Familie aus Kirchlinteln freut sich über Einbürgerungsurkunden

Die Sedláceks sind Deutsche – jetzt auch ganz offiziell

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Die Familie Sedlácek mit ihren Urkunden (v.l.): Lukáš junior (17), Martina (44), Lukáš senior (45) und Vera (14) sind vor neun Jahren aus Tschechien gekommen.

Kirchlinteln - Sie treiben Sport im TSV, haben viele Freunde und fühlen sich wohl in ihrer Nachbarschaft. Sie sind eine ganz normale Kirchlintler Familie. Und seit heute sind die Sedláceks auch eine deutsche Familie – ganz offiziell. Sie durften sich im Kreishaus in Verden ihre Einbürgerungsurkunden abholen. Ein besonderer Tag im Leben der Sedláceks, die vor neun Jahren aus Tschechien hierher gekommen sind.

Die Liebe zu Deutschland hat Vater Lukáš in die Familie gebracht. Der Tscheche ging nach der Schule nach Leipzig und studierte dort im Alter von 18 bis 24 Jahren Maschinenbau. „Man kann also sagen, dass ich meine besten Jahre, meine Jugend in Deutschland verbracht habe“, erzählt der heute 45-Jährige.

Er kehrte zurück nach Tschechien, wo er eine Familie gründete. Doch die Sehnsucht nach Deutschland blieb. Er fand Arbeit bei einer deutschen Firma in Tschechien, die Kontakte zum Verdener Buchbinde-Unternehmen Wohlenberg pflegte. „Als dann eines Tages ein Jobangebot aus Verden kam, konnte ich es nicht ablehnen.“ Lukáš sollte bei Wohlenberg Gebietsverkaufsleiter für Osteuropa werden. „Es war einfach mein Traumjob.“

Er habe seiner Frau 14 Tage Bedenkzeit gegeben, ob sie und die Kinder ihn begleiten wollten. Leichtfertig habe Martina Sedlácková diese Entscheidung nicht getroffen: „Ich dachte dann aber an das, was wir uns bei der Hochzeit versprochen hatten: In guten wie in schlechten Zeiten und so weiter. Also haben wir unsere Koffer gepackt.“

Die damals fünfjährige Vera habe den Umzug kaum wahrgenommen. Martina: „Sie dachte wohl: ‚Wo Mama hingeht, da gehe ich auch hin.‘“ Schwerer sei es dem damals achtjährigen Lukáš gefallen. „Alle meine Freunde waren in Tschechien. Ich wollte nicht weg.“ Es habe Geschrei und Tränen gegeben. „Heute“, sagt Lukáš, „will ich nicht mehr zurück. Hier ist das Leben besser – und ich habe neue Freunde gefunden.“ Zuerst lebte die Familie in einer Wohnung in Kirchlinteln, später kaufte sie sich ein Haus. Die Kinder, die anfangs noch kein Wort Deutsch sprachen, kamen in Bendingbostel auf die Lintler-Geest-Schule, später wechselten sie auf die Schule am Lindhoop. „Die Lehrer haben sich immer sehr gut gekümmert“, erinnert sich die Mutter.

Man habe damals den Rat befolgt, einem Verein beizutreten, um Anschluss zu finden. „Wir gingen also direkt zum TSV. Und dort treiben wir bis heute Sport. Zumba, Fitness, Laufen und Leichtathletik.“ Viele Bekanntschaften seien beim Sport entstanden. „Und für die Gesundheit ist es ja auch wichtig“, sagt Martina.

Seit einiger Zeit engagiert sich die 44-Jährige für den Austausch mit Kirchlintelns tschechischer Partnerstadt Letovice und steht bei verschiedenen Anlässen als Dolmetscherin zur Verfügung. In diesem Zusammenhang wurde auch die Kirchlintler SPD auf sie aufmerksam. Mit Martinas Hilfe wurden die langjährigen Kontakte des Ortsvereins zu den tschechischen Sozialdemokraten gestärkt. Mittlerweile ist Martina selbst SPD-Mitglied. Sie möchte im Herbst bei der Kommunalwahl kandidieren.

„Wir fühlen uns voll integriert“, erzählt Lukáš senior. „Die Menschen hier waren immer offen und freundlich zu uns.“ Die Beantragung der doppelten Staatsbürgerschaft sei eine leichte Entscheidung gewesen. „Für die Anerkennung mussten wir nachweisen, dass wir nicht auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind und dass wir mindestens acht Jahre hier gelebt haben. Wir mussten einen Einbürgerungstest machen und zeigen, dass wir die deutsche Sprache beherrschen.“ Die Sedláceks erfüllten alle Voraussetzungen und meisterten den Deutschtest mit Bravour. „Volle Punktzahl“, berichtet Martina glücklich.

Als die Familie heute ins Kreishaus kam, um sich ihre Einbürgerungsurkunden abzuholen, war auch Bürgermeister Wolfgang Rodewald anwesend und überreichte einen Blumenstrauß. „Das war eine Überraschung, das hat uns wirklich sehr gefreut“, erzählt Martina.

Ob sie sich heute mehr als Tschechin – oder mehr als Deutsche fühle? Sie muss kurz nachdenken. „Ich bin Kirchlintlerin. Und Europäerin.“

rei

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