Hohener Karlheinz Schulze macht schrottreife Oldtimer wieder fit

Freude an der Fummelarbeit

Mit viel Enthusiasmus geht Karlheinz Schulze an die Restauration des TR4. Und das muss auch sein, denn vor dem 68-jährigen Rentner liegt viel Arbeit.

Hohenaverbergen - Von Reike Raczkowski. „Mein Schrotty“ steht, mit Filzstift geschrieben, auf der Heckklappe. Karlheinz Schulze streicht mit der Hand über das verrostete Blech. „Das kriegen wir schon hin“, sagt er und grinst. Der Blechhaufen soll irgendwann ein von Grund auf restaurierter Triumph TR4 sein, ein britischer Oldtimer aus dem Jahr 1961. „2,1 Liter, vier Zylinder, 104 PS“, fügt Schulze hinzu. Der Hohener hat sich viel vorgenommen, denn das Fahrzeug ist in einem schlechten Zustand. Aber entmutigen lässt sich der 68-jährige Rentner nicht. Schließlich hat Schulze schon einmal einen Schrotthaufen in ein Schmuckstück verwandelt.

Dabei ist er gar nicht vom Fach. Gelernt hat er Radio- und Fernsehtechniker und gearbeitet hat er bis zu seiner Rente als Elektroniker. Begeistert hat er sich für das Thema Autos aber schon in seiner Jugend. So hat er als junger Mann sogar an Autorennen teilgenommen. „Meine Eltern durften das nicht erfahren“, sagt er und lacht.

Heute ist Geschwindigkeit nicht mehr so reizvoll für ihn. Er hat sich verliebt in die schicken alten Oldtimer Fahrzeuge. Besonders britische Oldies haben es ihm angetan. 2002 kaufte er sich seinen ersten Triumph Spitfire und schnell ging es ihm wie so vielen Oldtimerfreunden: Er kaufte sich ein weiteres, schrottreifes Modell dieser Marke. Ursprünglich als Ersatzteillager zum Ausschlachten gedacht, keimte in Schulze der Wunsch auf, den Spitfire wieder fit zu machen.

Und so kam es dann, dass er in Neddenaverbergen eine Garage bezog und immer öfter dorthin verschwand, um zu schrauben. Er erinnert sich: „Viele haben damals schon gesagt: Du spinnst. In deinem Alter noch mit so einem Hobby anzufangen, wo du auf dem kalten Boden unter dem Auto herumkrabbeln musst. Aber ich hatte einfach Lust dazu.“ Und so hat Schulze, damals noch berufstätig, an den Wochenenden und nach Feierabend, in seiner Garage gewerkelt. Und geschraubt. „Und geschweisst“, fügt er hinzu. Das habe er extra für sein neues Hobby gelernt.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis aus dem ehemaligen Ersatzteillager eine chromblitzende Schönheit wurde. Wie viel Arbeit und Geld in die Restaurierung geflossen sind, lässt sich kaum beziffern. „Gut, dass meine Frau da mitgespielt hat.“

Marion Schulze hat nicht das geringste Problem mit der Leidenschaft ihres Mannes. „Ich habe ja schließlich auch meine Hobbys. So etwas hält einen jung im Kopf. Für mich bedeutet das auch einfach Lebensfreude.“ Klar, dass sie damals bei der Jungfernfahrt mit dabei war. In dem britisch-grünen Triumph ging es zu einem Engländer-Treffen ans Steinhuder Meer. Es war ein wunderschöner Ausflug, bei dem Schulze etwas Stolz auf das Geschaffte verspürte. Gut, dass auf dem Rückweg die Bremsen nicht mehr richtig funktionierten, trübte die Freude ein wenig, aber auch dieses Problem wurde gelöst. Eine Weile besaß der Hohener dann also zwei komplett restaurierte Oldies. Damit herumzufahren sei schön gewesen, aber: „Irgendwie fehlte mir das Schrauben schon.“ Seine Frau animierte ihn, einen neuen restaurierungsbedürften Wagen zu kaufen. „Ich sagte zu ihm: Wenn Du Lust dazu hast, dann mach es jetzt, solange Du noch fit genug bist.“

So besorgte er sich den TR4. Der Zustand eines Fahrzeugs wird bei Oldtimern, berichtet Schulze, auf einer Skala von eins bis fünf dargestellt. „Eins bedeutet neuwertig“, erklärt Schulze. Sein TR4 sei, zumindest was die Karosserie betrifft, eine 4,9 gewesen. „Der Wagen kam aus den USA, dachte ich schon: Oh-Oh.“ Oldtimer aus den Vereinigten Staaten stünden in dem Ruf, häufig „verbastelt“ zu sein. „Da wurde halt oft viel gespachtelt und Reparaturen nicht fachmännisch ausgeführt“, erklärt Schulze. Aber er verhandelte hart mit dem Verkäufer und brachte den schrottigen TR4 nach Hause, wo er jetzt in einer Garagenwerkstatt auf sein neues Leben wartet.

Außerdem steht derzeit in Schulzes „Fuhrpark“ ein „fertiger“ TR6 in Schwarz, Baujahr 73. Mit ihm könnte Schulze jederzeit eine Ausfahrt machen, wenn er genug vom Schrauben hat. Sorge, dass er an seinem aktuellen Projekt scheitern wird, hat er nicht. Der Triumph habe eine überschaubare Technik und Ersatzteile seien zumeist schnell und umkompliziert zu bekommen. „Aber bis alles wieder schön ist, ist das eine echte Fummelarbeit“, sagt Schulze und zeigt zwei Teile am Heck, die bisher noch nicht so richtig zusammenpassen wollen. Aber der Oldiefan bleibt optimitisch. „Für die Lackarbeiten muss am Ende natürlich ein Profi ran.“

Bis es soweit ist, wird Schulze wohl noch viele Stunden in seiner Garage verbringen. Über seinen Fortschritt und bei eventuellen Fragen zur Restauration kann er mit seinen langjährigen Oldtimerfreunden sprechen. „Wir treffen uns immer am letzten Freitag im Monat, ab 19.30 Uhr, im Hotel Gasthaus Zur Linde in Neddenaverbergen.“ Das seien immer gesellige Runden, in denen es nicht immer nur um Autos gehe. „Wer mag, kann ja mal vorbeischauen.“

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