Besuch bei Familie Hogrefe: Auch an Weihnachten müssen die Tiere versorgt werden

Heute gibt es eine Extraportion Stroh

Den siebenjährigen Hinnerk muss niemand zur Mithilfe überreden: Ihm macht die Arbeit Spaß, vor allem, weil er so gerne den Hof-Trac fährt.
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Den siebenjährigen Hinnerk muss niemand zur Mithilfe überreden: Ihm macht die Arbeit Spaß, vor allem, weil er so gerne den Hof-Trac fährt.

Neddenaverbergen – Füttern, melken, ein Auge auf die kleinen Kälber haben – auch heute, an Heiligabend, wird Hanna Rüpke diese Arbeiten erledigen. Und wenn sich eine Kuh entscheidet, heute noch Nachwuchs auf die Welt zu bringen? „Dann ist das eben so“, lacht sie. Die Ahnebergerin ist Auszubildende auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Hogrefe in Neddenaverbergen. Und da gehört es eben dazu, sich jeden Tag um die Tiere zu kümmern, auch an Weihnachten. Und wenn es nötig ist, müssen auch die Familienmitglieder ran, vom kleinen Hinnerk bis hin zu Senior Diedrich.

„Es gibt in der Landwirtschaft Arbeiten, die man einfach nicht ausfallen lassen oder verschieben kann“, sagt der Chef des Betriebes, Lars Hogrefe. Die Versorgung der Tiere gehöre auf jeden Fall dazu. Und Tiere haben Hogrefes reichlich: 235 Milchkühe plus die weibliche Aufzucht sowie 2100 Mastschweine wollen täglich versorgt werden. Allein das Melken der Kühe dauert – zweimal am Tag – mindestens 2,5 Stunden. „Wenn man nicht melken würde, würde man die Gesundheit der Tiere aufs Spiel setzen, das geht gar nicht“, so der Landwirt. Zum Hof gehören außerdem eine 75-KW-Biogasanlage sowie der Anbau von Wintergerste und -roggen und Silomais. „Ach, und Grünland haben wir natürlich auch“, so Hogrefe. „Draußen“, also auf den Feldern, gebe es derzeit zum Glück wenig bis nichts zu tun. Und auch in den Ställen versuche man schon, sich vor den Feiertagen etwas „freizuschaufeln“, also im Vorfeld Arbeiten zu erledigen, damit es über Weihnachten nicht ganz so viel zu tun gibt.

Der Betrieb hat drei Auszubildende, neben Hanna noch Mats Wienberg und Tim Rüpke, sowie einen Angestellten: den ehemaligen Azubi Lennart Ernst. Senior Diedrich Hogrefe kümmert sich vor allem um die Schweine. „Außerdem erledigt er alle Reparaturen, die im Betrieb anfallen. Und das sind einige“, so Hogrefe. Sanne, die Frau von Lars, führe nicht nur die Buchhaltung, sie kümmere sich auch um die Verpflegung „der ganzen Mannschaft“, wie der Landwirt erzählt. Zur Mannschaft gehören die Kinder Nele (19), Merle (17), Jule (14) und Hinnerk (7). „Und dann kommen da noch die Azubis und der Angestellte dazu, die sind dann quasi das fünfte, sechste und siebte Kind. Meine Frau ist, ohne Übertreibung, das Herz des Betriebes. Ohne sie würde das alles nicht funktionieren.“

Dass auch an Weihnachten viel Arbeit anfällt, weiß natürlich auch der Hogrefe-Nachwuchs. „Kein Problem“, sagt Merle. „Wir schaffen es trotzdem immer, an Weihnachten viel Zeit miteinander zu verbringen“, sagt die 17-Jährige, die sich schon darauf freut. Und Hinnerk hilft sogar richtig gerne mit. Kein Wunder, schließlich darf er dabei auch schon mal den kleinen Hof-Trac fahren – welcher Siebenjährige träumt nicht davon?

„Sorgen vor den Feiertagen habe ich nicht, weil wir alle ein eingespieltes Team sind und jeder weiß, was er zu tun hat.“ Natürlich wünscht sich der Landwirt jedes Jahr, dass keine unerwarteten Komplikationen auftreten. „Klar kalbt auch an Weihnachten mal eine Kuh, aber normalerweise schaffen die das ja ganz alleine.“ Wobei er schon immer hoffe, dass über Weihnachten kein Tier zur Welt kommt. „Denn natürlich bedeutet das zusätzliche Arbeit, auf die man an den Feiertagen gerne verzichten kann.“ Schlimm sei es, wenn etwas kaputt gehe, was dringend repariert werden muss. „Das hatten wir mal an Silvester, da ist nach dem Melken das Schieberseil im Stall gerissen. Da muss man sich dann umgehend drum kümmern – ganz gleich, ob man Gäste zuhause hat und eigentlich gemütlich mit ihnen feiern will.“

Vor dem Kuhstall steht ein geschmückter und beleuchteter Weihnachtsbaum, um ein wenig festliche Stimmung im Betrieb aufkommen zu lassen. Und heute sollen dann auch die Kühe und Schweine merken, dass Weihnachten ist: „Alle Tiere bekommen jedes Jahr an Heiligabend eine Extra-Ladung Stroh, damit sie es auch wirklich schön haben.“ Dass die Ställe vorher noch einmal richtig sauber gemacht werden, verstehe sich von selbst. „Da lege ich Wert drauf, dass das rechtzeitig gemacht wird“, so Hogrefe.

Nach seinem Weihnachtswunsch gefragt, sagt der Landwirt: „Ich wünsche mir, dass die Allgemeinheit der Landwirtschaft mehr Wertschätzung entgegenbringt. Es ist selbstverständlich, dass gerade an Weihnachten bei allen die Teller voll sind, aber wo die Lebensmittel herkommen, wie viel Arbeit dahinter steckt, interessiert die Wenigsten.“

Er habe Sorge um viele Berufskollegen, die vielleicht nicht durch das nächste Jahr kommen werden. Auch bei ihm selbst hätten die coronabedingten Schließungen von Schlachthöfen für erhebliche Probleme bei der Schweinemast geführt. „Wenn es nicht bald zu besseren Erlösen in fast allen Bereichen kommt, werden es viele Landwirte wohl nicht schaffen.“

Von Reike Raczkowski

Schnell mal beim Füttern helfen – für die 17-jährige Merle ist das kein Problem.
Vor dem Kuhstall der Familie Hogrefe sorgt ein Weihnachtsbaum für festliche Stimmung. Merle (mit Hund Lord), Hinnerk und Lars Hogrefe (v.l.) freuen sich auf das Fest.
Müssen auch über Weihnachten ran: Die Azubis Mats Wienberg und Hanna Rüpke sowie der Angestellte Lennart Ernst (von links) hoffen auf ein ruhiges Fest, bei dem wenig Kälber geboren werden und es zu keinen Komplikationen kommt. Nicht auf dem

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