Fachvortrag im Lintler Krug: Experte warnt vor den Folgen der „Sitzgesellschaft“

„Bewegung ist der Schlüssel“

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Die Zuhörer des Vortrages waren auch körperlich gefordert.

Kirchlinteln - Von Bettina Levecke. Erst Daumen hoch, dann den Zeigefinger wie eine Pistole strecken. Das Publikum im Lintler Krug folgt im Vortrag „Bewegung macht schlau“ eifrig den Fingerübungen des Referenten Georg Lubowsky. „Und jetzt beide Hände im Wechsel“, fordert dieser plötzlich auf und auf wildes Fingerverknoten folgt lautes Gelächter. „Klappt nicht?“, fragt Lubowsky. „Mein fünfjähriger Sohn konnte die Nummer schon nach fünf Minuten.“

Lubowsky ist Dozent an der Fachschule für Sozialpädagogik in Rotenburg und auf Einladung des Kirchlintler Waldkindergartens Lintler Buschkinners im Krug zu Gast. „Der Wald bietet für die frühkindliche Entwicklung ein ideales Bewegungsumfeld“, ist Lubowsky überzeugt. Der Boden ist uneben, es gibt Bäume zum Balancieren und Klettern, tausend Ecken zum Verstecken und jede Menge Platz zum Toben: „Viele Eltern glauben, im Wald sei die Gefahr für Unfälle so groß, aber im Gegenteil: In der freien Natur lernen Kinder am besten, mit ihrem Körper umzugehen und senken nachweislich ihr Unfallrisiko.“

Eindrucksvoll erklärt der Experte anhand von wissenschaftlichen Studien, wie wichtig die vielseitige Bewegung für die kindliche Entwicklung ist. „Eine Kindergartengruppe, die ein Jahr lang ein tägliches Bewegungsprogramm absolvierte, hat in Intelligenztests deutlich besser abgeschlossen als eine Kontrollgruppe, die den normalen Kindergartenalltag hatte.“ Auch in Grundschulen hätten zusätzliche Sporteinheiten gezeigt, dass Kinder sich besser konzentrieren können, leichter lernen und sogar selbstbewusster werden.

„Das Bedürfnis nach Bewegung steckt in der Natur des Menschen“, sagt Lubowsky. 100 Milliarden Nervenzellen habe ein Baby, wenn es zur Welt komme. „Die müssen durch Reize und Erfahrungen miteinander verknüpft werden.“ Das Gehirn sei dabei wie ein Muskel, der umso besser trainiert werde, je vielseitiger die Sinnes- und Bewegungsreize seien. „Gut, dass das Gehirn nicht auch wie ein Muskel verkümmert, wenn man sich zu wenig bewegt, sonst hätten viele Menschen wohl einen sehr kleinen Kopf“, sagt Lubowsky schmunzelnd und kritisiert die Folgen der Sitzgesellschaft. Kinder säßen viel zu viel in Wohnungen, statt draußen zu spielen. „Und die Eltern fahren sie ständig mit dem Auto von A nach B.“ Dabei sei Bewegung der Schlüssel für die Lösung vieler Probleme: „Lernschwächen kann man zum Beispiel sehr effektiv mit gezielter motorischer Förderung therapieren.“

Lubowsky bleibt bei seinem Vortrag nicht nur in der Theorie, mit kleinen Übungen zeigt er dem Publikum, wie knifflig die Koordination allein von Armen und Fingern sein kann. „Vielleicht stehen Sie auch alle mal auf und gehen auf der Stelle, damit Sie meinen Vortrag besser verstehen“, sagt Lubowsky lachend, und bedankt sich abschließend beim Waldkindergarten für die Einladung.

Veronika Pfaff, Vorsitzende des Elternvereins, freut sich über die Bestätigung für das wildnispädagogische und bewegungsreiche Konzept des Waldkindergartens. „Wir haben noch Plätze frei und freuen uns jederzeit über Besuch von interessierten Eltern und Kindern.“ Am 10. Februar ist der nächste Schnuppernachmittag im Hühnermoor. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.lintler-buschkinners.de.

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