41 Flüchtlinge ziehen in die Hasenheide / Viele Hohener wollen helfen

„Offen und optimistisch“

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Rappelvoll war der Saal im Gasthaus Zum Drommelbeck.

Hohenaverbergen - 41 Flüchtlinge wird der Landkreis in der kommenden Woche in der Hasenheide unterbringen. Bis April steht das Pfadfinderheim in Hohenaverbergen zu diesem Zweck zur Verfügung. Landkreis und Gemeinde informierten am Mittwochabend im Gasthaus Zum Drommelbeck darüber, wie die Unterbringung ablaufen soll – und wie die Bürger aus dem Kleinbahnbezirk helfen können. „Vor allem möchte ich Sie bitten, offen und optimistisch zu sein“, so Karsten Bödeker, der zuständige Mitarbeiter des Landkreises.

Bürgermeister Wolfgang Rodewald und Ortsvorsteherin Birgit Söhn zeigten sich sehr erfreut darüber, dass so viele – rund 150 – interessierte Bürger zu der Infoveranstaltung gekommen waren. Bereits im Vorfeld hatte Söhn Gespräche mit den nächsten Nachbarn der Unterkunft, den Bürgern an der Fuchsfarm, geführt. „So haben wir schon einige Ängste und Sorgen aus der Welt schaffen können“, so die Ortsvorsteherin.

Derzeit sind in der Gemeinde Kirchlinteln 80 Flüchtlinge in 19 zu diesem Zweck angemieteten Wohnungen untergebracht. „Bei mehr als 10000 Einwohnern kann man da sicher noch nicht vom Untergang des Abendlandes sprechen“, machte Bürgermeister Wolfgang Rodewald die Relationen deutlich. Er nutzte den Moment, um die Bürger darüber zu informieren, dass eine Überprüfung der derzeit leer stehenden Seba-Borco-Höhns-Halle ergeben habe, dass diese für eine Flüchtlingsunterbringung nicht geeignet sei.

Die 41 Menschen, die in die Hasenheide kommen, seien „reguläre“ Flüchtlinge, erklärte Bödeker. Von ihnen kämen im Schnitt etwa 50 pro Woche in den Kreis. Sie seien zuvor bereits in einer Erstaufnahmeeinrichtung registriert worden und hätten üblicherweise gute Aussichten, in Deutschland bleiben zu dürfen. „Ein Drehtüreffekt, wie wir ihn derzeit in Verden haben, steht nicht zu befürchten.“ Von den 450 Flüchtlingen, die seit Mitte Oktober im Rahmen der Amtshilfe vom Landkreis aufgenommen und in den Turnhallen der BBS und des GaW untergebracht worden sind, seien nur noch 340 da. „Die anderen sind weitergereist.“ Von den Hohener Flüchtlingen sei eher zu erwarten, dass sie bleiben wollen. „Wir wissen noch nicht, wer kommt. Aber gehen Sie davon aus, dass es sich um Männer handeln wird“, so Bödeker.

Die Bürger hatten viele Fragen und auch Ängste, etwa vor rechter Gewalt, weil die Hasenheide so abgelegen liegt. Bürgermeister Rodewald dazu: „Sie können sich sicher sein: Die Polizei wird, offen und auch verdeckt, ein besonderes Auge auf die Hasenheide haben.“

Aber nicht nur Gewalt von außen wurde befürchtet. Ob der Landkreis darauf achte, dass die Flüchtlinge alle der gleichen Religion angehören, wollte ein Bürger wissen. Bödeker erklärte, dass sehr unterschiedliche Faktoren zu Konflikten führen könnten. „Auch gleiche Religion oder gleiches Herkunftsland sind kein Garant für Frieden in einer Unterkunft.“ Eine sehr engmaschige Betreuung der Flüchtlinge, gerade in der Anfangsphase, solle erfolgen. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sei dagegen nicht vorgesehen.

Die meisten Flüchtlinge, so Bödeker, freuten sich erfahrungsgemäß über Hilfe von Einheimischen. „Aber es ist unterschiedlich: Manche suchen Kontakt, andere haben bereits gute Kontakte, zum Beispiel Verwandte in der Gegend.“ Wieder andere seien zum Zeitpunkt ihrer Ankunft noch damit beschäftigt, ihre teilweise traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Man müsse abwarten, was die Menschen konkret brauchen.

Die Frage, ob für die Dauer der Belegung ein Zaun um das Gelände gezogen werden würde, verneinte Bödeker. „Es sind Menschen, keine Insassen und auch keine Patienten.“

Die Sorgen der Bürger galten außerdem der schlechten Internetverbindung in der Hasenheide sowie dem nicht ausgeleuchteten Waldweg, der zum Pfadfindergelände führt. Auch wurde bemängelt, dass es keinen festen Ansprechpartner gibt, der bei Problemen zuständig sei.

Birgit Söhn und auch der Ortsvorsteher von Nedden-averbergen, Uwe Panten, freuten sich, dass sich schon an diesem Abend viele Einwohner bereit erklärten, auf die eine oder andere Weise zu helfen. Die beiden wollen die ehrenamtliche Hilfe in den nächsten Wochen koordinieren und freuen sich auf weitere Freiwillige, die die Flüchtlinge bei ihren ersten Schritten in ihrer neuen Heimat unterstützen wollen.

rei

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