Infoveranstaltung von LBEG und Gemeinde Kirchlinteln

Wintershall Dea: Erdgas-Förderung „nach jetzigem Stand vertretbar“

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„Die Menschen haben richtig Schiss“, erklärte Andreas Rathjens, Besitzer in der Schlichtungsstelle Bergschaden. Fotos:

„Wir gehen davon aus, dass wir bis 2036 weiter fördern werden“, sagte Dirk Warzecha, Leiter der Wintershall Dea Business Unit Deutschland, am Donnerstagabend auf einer Informationsveranstaltung in Kirchlinteln. 

Kirchlinteln - Für Beruhigung im voll besetzten Saal des Lintler Kruges sorgte das nicht, denn es kann trotzdem noch zu neuen Bohrungen kommen und von weiteren Erdbeben ist laut Seismologin Monika Bischoff ebenfalls auszugehen. Aber ihren Ausführungen zufolge ist nach dem letzten Erdbeben am 20. November eine Beweislastumkehr für bestimmte Bereiche zu erwarten.

Bischoff, Seismologin beim Niedersächsischen Erdbebendienst am LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie), berichtete zunächst in einem kurzen Vortrag von insgesamt 21 Erdbeben im Erdgasfeld Völkersen seit Beginn der Förderung im Jahr 1992. Davon seien elf spürbar gewesen.

Unter anderem hatte auch das LBEG schnell die Epizentren verortet, doch wie bereis berichtet, gibt es unterschiedliche Angaben zu deren Lage. Man habe den Fokus zunächst auf eine schnelle Auswertung und schnelle Information gelegt, erklärte sie. Konkrete Angaben seien in den nächsten Wochen zu erwarten. „Die Druckabsenkung im Reservoir durch die Gasentnahme ist die wahrscheinlichste Ursache“, so Bischoff.

Umkehr der Beweislast

Bei dem dritten Beben am Abend des 20. November seien „maximale Bodenschwinggeschwindigkeiten von 5,1 Millimeter pro Sekunde“ gemessen worden. Dieser Wert war einzig von Wintershall Dea am Tag nach den Beben mitgeteilt worden. Damit seien „leichte Gebäudeschäden nicht auszuschließen“, erklärte die Expertin.

Der Wert 5,1 mm/s ist ihren weiteren Ausführung zufolge für alle Geschädigten von besonderer Bedeutung, denn ab dann tritt eine Beweislastumkehr ein. Wie die Seismologin weiter ausführte, habe der Erdbebendienst bei einem Wert über 5,0 mm/s eine fachliche Empfehlung für einen Einwirkungsbereich zu erarbeiten.

„Dieses Gebiet müssen wir ausweisen, da man davon ausgeht, dass es ein Bergschaden ist, und da ist das Förderunternehmen in der Pflicht, den Schaden zu begleichen“, erklärte sie. Jedoch nur in dem dann festgelegten Bereich.

Produktion Völkersen nicht weiter ausbauen

Kurz vor Beginn der gemeinsamen Veranstaltung des LBEG und der Gemeinde Kirchlinteln, moderiert von Bürgermeister Wolfgang Rodewald, hatte Wintershall Dea in einer Pressemitteilung angekündigt, „die Produktion aus den Erdgasfeldern Völkersen und Völkersen-Nord nicht weiter auszubauen, sodass die Förderung in den kommenden Jahren sukzessive sinkt“. Damit drängte sich eine Frage auf, die Dr. Dörte Liebetruth an Warzecha stellte: „Heißt das, dass sie von weiteren Bohrungen Abstand nehmen? Ist das Vorhaben Völkersen Z12 damit gestorben?“

Bevor der Deutschland-Chef des Konzerns nichtssagend antwortete, machte er zunächst eigene Ausführungen und berichtete von über 500 Schäden infolge der letzten Beben. „In der Erdgasförderung sind Erdstöße seltene Begleiterscheinungen“, erklärte er und sorgte für Erheiterung im Publikum. Als die Förderung 1992 aufgenommen worden sei, „waren spürbare seismische Ereignisse nicht zu erwarten“, betonte er. Die weitere Förderung halte man „nach dem jetzigen Stand für vertretbar, aber wir haben entschieden, die Produktion nicht weiter auszubauen. Die Förderung wird sukzessive sinken“.

Liebetruth wiederholte ihre Frage, doch Warzecha antworte nur: „Wir stehen dazu, wir werden es nicht weiter ausbauen.“ Also derzeit keine Änderung an dem Plan einer weiteren Bohrung im Wasserschutzgebiet.

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