Waldmeister und Wegerich brauchen Liebe / Kleinod in Schafwinkel soll nicht verwildern

Heilpflanzengartenhelfer gesucht

Eine Hand streicht über eine Salbeipflanze.
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Damit Muskatellersalbei und Engelwurz weiterhin in Schwafwinkel wachsen und gedeihen, braucht der Heilpflanzengarten Pflege.

Margitta Paprotka-Kühne steht unter dem Ginkgo-Baum, zwischen Muskatellersalbei und Weinraute, zwischen Wilder Malve und Bergkümmel. Sie lässt ihre Finger durch Lavendel, Waldmeister und Engelwurz gleiten und seufzt. „Hier steckt wirklich eine Menge Herzblut drin“, sagt die Diplom-Biologin über den Heilpflanzengarten in Schafwinkel. Sie selbst hat ihn 2002 eröffnet, als Herzstück der mittlerweile geschlossenen Heilpflanzenschule Verden. Sie ist überzeugt, dass dieses besondere Kleinod unbedingt erhalten bleiben muss. Sie weiß aber auch: Ohne Hilfe schafft sie es nicht. „Der Rücken“, sagt die 65-Jährige, die hofft, ehrenamtliche Hobbygärtner zu gewinnen, die sie beim Erhalt des Gartens unterstützen.

Schafwinkel – Als Leiterin der Heilpflanzenschule hat Paprotka-Kühne in den vergangenen fast 20 Jahren unzähligen Menschen beigebracht, wie man Heilpflanzen identifiziert, welche Kräuter gegen Bauchweh helfen und wie sich Salben herstellen lassen. Sie hat Interessierte auf Kräuterwanderungen und Studienreisen mitgenommen, Vorträge gehalten und Begeisterung für zum Teil sehr altes Heilwissen geweckt. Ihre Veranstaltungen waren fast immer ausgebucht. Um die 600 Schüler aus ganz Deutschland werden es wohl gewesen sein, die Paprotka-Kühne in der Phytotherapie ausgebildet hat, viele von ihnen sind bis heute dran geblieben und arbeiten jetzt in diesem Bereich, etwa als Heilpraktiker, oder geben selbst Kurse.

Schule in Schafwinkel mittlerweile geschlossen

Über ein Ende ihrer Heilpflanzenschule habe sie altersbedingt schon länger nachgedacht, sagt die Schafwinklerin. „Corona hat den Prozess dann beschleunigt.“ 2020 war eine Art Abschied geplant, ehemalige Schüler sollten als Dozenten eingeladen werden. „Wegen der Pandemie war das leider nicht möglich. Und Ende des Jahres, da habe ich dann geahnt, dass das auch 2021 wohl eher nichts werden würde.“ Also habe sie einfach auf einen großen Abschied verzichtet und ganz leise die Türen geschlossen.

Doch auf dem Grundstück gegenüber der ehemaligen Schule wächst und wuchert es auch heute noch wie verrückt, die Wildbienen summen aufgeregt und verschiedene Vögel zwitschern vergnügt. Was mit dem Heilpflanzen- und dem angrenzenden Karlsgarten passieren soll, das weiß Paprotka-Kühne noch nicht so genau. Früher habe sie Gärtner bezahlen können, um die Beete in Ordnung zu halten. „Aber ohne die Schule habe ich natürlich auch keine entsprechenden Einnahmen.“ Bei sogenannten „Gartentagen“ hätten sich früher auch gerne ihre Schüler in größeren Gruppen getroffen, um Gartenarbeit mit Geselligkeit zu verbinden. Aber in Corona-Zeiten sei auch das nicht denkbar.

Vielleicht sehnt sich jemand nach körperlicher Betätigung

Die Schafwinklerin hofft, dass sich interessierte Menschen finden, die vielleicht keinen eigenen Garten besitzen und die Lust haben, sich zwischen Mariendistel und Katzenminze nützlich zu machen. Vielleicht sehnt sich ja jemand nach körperlicher Betätigung und möchte sich in der Schwafwinkler Idylle einfach mal die Hände schmutzig machen, Unkraut rupfen und dabei interessante Pflanzen kennenlernen? Zwar erkennt in diesem speziellen Garten vielleicht nicht jeder Laie sofort, was hier Unkraut ist und was wertvolle Heilpflanze. „Aber ich unterstütze da natürlich, keine Sorge.“

Der idyllische Garten bietet in einigen Nischen auch Rückzugsmöglichkeiten für angenehme Pausen. „Wer mag, kann sich also gern ein Buch mitbringen oder ein Picknick.“ Und wer möchte, dürfe sich nach Absprache auch Ableger der Heilpflanzen mitnehmen. Auch ihr umfangreiches Wissen teilt die Gartenbesitzerin gerne mit ihren potenziellen Helfern. „Ich würde mir einfach wünschen, Menschen zu finden, die ein Stück weit Verantwortung für den Garten übernehmen wollen.“

Sollten sich keine Unterstützer finden, würde die Biologin als erste Maßnahme den Garten wohl verkleinern. Schweren Herzens, denn, wenn sie ehrlich ist, hängt sie an jedem Wegerich und jeder Schafgarbe, die hier gedeiht. Doch beginnt für Paprotka-Kühne jetzt auch ein neuer Lebensabschnitt, denn vor Kurzem ist sie Oma geworden. „Und ich würde wirklich gerne mein Enkelkind für ein paar Tage in Österreich besuchen können, ohne jedes Mal Angst haben zu müssen, dass hier alles vertrocknet.“

Wer Lust hat, im Heilpflanzengarten in Schafwinkel zu arbeiten, meldet sich bitte per E-Mail an paprotkakuehne@t-online.de.

Würde gern, kann aber nicht mehr so wie früher: Margitta Paprotka-Kühne sucht Unterstützung.

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