger übernahm er den Hof und heiratete 1956 seine (2014 verstorbene) Christa. Gemeinsam zogen die beiden zwei Töchter, Dorli und Almut, groß. In den folgenden Jahrzehnten lebten fast immer vier Generationen auf Homes Hoff. Werners Mutter Dora wurde 102 Jahre alt.

Neben der Landwirtschaft engagierte sich Meyer auch politisch: Vor der Gebietsreform war er viele Jahre Mitglied des Holtumer Gemeinderates, außerdem engagierte er sich als Schöffe bei Gericht. Im Schützenverein ist er ebenfalls – und seit 71 Jahren ist er Mitglied bei der Holtumer Feuerwehr. Klar, dass gestern zahlreiche Gratulanten in Uniform auf Homes Hoff erschienen.

Immer für einen Schnack am Gartenzaun zu haben

Die Landwirtschaft veränderte sich stetig. So gab es im vergangenen Jahrhundert bei Meyers Kühe und Schweine, Kartoffeln und Spargel, Ackerbau und Waldwirtschaft. Besonders in der Schweinezucht verzeichnete Werner Meyer Erfolge. Als zusätzliches Standbein eröffnete die Familie Anfang der 90er-Jahre eine Gastronomie unter dem Motto: „Vom Feld auf den Teller“, wo Gäste zum Beispiel Grünkohl, Spargel oder Ente essen konnten. Als 2004 klar war, dass niemand die Hofnachfolge übernehmen würde, hängte die Familie die Vollerwerbslandwirtschaft an den Nagel. Mittlerweile vermietet Tochter Dorli Ferienwohnungen an Gäste, die Urlaub auf dem Lande machen wollen.

Der Senior lässt es im Alter ruhig angehen: Täglich wird die VAZ gelesen, Fernsehen geschaut – und für einen Schnack am Gartenzaun ist er auch immer zu haben. In seiner Familie wird der Senior für seine geradlinige, bescheidene Art und seinen trockenen Humor geschätzt. Angeberei und „unnützes Blabla“ seien ihm zuwider, berichtet Enkelin Maria. „Plietsch“ sei der Opa, da ist sich die Familie, in der in erster Linie Plattdeutsch gesprochen wird und zu der mittlerweile auch vier Enkel und vier Urenkel gehören, einig. „Er meckert nicht und ist immer ganz entspannt“, erzählt Tochter Dorli, die längst aufgegeben hat, ihrem Vater dessen geliebte Zigarillos auszureden. „Das Smöken können wir ihm nicht mehr abgewöhnen“, sagt sie. „Es gehört einfach zu ihm dazu.“

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