Nun geraten auch die Kiefern unter Druck

Einzelne Kiefern in dem Bestand sind schon komplett abgestorben. Fotos: Leeske

In der waldreichen Gemeinde Kirchlinteln bestimmt die Kiefer ganz maßgeblich das Bild in den Wäldern. Noch, muss man leider sagen. Denn viele der Bäume sind krank.

VON HENNING LEESKE

Neddenaverbergen – Nach dem Ende der Hütehaltung forsteten frühere Generationen die karge Heidelandschaft im Wesentlichen mit der genügsamen Kiefer auf. Diese Baumart kommt auch auf den sandigen Böden der Geest mit einer Nährstoffziffer von Zwei noch zurecht. Auch die Trockenheit macht dieser Nadelbaumart weniger zu schaffen als den meisten anderen Arten. Kein Wunder, dass die Kiefern in vielen Gebieten der Gemeinde mehr als die Hälfte des Bestandes ausmachen, zum Beispiel in der Gemarkung Neddenaverbergen mit 55,4 Prozent. In der Altersstruktur sind diese Kieferngesellschaften oft sehr stark durchmischt und reichen von relativ jungen Bäumen mit 30 bis 40 Jahren bis zu 120 Jahre alten Senioren.

Nach den zwei trockenen Sommern in Folge ist nun aber auch die vorherrschende Baumart in der Heide unter Druck. Diese Hiobsbotschaft musste Bezirksförster Udo Papenheim bei der Rundfahrt des Forstverbandes mit 60 seiner Mitglieder verkünden, weil ein erster flächendeckender Fall des sogenannten Diplodia-Triebsterbens festgestellt wurde. Auf einer geschätzten Fläche von 3 000 Quadratmetern hat der Förster zahlreiche Kiefern gefunden, die mit dem Pilz befallen und teilweise schon abgestorben sind. „An den brauen Trieben in der Spitze der Kronen sind die betroffenen Bäume zu erkennen“, sagte Papenheim beim Vor-Ort-Termin mit dieser Zeitung. Weiter unten gelegene Teile können noch grüne Triebe haben, bevor der ganze Baum braun wird und abstirbt. Dann sind auch schon längst im Holz direkt unter der Rinde blau eingefärbte Partien zu finden, die auf die Ausbreitung des Pilzes im ganzen Baum schließen lassen.

„Momentan hat jede Baumart bei uns Probleme wegen der anhaltenden Trockenheit“, sagte Papenheim. Bei der Kiefer sei der Pilzbefall wegen der wichtigen Bedeutung der Art im Waldbestand aber besonders verheerend. Denn der Pilz sei nicht behandelbar und der Kahlschlag der befallenen Kiefern die einzige Alternative.

Die Ausbreitung durch die Pilzsporen erfolge durch den Wind und weitere geschwächte Bäume könnten erkranken. Wenn die Kiefern erst einmal durch den Pilz angegriffen sind, gibt ihnen der Prachtkäfer den Rest. „Befallene Bestände müssen dann unbedingt geräumt werden“, so Papenheim. Sonst könnten die Wälder zur Brutstätte der auf Kiefern spezialisierten Käfer werden. Eigentlich ertränken die Kiefern die gefräßigen Krabbler im eigenen Harz, aber bei Wasserknappheit fehlt dem Baum natürlich dieses Verteidigungsmittel.

Papenheim drückte seine Hoffnung aus, dass das Triebsterben vorerst nur auf diesen Bestand wegen standortbezogener Fakten begrenzt bleibt, weil sonst riesige Waldflächen in der ganzen Gemeinde betroffen sein könnten, um ein vielfaches größer als bei den bisherigen Fichtenbeständen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

„Eine Legende besagt: Hätte Herrmann nicht abgeschlossen, würde Friedl immer noch rückwärts laufen“

Flughafen Bremen: Die Ziele im Winterflugplan 2019/2020

Flughafen Bremen: Die Ziele im Winterflugplan 2019/2020

Das bietet das neue Kreuzfahrtschiff "MSC Grandiosa"

Das bietet das neue Kreuzfahrtschiff "MSC Grandiosa"

Beeindruckende Bilder von Wüsten der ganzen Welt – Lebensraum der Extreme

Beeindruckende Bilder von Wüsten der ganzen Welt – Lebensraum der Extreme

Meistgelesene Artikel

Mehr Grün statt Beton

Mehr Grün statt Beton

Cine City: Neues Angebot und aktuelle Besucherzahlen

Cine City: Neues Angebot und aktuelle Besucherzahlen

„Hüttenzauber“ für die Muskelschwundhilfe

„Hüttenzauber“ für die Muskelschwundhilfe

„Wir als Stadt können nur vermitteln“

„Wir als Stadt können nur vermitteln“

Kommentare