Gustav Schindler: „Flächen waren früher viel größer“ / Pflege durch den Menschen nötig

Nabu engagiert sich für Erhalt der Heide

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Wenn die Heide nicht gepflegt wird, verschwindet sie.

Kirchlinteln - Viel Zeit und Energie hat der Kirchlintler Nabu im vergangenen Jahr in den Erhalt von Heideflächen investiert. „Sieht man sich eine historische Karte aus dem 19. Jahrhundert an, so stellt der Beobachter fest, dass die Heideflächen rund um Kirchlinteln viel größer waren als heute“, erklärt Gustav Schindler vom Nabu. „Auch die südlich der Ortschaft gelegene Hügelgräberheide war früher größer und erstreckte sich zwischen den alten Verbindungswegen von Kirchlinteln nach Weitzmühlen und von Kirchlinteln nach Specken.“

Ein kleiner Teil wurde hauptsächlich wegen der 20 stein- und bronzezeitlichen Hügelgräber 1935 unter Schutz gestellt: „Auf Grund des Paragrafen 30 des Feld- und Forstpolizeigesetzes im Wortlaut der Bekanntmachung vom 21. Januar 1926 [...] wird mit Zustimmung der Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sowie für Ernährung und Landwirtschaft folgendes angeordnet: Paragraf 1 Die Hügelgräberheide südlich von Kirchlinteln, beiderseits der Gemarkungsgrenze Kirchlinteln-Weitzmühlen wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Paragraf 2 a) Das Schutzgebiet hat eine Größe von rund 9 ha.“

Schindler: „Alle Heidegebiete in der norddeutschen Tiefebene sind keine natürlichen Biotope. Sie sind durch menschlichen Einfluss zu Heidegebieten geworden, und nur menschliche Pflege erhält sie. Früher geschah dies im Rahmen der bäuerlichen Tierhaltung. Schafe fraßen alle aufkommenden Baumschößlinge, alte verholzte Heide wurde gemäht und zur Einstreu in den Ställen verwandt. So konnte sich die Heide verjüngen, und das ursprüngliche Landschaftsbild blieb erhalten.“

Mit der Erfindung des Mineraldüngers im 19. Jahrhundert verlor die Plaggenwirtschaft ihre Bedeutung, hinzu kam, dass die Wolle der Heidschnucken unrentabel wurde, da billigere Wolle importiert wurde. „Auch die Kirchlintler Heide ist heute überwiegend verschwunden. Aufforstung, Rodungen und das natürliche Schicksal der Verwaldung ließen die Heideflächen schrumpfen. Wenn Schafe, Abplaggen und Pflege fehlen, wachsen Hunderte von Birken, Kiefern und Traubenkirschen und verändern das Landschaftsbild.“

Wie sehr sich die Kirchlintler Heide im Laufe der Jahrzehnte verkleinert hat, lässt sich leicht nachprüfen. Auf der Internetseite des Landkreises Verden werden im Navigator Karten zur Verfügung gestellt – aktuelle, aber auch historische. Die finden sich, wenn man rechts oben auf „Karte einstellen“ klickt.

Nur die Heide im Naturschutzgebiet Hügelgräberheide wurde dank der Pflege der Urgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Verden, des Naturschutzbundes (Nabu) Kirchlinteln und des Forstamtes in den vergangenen Jahrzehnten erhalten. Kleinere Restflächen befinden sich aber heute noch außerhalb des eigentlichen Schutzgebietes an der Autobahn und sind im Besitz der Gemeinde.

„Deshalb hat die Nabu-Gruppe Kirchlinteln sich vorgenommen, auch diese restlichen Heideflächen nach Absprache mit der Gemeindeverwaltung zu entkusseln und zu pflegen“, erklärt Schindler das Engagement der Naturschützer.

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