Nach schwerem Unfall auf der L171

Fahrlässige Tötung - Gericht verurteilt 88-Jährigen

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Der Angeklagte 88-Jährige gab seinen Führerschein noch in der Sitzung des Amtsgerichtes ab.

Verden/Kirchlinteln – Ein 88 Jahre alter Angeklagter aus Schwitschen (Kreis Rotenburg) hat am 25. September 2018 auf der Landesstraße 171 nahe der Kreisgrenze einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Wegen fahrlässiger Tötung wurde er am Dienstag am Amtsgericht Verden zu 100 Tagessätzen á 70 Euro verurteilt. In der Sitzung gab er seinen Führerschein freiwillig nach 67 Jahren für immer ab.

Zunächst war ein Strafbefehl ergangen, doch den hatte Strafrichter Jörg Barré bei diesem Fall für nicht ausreichend erachtet. „Mir war es wichtig, das Geschehen für die Hinterbliebenen in angemessener Weise aufzuklären“, war ein Grund, den er nannte.

Mit dem Prozess hatte er der Familie des getöteten 53 Jahre alten Radfahrers aus Visselhövede die Möglichkeit gegeben, sich als Nebenkläger daran zu beteiligen. Wenn es auch keine Nebenklage gab, so schien mindestens ein naher Verwandter unter den Zuschauern zu sein. Mehrfach hielt sich dieser ebenfalls ältere Herr die Hände vors Gesicht. Er weinte bitterlich, als ein Polizeibeamter die Schwere der Kopfverletzungen beschrieb, an denen der 53-Jährige noch vor Eintreffen des Notarztes verstorben war. Während der Aussagen eines Augenzeugen und eines Dekra-Sachverständigen mit weiteren harten Fakten verließ der Zuschauer schweigend den Saal.

Der Unfall hatte sich gegen 18 Uhr ereignet. Mit einem Lkw hatte der ehemalige Unternehmer den Radfahrer überholt. Der 53-Jährige war unübersehbar mit neongelber Warnweste gekleidet, so der Polizist. Das Rad war noch beleuchtet, als die Polizei eintraf. „Man hat das Leuchten schon von Weitem gesehen. Es war ein schöner Tag, wettertechnisch. Die Sicht war gut. Es war trocken“, so der Beamte.

Am Ende der rund einstündigen Sitzung stand fest, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Auf Grund eines zu geringen Abstandes beim Überholen war der Seitenspiegel des Pritschenwagens gegen den Radfahrer gestoßen, der daraufhin stürzte. Der Angeklagte will ihn erst kurz vor der Kollision wahrgenommen und dafür keine Erklärung haben.

„Wir sind alle Menschen. Fehler können passieren, die man durch Strafrecht nicht gut machen kann. Wir können nur schauen, ob es Sanktionen bedarf“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Die Tragik können wir nicht aufarbeiten. Da ist Strafrecht das falsche Mittel.“

In diesem Fall habe er den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte die Schuld nicht bei sich gesucht habe, erläuterte Barré. Laut des Sachverständigen könnte eine Sonnenblendung durch den Rückspiegel eine Rolle gespielt haben. Ebenso der Lichtwechsel durch die Bäume. „Kennt man alles, da muss man besonders aufmerksam fahren“, betonte Barré.

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass ein altersbedingtes Aufmerksamkeitsdefizit besteht“, wandte er sich an den Angeklagten. Entscheidend sei die „persönlich Leistungsfähigkeit“, so der Strafrichter. Zum Angeklagten sagte er: „Vielleicht haben wir erreicht, dass ihnen bei aller Tragik bewusst wird, dass der Unfall entstanden ist, weil sie trotz ihres Alters noch gefahren sind.“

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