Anwohner fordern Maßnahmen

Weitzmühlen: Gibbach im desolaten Zustand

Ein Bach, der über die Ufer tritt
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Wenn es mal richtig kräftig runterhält, verwandelt sich der Gibbach von einem unscheinbaren Graben zu einem Fluss, der über die Ufer tritt.

Die Weitzmühlener freuen sich, dass gerade Wahlkampf ist. Denn in solchen Zeiten ist es bekanntlich etwas leichter, bei Politikern ein offenes Ohr zu finden und Unterstützung zu bekommen. Um Hilfe bitten Göbber, Müller, Martens und Co schon lange. Seit 2014 mindestens, als ein Starkregenereignis den Gibbach so massiv über die Ufer treten ließ, dass die Anwohner Angst bekamen.

Weitzmühlen – „Das Vieh stand knietief im Wasser“, erinnert sich Hans-Heinrich Müller. Dabei ist der Gibbach normalerweise kaum mehr als ein Rinnsal.

Ob Wahlkampf oder nicht: Die unmittelbaren Anlieger dieses Gewässers zweiter Ordnung, so heißt diese Art Gräben in der Behördensprache, sind froh, dass ihnen jemand zuhört. CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Jacobs war im Rahmen seiner „Tour der Dörfer“ auch in die Ortschaft Weitzmühlen gekommen – und war erschrocken, als er von den Sorgen der Bürger hörte.

Uferbesfestigung abgängig, Kanten überwachsen

Der Gibbach, in den 60er-Jahren umfangreich ausgebaut, ist heute an einigen Stellen zu einem kleinen Rinnsal verkommen. Das Bachbett ist dort keine 20 Zentimeter mehr breit. „Die Uferbefestigung ist größtenteils abgängig und die Uferkanten überwachsen“, stellte Jacobs vor Ort fest. Das behindere den Wasserabfluss bereits bei normalen Sommerregenschauern massiv.

Zu einem Ortstermin hat Anwohner Günter Göbber eine ganze Mappe voll mit Fotos mitgebracht, die dokumentieren, was mit dem Graben bei starken Regenfällen passiert. Kaum vorstellbar, dass sich diese mickrige, zugewachsene Pfütze innerhalb kürzester Zeit zu einem blubbernden Fluss verwandeln soll. „Alles schon gehabt“, sagt Hans-Heinrich Müller.

Die Weitzmühlener erklären, wo das Problem liegt: Hier lande ein Großteil des Niederschlagwassers aus der Ortschaft Kirchlinteln. „Dort wurden in den letzten Jahren immer mehr Flächen versiegelt“, sagt Ortsvorsteher Fred Martens. „Besonders wegen der Baugebiete, die wir selbst geschaffen haben, das muss man ehrlicherweise sagen“, so Jacobs, langjähriges Ratsmitglied. Tendenz der Versiegelung: eindeutig steigend. „Wenn da irgendwann die Rückhaltebecken überlaufen, trifft es uns“, fürchtet Martens.

Anlieger sind in Sorge

Das sei früher vor allem deswegen kein Problem gewesen, weil der Gibbach gut ausgebaut war und das Wasser durchleiten konnte. Mittlerweile sei der Bach ein Nadelöhr, der Wasserabfluss nicht mehr gewährleistet. „Bei einem Starkregen im Bereich der Oberlieger würde es in Weitzmühlen zu Überschwemmungen kommen“, so Wilhelm Hogrefe, Kreistagspolitiker der CDU, der Sorge hat: „Früher war der Schaden in Weitzmühlen überschaubar, da der Gibbach gut ausgebaut war. Heute wären auch anliegende Häuser und Höfe gefährdet.“

Hogrefe hat sich an die Untere Wassrbehörde des Kreises gewandt, denn die wichtigste Frage muss dringend geklärt werden: Wer ist dafür zuständig, den ursprünglich guten Ausbauzustand des Gibbachs wieder herzustellen? Der Unterhaltungsverband und die Gemeinde Kirchlinteln seien sich über die jeweiligen Pflichten nicht einig, bemängeln die Anlieger. „Es darf doch nicht sein, dass aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten dringend erforderliche Maßnahmen unterbleiben“, so Hogrefe.

Der Kreis hat zu der Fragestellung eine ziemlich eindeutige Aussage gemacht: Der Goh-Bach-Unterhaltungsverband, Dachverband Aller Böhme, stehe hier in der Verantwortung, das Gewässer zu unterhalten. Lediglich unterschiedliche Auffassungen über den erforderlichen Umfang der Unterhaltung könne es geben. Für eine generelle Starkregenvorsorge und die entsprechende Gefährdungsbetrachtung sei dagegen die Kommune als Gefahrenabwehrbehörde zuständig.

Gemeinde soll sich mit Unterhaltungsverband an einen Tisch setzen

Der Unterhaltungsverband setzt sich aus allen Grundstückseigentümern im Einzugsgebiet des Gibbachs zusammen. Also aus genau denen, die hier betroffen sind. Göbber, Müller und Co sind ebenfalls Mitglieder, sie zahlen Beiträge für die Unterhaltung. Sie fühlen sich von ihrem Verbandsvorstand abgewimmelt, ihre Sorgen würden nicht ernst genommen.

Arne Jacobs versprach den Weitzmühlenern: „Die Gemeinde wird sich jetzt mit dem Vorstand des Verbandes zusammensetzen und klären, wie es weiter gehen soll.“

Nehmen den aktuellen Zustand des Gibbachs in Augenschein: Die Anlieger Hans-Heinrich Müller, Fred Martens, Günter Göbber sowie knieend die CDU-Politiker Wilhelm Hogrefe und Arne Jacobs (v.l.).
Suchbild: Finde den Gibbach. Das Gewässer ist nur noch ein zugewachsenes Rinnsal, die Uferbefestigung abgängig,

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