Auf dem Gerkenhof in Schafwinkel treffen sich Theater und Musik

„La Strada“ und noch mehr

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Wirbelwinde auf dem Gerkenhof in Schafwinkel: Das „Trio Satchok“, bestehend aus den drei Artisten Galatée Auzanneau, Tim(othée) Belime und Marius Pohlman, mit artistischen Einlagen.

Kirchlinteln - An einem einzigartigen und einmaligen Ort fand ein Teil der Niedersächsischen Musiktage statt. Gastgeber war Detlef Ruddat, Eigentümer des Gerkenhofes in Odeweg. „Erkunden, entdecken, hören“ hieß das Kapitel des Drehbuches mit dem Titel „Abenteuer“.

So manch einer wird im Vorbeifahren sicherlich schon einmal seinen Hals gereckt und sich gewünscht haben, dort einmal Mäuschen spielen zu dürfen. Sonntag war es soweit: Etwa 300 Personen strömten regelrecht auf den Betrieb, der erstmalig im Jahr 1350 erwähnt wurde. Er ging durch die Familien Früchtenicht und Delventhal, bevor Ruddat den Hof 1998 kaufte und aufwendig, mit viel Liebe ins Detail, sanieren, um- und ausbauen ließ. Seit zehn Jahren hat er sich vor allem der Hengstaufzucht verschrieben.

Der Gerkenhof präsentierte sich überaus gepflegt und überzeugte als Veranstaltungsort für die Niedersächsischen Musiktage. Doch die Gäste bekamen nicht nur etwas „auf die Ohren“. Bereichert wurde der Tag durch das „Trio Satchok“, bestehend aus den drei Artisten Galatée Auzanneau (Frankreich), Tim(othée) Belime (Portugal) und Marius Pohlman (Deutschland). Bildhaft stellte Galatée Auzanneau dar: „Ich will doch nur spielen.“ Die drei lieferten ein kurzweiliges, unterhaltsames und schwieriges Akrobatikprogramm auf dem Hinterhof, zwischen Paddock, Stallungen und Reithalle. Der Ort war wie gemacht und erinnerte an „La Strada“, das bekannte Straßenzirkusfestival.

Gleich nebenan begeisterte Wortkünstler Tobias Kunze mit flotten Sprüchen. Zuvor waren ihm allerdings seine Blätter bei einer heftigen Windböe entgleist: „Das kreative Chaos, für den windigen Künstler“, scherzte Kunze spontan. Eigens für seinen Auftritt auf dem Gerkenhof hatte der Poetry-Slammer zwei Beiträge verfasst. Darunter eine Hommage ans Pferd: „Hymnus Equus“. Scharfsinnig dichtete er: „Für eine handvoll Heu, während der Hund ins Bett darf, bleibst Du treu.“ Und: „Wenn Du nicht spurst, wirst Du zu Wurst.“ Die würde allerdings heute eh keiner mehr essen, so „krüsch“ sei das Volk mittlerweile. Denn, so Kunze: „Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich! – Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!“

Den wahrhaft krönenden Abschluss bildeten das Orchester „musica assoluta“ (Hannover) und das Ensemble „german hornsound“. Die Reithalle – übrigens frisch gestrichen – beeindruckte mit einer sehr guten Akustik. Spätestens beim Notturno aus „Ein Sommernachtstraum“ (Felix Mendelssohn Bartholdy), als die Hörner und dann die Fagotte einsetzten, sollte es um die Zuhörer geschehen sein. Fans von Blechbläsern bekamen lebhafte und gleichzeitig tiefgreifende Stücke mit einem Hauch von Dramatik von Robert Schumann durch das Horn-Quartett „german hornsound“ präsentiert, unterstützt durch das Orchester. Einfach nur „wow“.

Für die Pferde mussten sich die Besucher allerdings auf die Suche machen. Mutterstuten grasten mit ihren Fohlen eher im Hintergrund. Den Reitplatz suchten nur wenige Leute auf, die meisten davon wohl eher Pferdekenner. Bereiter Felix Hillmer zeigte unter der Regie von Gestütsleiter Marko List den dreijährigen Hannoveraner Rugwy von Rassolini/Don Frederico und den bis L/M-Niveau ausgebildeten, bewegungsstarken Dolcetto von Don Frederico/Wolkentanz.

bd

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