400 Tiere leben im Dachstuhl

Geflügelte Kirchenmäuse fühlen sich in St. Petri wohl

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In einer Mausohrwochenstube kann es schon mal ganz schön kuschelig werden, wie auf diesem Beispielbild des Nabu zu sehen ist. Insbesondere, wenn es sich um eine Kolonie mit so vielen Tieren wie in Kirchlinteln handelt.

Kirchlinteln - „Ja, manchmal riecht man es leider auch im Gottesdienst“, sagt Küster Hartwig Ahrens. „Vor allem im Sommer.“ Und das dürfe einfach nicht sein. Umso glücklicher sei er, dass das Problem jetzt vorerst beseitigt ist.

Eine Gruppe des örtlichen Nabu half dabei, den Dachstuhl der St.-Petri-Kirche vom Kot der etwa 400 Fledermäuse zu befreien, die dort leben. Gustav Schindler, Vorsitzender des Ortsvereins: „Uns liegen diese streng geschützten Tiere am Herzen.“ Die Fledermäuse fühlen sich in Kirchlinteln schon seit vielen Jahren wohl. Orgelklänge und Glockengeläut scheinen sie nicht zu stören.

Damit Kirchengemeinde und die tierischen Bewohner des Gotteshauses auch künftig in Frieden miteinander leben können, müssten eben ab und zu die Hinterlassenschaften des „Großen Mausohrs“ beseitigt werden. Deswegen schnappten sich die Naturschützer passende Gerätschaften und machten sich ans Werk. „400 Fledermäuse – da kommt schon ordentlich was zusammen“, sagt Schindler. „Und das Gebäude ist denkmalgeschützt, da muss man natürlich auch dafür sorgen, dass die Substanz nicht beschädigt wird durch die Feuchtigkeit der tierischen Hinterlassenschaften.“ Die letzte große Reinigung liege schon einige Jahre zurück.

Typische Kirchenbewohnerin

Das Große Mausohr ist eine typische Kirchenbewohnerin und mit gut 40 Zentimetern Flügelspannweite die größte heimische Fledermausart. Der Nabu beobachtet die „Wochenstube“, wie solche Kolonien von Weibchen mit ihren Jungtieren genannt werden, schon seit circa 15 Jahren. „Die Gruppe wächst kontinuierlich an“, so Schindler. „Anfangs waren es nur 30 bis 70 Tiere.“

Küster Hartwig Ahrens (l.) und Nabu-Ortsvereinsvorsitzender Gustav Schindler (2.v.l.) freuen sich über die Bereitschaft der Kirchlintler Naturschützer, den Dachstuhl vom Fledermauskot zu reinigen.

„Bei Einbruch der Dämmerung fliegen sie durch das Fenster im Glockenturm aus, um in ihrem Habitat, dem Lindhoop, um zu jagen“, berichtet Schindler weiter. Dort suchen sie dicht über dem Erdboden nach flugunfähigen Insekten. Diese erhören sie am Rascheln im Laub. Laufkäfer bilden das Grundnahrungsmittel für Mausohren, zu dem sich dann das jeweilige Insektenangebot der Saison gesellt. 

In einem Infotext des Nabu über Mausohrenwochenstuben heißt es: „Während des nächtlichen Jagdfluges bleiben die Jungtiere im Quartier. Sie hängen unter Aufsicht mehrerer Weibchen eng beieinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Zum Säugen kommen die jagenden Mütter regelmäßig wieder in das Quartier. Sie erkennen ihr Junges an individuellen Ruflauten und am Geruch aus der Vielzahl zurückgelassener kleiner Fledermäuse wieder.“

Neuer Edeka in der Einflugschneise

Der Kirchlintler Nabu-Ortsverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die geflügelten Kirchenmäuse im Blick zu behalten und sich für sie einzusetzen, wenn nötig. „So beobachten wir den Neubau des Edekas in der Ortsmitte auch eher mit Argwohn“, berichtet Gustav Schindler. „Das Gebäude liegt eindeutig in der Einflugschneise der Tiere.“ 

Die neuen Lichter des Supermarktes oder der zu erwartetende Lärm auch in den Abendstunden könnten den Fledermäusen möglicherweise zusetzen. „Wir können noch nicht sagen, ob es Auswirkungen auf den Orientierungssinn der Tiere haben wird.“ Die Zählungen sollen auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden und die Ergebnisse sollen dann Aufschluss darüber geben.

rei

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