Bürger äußern Unmut bei Infoveranstaltung im Lintler Krug

Gegenwind für Edeka-Pläne

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Viele Anwohner wollen nicht, dass auf dem Aula-Grundstück ein neuer Supermarkt gebaut wird.

Kirchlinteln - Bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Lintler Krug ließen zahlreiche Bürger ihrem Unmut über die Pläne eines neuen Edeka-Marktes auf dem gemeindeeigenen Aula-Grundstück freien Lauf. Der Neubau würde den „Ortskern verschandeln“, war zu hören. Zeitweise war wegen der Zwischenrufe nur noch schwer zu verstehen, was die Planer und Investoren eigentlich sagen wollten.

Frontansicht von der Hauptstraße: So stellen sich die Investoren den neuen Markt vor.

Viel Neues hatten sie seit der letzten Infoveranstaltung im Oktober 2014 aber ohnehin nicht zu berichten: Nach wie vor ist gewünscht, auf dem sogenannten Aula-Gelände zwischen Schul- und Hauptstraße einen großen neuen Markt mit einer Verkaufsfläche von 1.500 Quadratmetern und 80 Parkplätzen zu errichten. Die Gesamthöhe des Flachdach-Gebäudes soll maximal acht Meter betragen. 3,8 Millionen Euro Gesamtkosten hat der der potenzielle Investor, Günter Rahlfs von „Rahlfs Immobilien“, dafür eingeplant. Gemeinsam mit Christian Sunder vom Edeka-Immobilien-Service und Architekt Gence Zogai erklärte er seine Pläne für den Neubau, während Susanne Thein vom Planungsbüro Instara erläuterte, welche Änderungen des B-Plans notwendig würden.

Im Vergleich zu den Plänen von 2014 hat sich vor allem die vorgesehene Zulieferung geändert. Ursprünglich sollten die LKW auf der Schulstraße (Kreisstraße) rückwärts in den gemeindeeigenen Teil der Schulstraße (im folgenden kleine Schulstraße genannt) und dort außerdem über einen Fußweg fahren. Das hätte der Landkreis nicht genehmigt, deswegen mussten die Pläne angepasst werden. Nun sollen die Lieferfahrzeuge in die kleine Schulstraße hineinfahren und von dort aus rückwärts in den Anlieferbereich.

„Schuhkarton mit Turnhallenflair“

Der Investor erklärte sich bereit, einen Fußweg auf der gegenüberliegenden Seite der Straße zu bauen, um die Verkehrssituation sicherer zu gestalten. Nach der Anlieferung sollen die Lkw über Schulstraße und Alte Dorfstraße abfahren. Der Kundenverkehr solle dagegen über die Hauptstraße kommen, wo es eine Aufweitung für Linksabbieger geben soll.

Der Lintler Krug war sehr gut gefüllt, das Interesse der Bürger groß. Es waren sowohl Befürworter der Pläne gekommen als auch Gegner. Letztere äußerten sich ablehnend zum Erscheinungsbild des neuen Marktes („Schuhkarton mit Turnhallenflair“), zur erwarteteten Verkehrssituation in der Schulstraße („saugefährlich“, „viel zu eng“, „kein Gegenverkehr mehr möglich“) und auch auf der Hauptstraße („Staugefahr“).

Die Versiegelung der Wiese im Ortskern brachte darüberhinaus auch jene Bürger auf den Plan, die auf ihren Grundstücken im Ortskern ohnehin Probleme mit der Entwässerung haben. Sie befürchten, dass der Neubau, für den außerdem eine Aufschüttung des Geländes notwendig ist, die Situation bei Starkregen im Dorf noch deutlich verschärfen wird. Ein weiteres Gegenargument: der befürchtete Leerstand des alten Edeka-Marktes.

Diese Argumente sind noch immer die gleichen wie im Herbst 2014 – und im Prinzip schon wie im Jahr 2010, als es eine Bürgerbefragung zum Thema gegeben hatte. Damals hatte die Mehrheit der Bürger gesagt, dass sie das bisherige Versorgungsangebot in Kirchlinteln ausreichend finden würde.

Was sich seitdem geändert habe, wollten die Gegner wissen. Christian Sunder (Edeka) erklärte, dass die Umsätze des bisherigen, kleinen Marktes auf der anderen Seite der Hauptstraße weiter rückläufig seien. „Ein Markt in dieser Größe, mit dieser schlechten Parkplatzsituation, ist nicht mehr zeitgemäß und kann sicherlich auf Dauer nicht wirtschaftlich betrieben werden.“ Mit einem großen, modernen Markt wolle man, so Sunder, die Kirchlintler Kaufkraft wieder in den Ort holen. Bisher würden viele Bürger ihre Einkäufe lieber in Verden erledigen.

Bürgermeister Wolfgang Rodewald erklärte, dass außerdem in den vergangenen Jahren das Thema „Innenverdichtung“ an Bedeutung gewonnen habe. „Wir wollen auch für die älteren Bewohner Kirchlintelns die Nahversorgung im Ortskern sichern.“ Er erinnnerte daran, dass die Umfrage damals auch folgendes Ergebnis gebracht hatte: 42,8 Prozent, und damit die Mehrheit der Befragten, hätten als Standort für einen neuen Edeka-Markt das Aula-Grundstück bevorzugt. Über die Optik des neuen Marktes sagte er: „Das ist in Teilen auch einfach eine Geschmacksfrage.“

Am Montag soll der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss um 19.30 Uhr im Lintler Krug über die Änderung des B-Planes entscheiden. Danach haben die Bürger im Rahmen des Auslegungsverfahrens die Möglichkeit, ihre Bedenken schriftlich zu äußern.

rei

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