Ehepaar geht britischen Soldaten mit weißer Fahne entgegen

Gedenkort für Hedwig und Carl Reh

Eine Kreuzung zweier Schotterwege. Im Hintergrund Bäume. Davor ein geschottertes Areal.
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Der zukünftige Gedenkort ist geschottert und von Bauhofmitarbeitern hergerichtet worden. Zur Einweihung wird ein Hinweis auf das Ehepaar Reh dort stehen, und in Faltblättern gibt es weitere Informationen.

Kirchlinteln – Das Ehepaar Hedwig und Carl Reh bewahrte am 16. April 1945 Kirchlinteln vor einer weiteren Zerstörung. Britische Soldaten näherten sich auf ihrem Vormarsch Kirchlinteln. Hier stießen sie auf einen zusammengewürfelten Haufen deutscher Marinesoldaten, die den Befehl hatten, die Stellung am südlichen Ortsrand zu halten.

Sie fingen an zu schießen, und das war das Zeichen für die Briten, Flammenwerfer einzusetzen, Kampfflugzeuge warfen Brandbomben und schossen auf alles, was sich bewegte. Einige Höfe an der Kükenmoorer Straße standen bereits in Flammen.

Hedwig und Carl Reh suchten zu dieser Zeit mit weiteren rund 30 Dorfbewohnern, einschließlich des NSDAP-Ortsgruppenleiters, Schutz im Keller des Trögerschen Hauses. Durch den Lärm der näherrückenden Kampfhandlungen entschlossen sich die beiden, den britischen Soldaten mit einer weißen Fahne entgegenzugehen. Das war lebensgefährlich.

Die Zerstörung des Dorfes nahmen einige Kirchlintler Nazigrößen ganz bewusst in Kauf und schüchterten Familien, deren Männer im Krieg waren, ein. Eine Zeitzeugin erinnerte sich: „Meine Mutter erzählte mir, dass sie von einer Frau aus dem Ort angesprochen wurde: ,Wenn du die weiße Fahne raushängst, werdet ihr erschossen’.“ Hedwig und Carl Reh scherten sich nicht um diese Drohung und gingen den Briten mit einer weißen Fahne über den Heidberg entgegen. Sie konnten den britischen Offizier überzeugen, die Flammenwerfer wieder abrücken zu lassen.

Ehepaar noch 75 Jahre nach Kriegsende in Kirchlinteln unbekannt

75 Jahre nach Kriegsende war aber im Ort immer noch nicht klar, wer das Ehepaar war. Abgesehen vom Nachnamen war nichts bekannt, nur dass das Paar aus Hamburg stammte und die Frau Kindergärtnerin war. Keiner wusste, was aus ihnen wurde.

Das Buch über „Das Ende des Zweiten Weltkriegs in der Gemeinde Kirchlinteln“, 2020 von der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus zu Wittlohe herausgegeben, gab schließlich den Anstoß, der Sache nachzugehen. Ein Schreiben an die „Hamburger Morgenpost“ mit der Bitte um Veröffentlichung brachte Licht ins Dunkel um das Ehepaar Reh. Dem Chefreporter Olaf Wunder und den beiden Familienforschern und Historikern Matthias Kruse und Gerrit Aust ist es zu verdanken, dass nun fast das komplette Leben der beiden mutigen Hamburger bekannt ist.

Einmütiger Beschluss für Gedenkort

Vor diesem Hintergrund wurde im Kirchlintler Gemeinderat einmütig beschlossen, dem Ehepaar einen Gedenkort zu widmen. Auf dem Heidberg, Ecke Verlängerung der Straße Zum Heidberg und Abzweigung des Wirtschaftsweges zur Alten Weitzmühlener Straße, wurde dafür Platz geschaffen.

Offizielle Einweihung am 2. Oktober

Der Gedenkort soll am Sonnabend, 2. Oktober, offiziell und im Beisein der Bevölkerung eingeweiht werden. Treffpunkt ist um 15 Uhr der Parkplatz des ehemaligen Glaspalastes. Von hier aus geht es die rund 1 000 Meter zu Fuß über den Hinrich-Heitmann-Weg und die Straße Zum Heidberg zum Gedenkort. Die Laudatio hält Olaf Wunder. Eingeladen sind neben anderen auch Eva Adrielsson aus Schweden, bei der Hedwig Reh bis zuletzt lebte, und Vreni Reh aus der Schweiz, die Schwägerin von Hedwig Reh. Von beiden Frauen sind die einzigen Fotos von Carl und Hedwig Reh geliefert worden.

Von Hermann Meyer

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