Armser finanzieren neues Instrument selbst / Lauschprobe in Holtum (Geest)

Neue Orgel für Armsen: „Gloria“ soll für würdevolle Feiern sorgen

Zwei Männer mit Maske, einer sitzt an einer Digitalorgel, der andere steht daneben.
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Orgelprofi Tillmann Benfer (links), Kirchenmusikdirektor am Dom zu Verden, führt Armsens Ortsvorsteher Hermann Ramme den Klang der Holtumer „Gloria“ vor. Solch ein Instrument wünschen sich die Armser auch.

Tillmann Benfer konzentriert sich einen Moment, dann legt der erfahrene Kirchenmusikdirektor los. Die vollen Töne breiten sich sanft in der kleinen Kapelle aus, der Sound ist einwandfrei, der Orgelprofi zufrieden. Die „Gloria“ hat zwar keine Pfeifen wie das Instrument im Verdener Dom, das Benfer sonst so virtuos spielt, aber die Digital-Orgel in der Holtumer Kapelle mit ihrer modernen Sampletechnik muss sich nicht verstecken. Benfer nickt Hermann Ramme zu, der dessen Spiel gespannt gelauscht hat. Der Ortsvorsteher aus Armsen macht sich heute vor Ort ein Bild vom Klang des Instrumentes – denn er möchte, gemeinsam mit dem örtlichen Heimat- und Kulturverein, auch „seinem“ Dorf unbedingt eine „Gloria“ beschaffen.

Armsen – In diesem Jahr feiert die Armser Kapelle 50. Geburtstag. „Damals haben sich die Einwohner sehr für den Bau engagiert, haben viel Geld gespendet und sich auch mit umfangreichen Eigenleistungen eingebracht“, erzählt Ramme, der sich wünscht, dass zum Jahrestag im Advent ein neues Instrument in dem Gebäude erklingt. „Unsere Orgel ist nun auch schon 50 Jahre alt, sie ist anfällig für Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen, deswegen oft verstimmt.“ Weil das Instrument ja vor allem bei Beerdigungen gespielt werde, sei es ausgesprochen wichtig, dass die Orgel verlässlich sei und zu einem würdevollen Ambiente der Trauerfeiern beitrage.

„Wunschorgel“: die Gloria Cantus 2.31 der Firma Kisselbach

Circa 5 500 Euro soll die „Wunschorgel“, die Gloria Cantus 2.31 der Firma Kisselbach, kosten. Ramme ist zuversichtlich, dass seine Ortschaft diese Anschaffung allein mit Spendengeldern stemmen kann. Er lächelt. „4 300 Euro sind schon zusammengekommen.“ Den Dorfbewohnern bedeute ihre Kapelle immer noch sehr viel, daran habe sich in den vergangenen 50 Jahren offensichtlich nichts geändert.

Im Gespräch mit Holtums Ortsvorsteherin Helma Rippe erfährt Ramme, dass die Finanzierung der Digitalorgel in ihrem Dorf 2019 ebenfalls über Spenden lief. „Ich bin selbst von Haus zu Haus gegangen, fast alle haben etwas dazu gegeben“, sagt Rippe. 5, 50 oder 500 Euro, ganz unterschiedliche Beträge seien es gewesen und jeder einzelne hätte geholfen, das Ziel zu erreichen. In Holtum sei es Bestatterin Silke Ahrens gewesen, die das Projekt angeschoben habe. Leider sei kurz nach der Einweihung bekanntlich die weltweite Corona-Pandemie ausgebrochen, sodass die Holtumer bisher noch nicht allzu oft in den Genuss des Orgelklangs gekommen seien. Eigentlich sei geplant gewesen, auch zu Konzerten in die Friedhofskapelle einzuladen.

Konzerte wären nach der Pandemie denkbar

Konzerte – die schweben auch Ramme für Armsen vor. Die Orgel sei ja schließlich nicht den Trauerfeiern vorbehalten. Er hoffe darauf, dass Tillmann Benfer vielleicht zur Einweihung, in der Weihnachtszeit, das neue Instrument spielen werde. Benfer wohnt erst seit Kurzem in Armsen, genau wie Marion Höra, die aus Bayern zugezogen ist und mittlerweile die Orgel in der Kirchengemeinde Wittlohe spielt. „Denkbar wären auch Konzerte, bei der man die Orgelmusik kombiniert mit Gesang oder mit einem anderen Instrument“, so Höra, die ebenfalls den Moment nutzte und die „Gloria“ direkt ausprobierte.

Wenn die neue Orgel in Armsen einzieht, wird sie ein frisch renoviertes neues Zuhause vorfinden: Die Kapelle hat bereits eine neue klimafreundliche Heizung durch das örtliche Nahwärmenetz erhalten und durch die Gemeinde einen neuen Anstrich der Holztüren und des Innenraums.

Spenden sind noch sehr willkommen

Die Vorfreude ist also groß in Armsen – aber ein paar Euro fehlen natürlich noch. Spenden sind gern gesehen (siehe unten). „Demnächst wird auch wieder das alle fünf Jahre fällige Ölwartegeld in Armsen gezahlt. Da diese oft kleinen Beträge in der Vergangenheit gespendet wurden, gehe ich auch in diesem Jahr davon aus, dass ein erheblicher Beitrag für die Finanzierung der Orgel übrig bleibt.“ Und falls mehr Geld zusammenkommt, als benötigt – kein Problem, denn die Orgel ist nicht der einzige Wunsch der Armser für ihre Kapelle. Vielleicht, so die Hoffnung, könnte irgendwann auch eine Glockenanlage installiert werden.

Wer sich noch an der Finanzierung der Orgel beteiligen möchte, überweist einen selbst gewählten Betrag auf das Konto des Heimat- und Kulturvereins Armsen. IBAN: DE77 2915 2670 0010 2177 76, BIC: BRLADE21VER. Verwendungszweck: Spende für die Orgel.

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