Kirchlintler Orgel muss renoviert werden

Frische-Kur für den Klang

Setzen sich für einen frischen Klang der Kirchlintler Orgel ein: Hans-Jürgen Lange, Gerd Spiekermann und Hans-Wilhelm Schröder (von links). - Fotos: Woelki

Kirchlinteln - Die Orgel braucht einen frischen Klang. Vor vier Jahren hat der Rotenburger Orgelrevisor Kantor Karl-Heinz Voßmeier gegenüber der Kirchengemeinde Kirchlinteln angemahnt, das Instrument müsse umfassend renoviert werden, und es sei stark verschmutzt. Daraus ergäben sich klangliche Unzulänglichkeiten. Das berichten vom extra eingerichteten Orgelausschuss der Kirchengemeinde Hans-Wilhelm Schröder, Gerd Spiekermann und Hans-Jürgen Lange.

Damit das Instrument klar und hell klingt, „lassen wir technische Mängel abstellen, die Orgel reinigen und nachintonieren. Dazu wird die Orgel auseinandergebaut“, sagt Spiekermann. Das koste 81 564 Euro. Weil das Projekt eine Maßnahme von regionaler Bedeutung ist, zahlt die Hohe-Heide-Region 44 860 Euro aus EU-Geldern. Damit verbleibt noch ein Eigenanteil von 36 704 Euro.

Das gesamte Pfeifenwerk, die Klaviatur und die Spieltraktur werden ausgebaut und gereinigt, die Ventile ausgebaut und ersetzt, das Gehäuse, die Windladen, die Intonation des gesamten Pfeifenwerkes überprüft und ein neues Gebläse eingebaut. „Bei dem Instrument in der Kirchlinteler Kirche handelt es sich um das Rückpositiv einer Orgel, die der legendäre Hans Scherer erbaute und der sich zugleich mit seinem Selbstbildnis verewigte“, berichtet Hans-Jürgen Lange.

Der Erbauer der Orgel, Hans Scherer, als Selbstbildnis.

Die Familie Scherer wohnte in Hamburg und baute im 16. und frühen 17. Jahrhundert Orgeln in Lübeck, Stettin, Hamburg und Brandenburg. Das Kirchlintler Instrument stammt aus der abgebrochenen Nicolai-Kirche in Stade, das die Kirchengemeinde 1835 erwarb und nach einigen Umbauten durch den Verdener Orgelbauer Tappe Ende Februar 1836 einweihte. Der reich mit Ornamenten geschmückte Renaissance-Prospekt aus dem Jahre 1587 blieb erhalten.

Da sich der technische Zustand der Orgel in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verschlechterte, vereinbarte die Kirchengemeinde einen Neubau mit dem Orgelbauer Johann Hinrich Röver unter Erhalt des historischen Prospektes. Die Orgel erhielt zwei Manuale und ein selbstständiges Pedal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg traten sowohl im klanglichen als auch im technischen Bereich Schäden auf. Eine Göttinger Orgelbaufirma baute 1963/64 eine neue Orgel, angelehnt an die ursprüngliche Disposition von Hans Scherer. Orgelbauer Martin Haspelmath aus Walsrode rekonstruierte 1992 das Diskantprinzipal und gab dem Manualwerk die ursprüngliche Basis wieder.

Im nun klingenden Prospekt befinden sich nicht nur Pfeifen von Hans Scherer, sondern auch von Arp Schnitger, der 1677 nachweislich in der St.-Nicolai-Kirche in Stade Arbeiten am Prospekt vorgenommen hatte.

Diese bisher letzte Umbaumaßnahme hat zu einem Wiederherstellen der früheren klanglichen und optischen Strukturen geführt. Doch jetzt ist es wieder soweit: Die Orgel braucht eine Frische-Kur. - woe

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