Gerd Spieckermann aus Kirchlinteln: Kein gewöhnlicher „Heimatmaler“

„Ich liebe diese Landschaft“

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Gerd Spieckermann in seinem Atelier.

Kirchlinteln - Die Kunst begleitet ihn schon sein ganzes Erwachsenenleben. Doch erst jetzt, im beruflichen Ruhestand, kann er sich ihr wirklich frei widmen. Gerd Spieckermann malt beeindruckende Bilder, die oft Landschaften aus der unmittelbaren Umgebung seines Wohnortes Kirchlinteln zeigen. Ein „Heimatmaler“ also irgendwie, aber einer, der etwas zu sagen hat. Und einer, der möchte, dass seine Bilder verstanden werden.

Ein rotes Fahrrad steht auf einer Brücke. Am rechten Bildrand türmt sich ein düsterer, etwas verkrüppelter Baum auf, auf der Straße liegt Laub. Am Himmel hängen einige düstere Wolken. In der Ferne, nur zu erahnen, ist der Himmel blau und bald geht die Sonne auf. Der Betrachter möchte sich sofort am Liebsten auf das Fahrrad schwingen, dem Sonnenaufgang entgegen fahren. „Inspiration für das Bild war eine Bibelstelle, Jesaja 60,1“, erklärt Spieckermann. „Mache dich auf und werde Licht.“

Spieckermann, der mit seiner Frau Christa zwei erwachsene Kinder und ein Enkelkind hat, erlernte Mitte der 60er-Jahre den Beruf des Schaufenstergestalters, im Kaufhaus Geschke in Walsrode. Nach einem Studium der Fächer Kunst und Deutsch trat er in den Schuldienst ein, mehr als 30 Jahre arbeitete er als Pädagoge und später Konrektor in der Schule am Lindhoop.

„In dieser ganzen Zeit habe ich ja nie aufgehört, mich mit der Kunst zu befassen, mich weiterzubilden und immer neue Techniken zu erlernen.“ Schließlich musste er als Kunstlehrer seinen Schülern etwas beibringen können. „Da muss man am Ball bleiben.“

Doch sich intensiver seiner eigenen Kunst widmen, gar Ausstellungen zu veranstalten, das sei damals für ihn nicht in Frage gekommen. „Andere können das vielleicht. Aber ich wollte mich nie aufteilen.“ Er sei in dieser Zeit in erster Linie Kunstlehrer, nicht Künstler gewesen. Und der Erfolg gab ihm Recht: Zahlreiche Kunstprojekte der Schule am Lindhoop wurden auf seine Initiative hin entwickelt. Bis heute fühlt er sich der Schule am Lindhoop verbunden. Klar, dass eine seiner ersten Ausstellungen nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2012 in der Kunstgalerie KreARTiv, einer Abteilung der Schülerfirma Lindworxx, statt fand.

Am liebsten malt Spieckermann seine Werke in Öl oder Acryl. Seine Motive: Landschaften aus der Region Kirchlinteln, realistisch gemalt, aus dem Hingst- oder dem Hühnermoor zum Beispiel. „Ich ziehe mir meine Gummistiefel an und wandere zum Beispiel in der Reith entlang, begebe mich auf Spurensuche in dieser Landschaft, manchmal knipse ich ein paar Fotos.“ Wenn er dann daheim in seinem Atelier die Motive auf Leinwand bringt, malt er sie realistisch – ohne verklärten Blick auf die Landschaft. „Ich schaue nicht auf das Erhabene oder das Heroische der Natur, das ist nicht mein Interesse.“ Das gelte vielmehr dem Vitalen, dem miteinander Vernetzten, „dem Leben und Sterben – und wie alles miteinander verbunden ist.“

Ihm ist es ein Anliegen, dass seine Bilder auch das Schützenswerte der Natur verdeutlichen. „Ich liebe diese Landschaft hier. Und das ist gut so, denn nur, was man liebt, kann man auch schützen.“

Nicht nur von seiner Umgebung lässt sich Spieckermann inspirieren, sondern auch von tagesaktuellen Geschehnissen. So tauchten auf einem seiner Bilder, als die Südlink-Debatte auf ihrem Höhepunkt war, vor einer Ansicht von Kükenmoor plötzlich Strommasten auf, die es dort gar nicht gibt. „Zum Glück nicht“, findet Spieckermann. Einen aktuellen Bezug hat auch das Bild „Grenzüberschreitend“. Das Motiv: Menschen, die versuchen, einen Zaun zu überwinden. „Inspiration war natürlich die Flüchtlingssituation“, so Spieckermann. Auf diesem Bild hat der Künstler erstmals eine besondere Idee verwirklicht und Scherben aus Spiegelglas eingearbeitet. Der Betrachter des Bildes entdeckt also auf einmal sein eigenes Gesicht in der Szenerie und wird auf diese Weise Teil des Geschehens.

rei

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