Zweisprachiges Werk informiert über das Dritte Reich in Kirchlinteln und Letovice

„Für ein verständnisvolles Miteinander“

Das zweisprachige Buch kann auf der einen Seite auf Deutsch und beim Wenden auf Tschechisch gelesen werden. Hier stöbern (v.l.) Hermann Meyer, Martina Sedlacková und Petr Novotny.
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Das zweisprachige Buch kann auf der einen Seite auf Deutsch und beim Wenden auf Tschechisch gelesen werden. Hier stöbern (v.l.) Hermann Meyer, Martina Sedlacková und Petr Novotny.

Letovice/Kirchlinteln – Die Zeit der Okkupation Tschechiens durch Nazi-Deutschland von 1939 bis 1945 ist der Schwerpunkt eines Geschichtsbuchs. Herausgegeben wurde es von den Kirchlintler Freunden von Letovicko. 50 Exemplare des Buchs wurden jetzt im Rathaus von Letovice Bürgermeister Petr Novotny und seinem Stellvertreter Radek Prochazka übergeben.

„In dem 180-seitigen Werk wird speziell auf den tschechischen Widerstand in der Stadt und der Region um Letovice eingegangen“, schreibt die engagierte Kirchlintler Gruppe in einer Pressemitteilung über das Werk.

Finanzielle Förderung von vielen Seiten

Ein bisher unveröffentlichtes Manuskript des Widerstandskämpfers Jan Stifter aus den 1970er-Jahren, der in der Widerstandsgruppe HK 17 tätig war, habe demnach den Anlass zu diesem Projekt gegeben. Überreicht wurde dieses Manuskript 2015 von Daniela Ottová während der 90-Jahr-Feier des SPD-Ortsvereins an dessen Vorsitzenden Hermann Meyer. „Weitere Informationen aus der Zeit der Okkupation wurden aus der umfangreichen Stadtchronik von Letovice entnommen, ebenso viele Fotos. Dazu ist ein ausführlicher Bericht über die Tätigkeit der Partisanengruppe aus Drválovice (rund sieben Kilometer von Letovice entfernt) mit aufgenommen worden“, schreiben die Freunde von Letovicko.

Komplettiert wird der Inhalt des Buches mit drei schrecklichen Vorkommnissen während der Nazi-Zeit in der Gemeinde Kirchlinteln: Die Deportation des jüdischen Geschwisterpaars Mautner aus Neddenaverbergen ins Todeslager nach Minsk; dem Tod von vielen Kindern von Zwangsarbeiterinnen in der „Ausländerkinder-Verwahranstalt“ in Armsen und die Gefangennahme vom Kirchlintler Bahnarbeiter Hinrich Heitmann, der von der Bremer Gestapo ins „Arbeitserziehungslager“ Bremen-Farge verschleppt wurde, weil er hungernden Zwangsarbeitern Brot gab und denunziert wurde.

Damit das Buch an beiden Schulen in Letovice und Kirchlinteln im Unterricht genutzt werden kann, ist es als Janus-Buch zweisprachig erschienen. Petr Novotny und Radek Prochazka waren von diesem einmaligen deutsch-tschechischen Projekt bereits bei ihrem Besuch im Mai 2019 stark beeindruckt und sagten die finanzielle Unterstützung der Stadt zu. „Dieses Buch trägt zu einem weiteren verständnisvollen Miteinander und zur Vertiefung der Freundschaft beider Kommunen bei“, sagte Radek Prochazka bei der Übergabe.

Antonin Skrov, Museumsleiter in Letovice, ergänzte: „Das Buch in Deutsch und Tschechisch ermöglicht mehr Verständnis in beiden Ländern. Es beleuchtet die Zeit, die vor allem Leid für beide Nationen gebracht hat. Zudem trägt es zum Bewusstsein vor allem der jungen Generation bei, damit dies in Zukunft nicht den schädlichen und Hass verbreitenden Ideologien unterliegt.“ Ein Klassensatz für die Kirchlintler Schule wird nach den Sommerferien überreicht.

Auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds sah das Projekt als förderungswürdig an und unterstützte das aufwendige Projekt. Weitere finanzielle Unterstützung kamen von der Gemeinde Kirchlinteln, den drei im Gemeinderat vertretenen Parteien sowie von mehreren Privatpersonen. Durch die Corona-Krise musste die geplante Buchübergabe im Mai dieses Jahres anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus verschoben werden. Das ist nun Ende Juli während eines Kurzurlaubs einiger Freunde von Letovice nachgeholt worden. Harm Schmidt von der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus zu Wittlohe nutzte den Empfang im Rathaus, um ein Exemplar des Buchs über das Ende des Zweiten Weltkriegs in der Gemeinde Kirchlinteln als Geschenk zu überreichen.

„Novotny und Prochazka bedankten sich bei Martina Sedlackova und Hermann Meyer, den beiden Hauptakteuren des Buchs, für deren emsige Arbeit im Rahmen der freundschaftlichen Partnerschaft beider Kommunen“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Bei der Übergabe im Rathaus freuten sich die Akteure über das vollendete Werk. Es soll auch an den Schulen in beiden Kommunen im Unterricht genutzt werden.

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