Frühes Mähen schadet der Natur / Landschaftswarte danken Familie Baars

„Wegränder sind ein wichtiger Lebensraum“

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Sylke Bischoff und Jürgen Thran, Landschaftswarte der Gemeinde Kirchlinteln, freuen sich über die vielfältige Pflanzenwelt am Wegesrand in Hohenaverbergen.

Kirchlinteln - „Schauen Sie mal. Eine Wiesenflockenblume. Wie schön, dass die hier jetzt wieder wächst.“ Die beiden Landschaftswarte der Gemeinde Kirchlinteln, Sylke Bischoff und Jürgen Thran, freuen sich sichtlich. Sie begutachten ein Wegstück in der Gemarkung Hohenaverbergen. Vielfältige Pflanzen sind hier zu sehen, Bienen summen und über der Szenerie segelt ein Rotmilan, aus der Ferne ist der Gesang einer Goldammer zu hören. „Wegränder“, erklärt Thran, „sind ein sehr wichtiger Lebensraum, den es zu schützen gilt.“

Dass in der heutigen Zeit in der intensiv genutzten Landwirtschaft auch noch Platz für Ruhe- und Äsungsflächen bleibt, zeigt an diesem landwirtschaftlichen Weg, sehr zur Freude der Landschaftswarte, die Hohener Landwirtschaftsfamilie Baars. „Nach Rücksprache mit uns war Familie Baars sofort bereit, diesen gemeindeeigenen Weg mit seiner Breite von 9,34 Metern und einer Länge von zirka 190 Metern aus seiner Bewirtschaftung herauszuhalten“, berichtet Thran.

Noch bis über das Ende der Brut- und Setzzeit am 15. Juli hinaus werde es, berichten die Landschaftswarte zufrieden, auf diesem Weg mitsamt seiner Ränder weder Mahd noch Düngung geben. „Diese Wege mit ihren angrenzenden Seitenräumen dienen als ideale Äsungs- und Nistmöglichkeitsflächen für Bodenbrüter sowie vielen Kleinstlebewesen als Lebensraum“, erklärt Thran.

„Hoffen, dass viele

dem Beispiel folgen“

„Die hier lebenden Insekten sind in den ersten Lebenswochen für Reb- und Fasanenküken eine ganz wichtige Nahrung, denn sie sind auf tierisches Eiweiß angewiesen.“ Außerdem dienten die dort wachsenden Gräser und Kräuter der Gesundheit des Niederwilds, fungierten als sogenannte „Hasenapotheke“. Das Mähen dieser Flächen aus Pflegegründen sollte nicht vor Ende Juli vorgenommen werden, damit sich die Vegetation bis dahin entwickeln und es zum Aussamen der Kräuter kommen kann.

Der Bewuchs dient im Winter wieder als Lebensraum für Rebhühner. Leider würden viele Landwirte aber viel zu früh mähen. „Entweder, weil sie das Unkraut fürchten. Manche aber wohl einfach aus unangemessener Ordnungsliebe“, so Thran.

„Das zeitige Mulchen oder Mähen zerstört diesen wertvollen Lebensraum. Man kann nur hoffen, dass diesem Beispiel in Hohenaverbergen viele folgen werden und in Zukunft die Wegeseitenräume, die sich im Besitz und Eigentum der öffentlichen Hand befinden, aus der Nutzung und Bewirtschaftung herausbleiben.“

„Die ökologische Funktion der Feldraine ist außerordentlich wichtig“, ergänzt Sylke Bischoff. Aus diesem Grund haben die Landschaftswarte auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung Umwelt die Wiedereinführung der Wegekommission beantragt. Diese solle den Zustand der gemeindeeigenen Wege in Augenschein nehmen und von Zeit zu Zeit kontrollieren. „Es geht uns nicht im Ansatz darum, den Landwirten in ihre Arbeit hinein zu pfuschen“, so Bischoff. Aber die Wege seien nun einmal in ihrer vollen Breite Eigentum der Gemeinde, und die müsste, da sind sich die Landschaftswarte einig, den Naturschutz an dieser Stelle einfordern, entsprechende Maßnahmen veranlassen und auch deren Umsetzung kontrollieren.

rei

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