Duo Cassard musiziert im Müllerhaus

Freibeuter, die gerne teilen

Vielsprachig und kurzweilig: Das Duo Cassard spielte ein intensives und anspruchsvolles Programm. - Foto: Muschter

Brunsbrock - Groove mit Dudelsack? Ein Abend des Rhythm and Blues mit Musik auf der Nyckelharpa? Brilliant gespielt und gekonnt moderiert, begeisterten die Musiker von Cassard, Johannes Meyer und Christoph Pelgen, ihr Konzertpublikum.

Mit 16 verschiedenen Instrumenten waren die beiden ins Müllerhaus angereist, wenn man das Schuhwerk dazuzählt. Karin Wiedemann vom Kulturkreis Linteler Geest begrüßte die Zuhörer im voll besetzten Raum und bat die Musiker, sich selbst vorzustellen. „Wir spielen erst mal.“

Stimmgewaltig waren die beiden, mühelos füllten sie den Raum mit vibrierender Musik der ungewohnten Instrumente. Mit dem ersten Stück war klar, wie unterhaltsam der Abend werden würde. Jaques Cassard, ein Freibeuter aus den Zeiten des Sonnenkönigs, Ludwig des IV, ist Namenspatron. „Wir sind auch Freibeuter, in der Musik nehmen wir uns, was uns gefällt und – teilen es mit unserem Publikum.“

„Kommet Ihr Hirten“, das altböhmische Weihnachtslied von Carl Riedel, machte den Anfang, und genau betrachtet war es fast das einzige deutsche Weihnachtslied. Die meisten kamen aus dem weiten Europa. Das Müllerhaus schien sich seiner Aufgabe anzupassen und bot mit der guten Akustik für die Musiker den perfekten Rahmen für ihren „wilden Ritt durch die Musik der Epochen“.

„Wir spielen ohne Verstärker. Erst bei großen Sälen mit mehr als 200 Zuhörern brauchen wir technische Unterstützung, aber nicht gerne, weil dann meist die Intensität der Instrumente verloren geht“, erklärten die beiden im Gespräch. Die Intensität einer „bretonischen Bombarde“ fegte die Zuhörer in der ersten Reihe fast davon, aber vor allem die mitreißende Art von Christoph Pelgen machte den Charme des Abends aus. „Die Intimität so kleiner Gruppen haben wir gerne, da haben wir jeden von Ihnen im Blick“, verkündete er grinsend unter schallendem Gelächter der „Beobachteten“.

Eine Girlande von 26 Weihnachtssternen und der dezent geschmückte Weihnachtsbaum ließ die Adventsstimmung spüren, während Pelgen seinem Bildungsauftrag frönte: „Deutsche Dudelsäcke, gibt es das? Französische und italienische? Ja klar! Der Unterschied liege in dem Unterton, den der schottische Dudelsack abgibt.“ 

Ruckzuck wurde das Publikum im interaktiven Spiel geschult. „Wenn Sie schon kein Schwedisch können, dann machen wir’s halt auf Französisch.“ Übergangslos entließ er den Publikums-Chor in die Selbstständigkeit und mit viel Gefühl sang der auftragsgemäß selbst den Refrain.

Die frankophile Ader der beiden Musiker zeichnet für den Namen und den Beginn ihrer Karriere, beide singen mittlerweile zudem Lieder in den verschiedensten Sprachen. „Gerne auch im Bereich der Galanterie, nicht ganz so weihnachtlich im Text“ und unter großer Begeisterung des Publikums. 

Aber dann wieder kommen Weihnachtsgesänge aus Israel und Griechenland, Spanien, die die beginnende Weihnachtszeit wunderbar einleiten. Die Eigenkompositionen mit Namen wie „Nussschwemme“ oder „Kuhflecken“ schmiegen sich in das Repertoire der beiden: „Die Stücke dampfen noch, die haben wir gestern Abend erst fertiggestellt.“

Reinhard Haubold aus Bendingbostel meinte: „Wenn man solche Weihnachtslieder hört, dann hat man wieder mehr Lust zu Weihnachten.“ Doris Böhmermann hatte die Karte geschenkt bekommen und war begeistert. 

„Mal was anderes als Blues oder Rockmusik.“ Ute Keller war fasziniert von der Vielschichtigkeit. Die Texte der vorgetragenen Weihnachtlieder zeugten von einer tiefen Gläubigkeit der vergangenen Jahrhunderte. Die tiefe Stimme von Johannes Meyer schien wie gemacht für das Abschlusslied aus Schweden: ein weihnachtliches Konzert fernab vom Krippenkommerz.

cc

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