Frauenfrühstück im Müllerhaus in Brunsbrock / Vortrag von Petra Dzudzek-Edler

Erinnerungen an das Leben Cato Bontjes van Beeks

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Petra Dzudzek-Edler (l.). mit der Kirchlintler Gleichstellungsbeauftragten Marlies Meyer.

Kirchlinteln - Das erste Frauenfrühstück des Jahres im Müllerhaus in Brunsbrock war gleichzeitig der Auftakt der Veranstaltungen im Landkreis zum Internationalen Frauentag am 8. März. Nach dem Genuss von diversen Leckereien referierte die Kunsthistorikerin Petra Dzudzek-Edler über das Leben der in Fischerhude aufgewachsenen Cato Bontjes van Beek.

„Ich werde ja doch immer meine eigenen Wege gehen...“, unter diesem Titel erinnerte die Kunsthistorikerin an Cato Bontjes van Beek, die im Widerstand gegen das Nazi-Regime kämpfte. Sie stammte aus einer weltoffenen Familie in der Kunst, Musik und Philosophie zum Alltag gehörten. Catos Mutter war Olga Bontjes van Beek, eine Ausdruckstänzerin und Malerin. Der Vater Jan Bontjes van Beek stammt aus den Niederlanden und war als Keramiker tätig. Auch die Großeltern waren im künstlerischen Bereich aktiv.

Ihr niederländischer Name bedeute übersetzt: Katharina Bäumchen am Bach, so Dzudzek-Edler. Mit elf Jahren habe das Mädchen in Amsterdam die deutsche Kaiser-Wilhelm-Schule besucht und bei Tante und Onkel gewohnt. Mit 16 Jahren sei als Au-Pair-Mädchen in England ihr großer Traum wahr geworden, selbst zu fliegen. Zurück in Deutschland habe Cato in Berlin in der Keramikwerkstatt ihres Vaters gearbeitet. Sie habe sich der NS-Frauensegelfluggruppe Berlin angeschlossen, um die Fliegerei zu erlernen. Aber über die Mitgliedschaft sei ihr Engagement nicht hinausgegangen.

In Berlin habe Cato den organisierten Widerstand kennen gelernt, die „Rote Rose“, der sich unter anderem um Harro Schultze-Boysen rankte. Cato habe beim Herstellen und Verfassen von Flugblättern geholfen, in denen zur Beendigung des Krieges und zum Sturz des Regimes aufgerufen worden sei. Im September 1942 sei Cato verhaftet und im Januar 1943 zum Tode verurteilt worden. Trotz zahlreicher Gnadengesuche und obwohl sogar Hermann Göring sich positiv hinsichtlich einer Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe geäußert habe, habe Adolf Hitler in letzter Instanz das Gnadengesuch abgelehnt und Cato sei am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil ermordet worden.

„Schade, dass ich nichts auf der Welt lasse als nur die Erinnerung an mich“, habe Cato im Abschiedsbrief an ihre Mutter geschrieben, aber diese Erinnerung sei sehr viel. Die Halbplastik des Erzengels Michael in der Fischerhuder Frauenkirche trage die Gesichtszüge Catos und wurde von ihrer Tante Amelie Breling geschaffen. Das Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium in Achim mit dem angegliederten Archiv erinnere an sie, ebenso ein Stolperstein am Kaiserdamm in Berlin, wo Cato bei ihrem Vater Jan Bontjes van Beek wohnte.

Auf dem Fischerhuder Friedhof stehe ein Grabstein, obwohl das Grab darunter leer geblieben sei, da ihr Leichnam zu anatomischen Zwecken verwendet wurde. In Fischerhude erinnert ein Cato-Bontjes-van-Beek-Weg an sie. Und die Ernennung zum Frauenort von Fischerhude und Achim trage ebenfalls dazu bei, dass Cato Bontjes van Beek über die Kreisgrenzen hinaus bekannt sei.

Das Serviceteam des Frauenfrühstücks hatte für die Gäste eine große Palette an regionalen und internationalen Delikatessen vorbereitet. Die Besucherinnen hatten die „Qual der Wahl“, aber garantiert war für jeden Geschmack etwas dabei und die Frauen waren beeindruckt von der Vielfalt. Während sich die Gäste an den Köstlichkeiten labten, unterhielt „Quotenmann“ Gert Alsleben die Gäste am Klavier.

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