Fabian schenkt einem Fremden Hoffnung / „Werde oft an ihn denken“

Kirchlintler spendet Stammzellen für Blutkrebspatienten

Ein junger Mann lächelt in die Kamera.
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Hofft, dass der Empfänger seiner Stammzellen wieder gesund wird: Spender Fabian Judel.

Irgendjemand auf der Welt ist todkrank. Und auf einmal bekommt man einen Anruf und erfährt: Man könnte dieser fremden Person unter Umständen das Leben retten. Wie sich das anfühlt, weiß Fabian Judel aus Kirchlinteln ziemlich genau. Er hat über die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) Stammzellen für einen Blutkrebspatienten gespendet. Er kennt den Empfänger nicht, er wird ihn nie kennenlernen. „Aber ich würde es immer wieder tun“, sagt Judel, der sich wünscht, dass sich noch mehr Menschen bei der DKMS registrieren lassen.

Kirchlinteln – Der 22-Jährige engagiert sich ohnehin gern für seine Mitmenschen, ist politisch aktiv und Fußballschiedsrichter. Als in der Dörverdener Schule eine Registrierungsaktion der DKMS stattfand, zögerte er nicht und ließ sich direkt eine Blutprobe entnehmen. Dann passierte – nichts.

Es dauerte fünf Jahre, bis Judel den Anruf bekam. „Es war kurz vor Ostern, ich saß gerade in der Bahn, es kam völlig überraschend.“ Aber es wurde direkt ernst: Die Mitarbeiterin der DKMS erklärte ihm, dass es einen Patienten gebe, dem unter Umständen die Stammzellen des Kirchlintlers helfen könnten, wieder gesund zu werden. Ob er noch bereit sei, zu spenden? „Das abzulehnen kam für mich nie im Leben in Frage“, so Judel, der sofort den Bitten der DKMS folgte und sich bei seinem Hausarzt erneut Blut abnehmen ließ und es zur weiteren Untersuchung an die DKMS schickte. „Ich hab die ganze Zeit gedacht: Hoffentlich passt es, hoffentlich kann ich helfen.“

Umfangreiche medizinische Voruntersuchung

Es dauerte etwa einen Monat, bis er eine Rückmeldung bekam. Es gebe eine große Übereinstimmung zwischen seinen Gewebemerkmalen und denen des Patienten. Er wurde zu einer Voruntersuchung in eine Klinik in Nordrhein-Westfalen eingeladen. „Die haben mich da stundenlang durchgecheckt. Denen liegt auch die Gesundheit der Spender sehr am Herzen. Ich hab mich da wirklich gut aufgehoben gefühlt“, so Judel, der froh ist, dass ihm sowohl sein Arbeitgeber als auch seine Berufsschule keine Probleme bereitet und ihm direkt frei gegeben haben.

Zweimal täglich Spritzen in Vorbereitung auf die Stammzellenentnahme

Die DKMS habe ihn während des gesamten Prozesses intensiv begleitet. So sei er zum Beispiel umfangreich informiert über die Entnahmemethoden gewesen. Bei ihm habe man sich für eine periphere Stammzellenspende entschieden. „Dafür musste ich mir in den Tagen vor der Spende zu Hause zweimal täglich Medikamente spritzen lassen, die die Produktion von Blutstammzellen ankurbeln sollten“, berichtet Judel. Er hätte sich die Spritzen selbst geben können, aber er entschied sich, das professionell von einem Pflegedienst erledigen zu lassen. „Ich hatte über den Zeitraum grippeähnliche Symptome, Kopf- und Gliederschmerzen.“ Kein Problem, findet der Kirchlintler. „Das steht ja in keinem Verhältnis dazu, was der Empfänger durchmacht.“

Die Entnahme der Stammzellen erfolgte ambulant im Spenderzentrum in NRW und dauerte drei Stunden. Eine Pherese-Maschine nimmt das Blut ab und trennt die Stammzellen daraus ab. Das verbleibende Blutplasma und die roten Blutkörperchen bekommt der Spender zurück.

Über den Empfänger weiß Fabian fast nichts

Über den Empfänger wisse er nur wenig, er habe lediglich Eckdaten, so Fabian. Und darüber reden dürfe er aus Datenschutzgründen auch nicht. „Nur so viel: Es handelt sich um einen Erwachsenen aus Europa.“ Im Heimatland des Patienten sei die Gesetzeslage so, dass keine Kontaktaufnahme zwischen Spender und Empfänger erlaubt ist. „Käme er aus Deutschland, könnten wir beide, wenn wir das wollen, nach zwei Jahren Kontakt zueinander aufnehmen.“ Das sei in diesem Fall nicht möglich, aber in einem Jahr könne Fabian sich an die DKMS wenden und zumindest den Gesundheitszustand des Patienten erfragen. „Bis dahin werde ich sicher oft an ihn denken.“ Nach einem Eingriff ist es üblich, dass die DKMS den Spender für zwei Jahre „reserviert“. Auch Fabian soll vorerst nur dem einen Patienten zur Verfügung stehen, falls erneut Stammzellen benötigt würden. „Und wenn das der Fall ist, würde ich nicht zögern.“

Die DKMS hat sich als internationale gemeinnützige Organisation dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben. Sie wurde 1991 in Deutschland von Dr. Peter Harf gegründet und verfolgt seitdem mit heute über 1000 Mitarbeitern das Ziel, möglichst vielen Menschen eine zweite Lebenschance zu geben. Mehr Infos auf www.dkms.de.

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