Eisenbahnfreunde berichten von schwieriger finanzieller Situation

Mit Herzblut für die Kleinbahn

Bei den Ferienpassaktionen ist es für die Kids das Größte, einmal vorne beim Lokführer stehen zu dürfen. - Fotos: Röttjer

Stemmen/Verden - „Blumen pflücken während der Fahrt verboten“, so hieß es scherzhaft bis Anfang der 70er-Jahre bei einer Fahrt mit dem Bummelzug auf der Strecke von Verden nach Stemmen. Der Spruch war natürlich eine Anspielung auf das Tempo, mit dem der Zug unterwegs war. Seit 25 Jahren nutzen die Verdener Eisenbahnfreunde die Kleinbahnstrecke und vermitteln damit Geschichte hautnah und das Fahrgefühl der 50er- und 60er-Jahre.

Bei dieser nostalgischen Fahrt geht es im gemächlichen Tempo durch eine abwechslungsreiche Landschaft, vorbei an Wiesen und Wäldern. Dabei passiert die Kleinbahn die Haltestationen Eitze, Luttum, Hohenaverbergen, Armsen und Nedden-averbergen, die mustergültig instandgesetzt wurden, bis zum Ziel Stemmen. „Unser Verein bietet mit seinen Bahnhöfen und Fahrzeugen ein echtes Kleinod norddeutscher Eisenbahn- und regionaler Heimatgeschichte.“ Darüber freute sich in einem Pressegespräch der Vorsitzende der Verdener Eisenbahnfreunde, Walter Wenzel.

Der Kassenwart des Vereins, Walter Stricks, erklärte, dass die an sich positive Entwicklung mit steigenden Kosten verbunden sei. Bedingt durch das hohe Alter benötigten sämtliche Fahrzeuge einen immer größeren Unterhaltungsaufwand und viele Arbeiten dürften darüber hinaus auch nur noch von zertifizierten Werkstätten durchgeführt werden.

Fahrzeuge teuer in der Unterhaltung

„Historische Fahrzeuge sind in der Unterhaltung teuer. Hinzu kommt noch, dass neue Bestimmungen sowie die Kostenexplosion im sicherheitsrelevanten Bereich immer mehr Mittel erfordern“, erläuterte Stricks. Diese könnten durch den Fahrbetrieb und Spenden kaum erwirtschaftet werden. Ohne Sponsoren sowie Zuschüsse sei das nur durch das große Engagement von Mitgliedern und Freunden des Vereins gerade so zu schaffen.

Der Vorstand beschäftige sich daher intensiv damit, aus öffentlicher Hand eine dauerhafte Unterstützung zu erhalten. Seitens des Landkreises und der Stadt Verden liege schon eine Zusage zur Zahlung eines Zuschusses vor, allerdings werde der nur dann gezahlt, wenn auch der Rat der Gemeinde Kirchlinteln seine Zustimmung gebe. Dafür habe die Kommune ein Konzept gefordert, das von Mitgliedern des Vereins erarbeitet worden sei, sagte Stricks. Hier gehe es auch darum, dass die Museumsbahn nach wirtschaftlichen Grundsätzen agiere. Das Papier werde nach der weiteren Abstimmung im Vorstand dem Gemeinderat kurzfristig übermittelt. Damit diese Kleinbahn-Idylle nicht in Gefahr gerate, seien die Gelder dringend erforderlich.

Die Eisenbahnfreunde zeigen sich unglücklich über die Situation, dass die Lok und die Waggons ihrer Museumsbahn noch nicht betriebsbereit sind. Obwohl Mitglieder bei der Restaurierung der Waggons tatkräftige Unterstützung leisteten, gebe es großen finanziellen Bedarf bei den Arbeiten der Fachfirmen. Ein großer Posten sei die Lok „Magdeburger“, die nach der erforderlichen Aufarbeitung auf die Abnahme durch einen technischen Prüfer warte. Die Kosten lägen vor, für die Finanzplanung fehlten noch die letzten Zusagen durch die Förderer, Sponsoren seien angefragt.

Als erfreulich bezeichneten Stricks und Wenzel die Unterstützung durch den Eisenbahnverein in Bruchhausen-Vilsen, der Triebwagen zur Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs zur Verfügung stelle. Auch die Zusammenarbeit mit der Verden-Walsroder-Eisenbahn sei stets konstruktiv. Schließlich gebe es im „Kleinbahnbezirk“ eine besondere Art von Herzblut und Verbundenheit mit der Museumsbahn. Wer als Sponsor unterstützen oder Mitglied werden möchte, kann sich direkt an Walter Stricks, Telefon 0171/5834925, wenden. Nähere Infos gibt es auch im Internet unter www.kleinbahnexpress.de.  J rö

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