Mit der Heilpflanzenexpertin in der Gemeinde Kirchlinteln unterwegs

Wilde Frühlingsküche: Es muss nicht immer Bärlauch sein

Eine Hand hält mehrere Halme einer salatähnlichen Pflanze.
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Hübsch, schmackhaft und voller Vitamine: Das Tellerkaut wächst derzeit an vielen Stellen und ist ein gutes Wildkraut für Einsteiger.

Bärlauch verzweifelt gesucht: Um diese Jahreszeit machen sich viele Menschen auf die Jagd nach der aromatischen, wild wachsenden Pflanze, um sie in der Küche zu verwenden. In den sozialen Netzwerken stellen die Hobbyköche im Frühling regelmäßig die Frage: „Wo wächst das Zeug denn bloß?“ Die Antworten kommen meist schnell: So ganz viel Bärlauch wächst in dieser Gegend leider nicht in freier Wildbahn. Wer die Pflanze nicht im eigenen Garten hat, geht meistens leer aus. „Nicht schlimm“, sagt Heilpflanzenexpertin Susanne Zweibrück aus Bendingbostel. „Es gibt im Frühling viele tolle Alternativen für die Küche.“

Bendingbostel – Und sofort zeigt sie auf eine kleine Pflanze mit violetten Blüten. Aus dem wohlriechenden Veilchen, viola odorata, lasse sich zum Beispiel ein leuchtend roter Sirup kochen. „Die Blüten sind außerdem eine schöne Dekoration, zum Beispiel für Torten.“ Die Pflanze, die sich in unseren Breitengraden durchaus in freier Natur finden lasse, vor allem an Wegrändern, habe auch Heilwirkungen, die etwas in Vergessenheit geraten seien: „Die enthaltenen Saponine wirken schleimlösend, sind also hilfreich bei Atemwegserkrankungen. Veilchen kann auch wohltuend bei Halsentzündungen sein.“ Dafür könne man zwei Teelöffel des getrockneten Veilchenkrauts (Stängel, Blätter und Blüten) mit einem Viertelliter heißem, aber nicht mehr kochenden Wasser übergießen. „Zwei bis drei Tassen am Tag sind bei Husten die richtige Dosierung.“

Duftend und heilsam: Das Veilchen viola odorata.

Veilchen, Tellerkraut und Knoblauchrauke

„Ach, schauen Sie mal. Hier haben wir etwas ganz Niedliches“, freut sich Zweibrück und pflückt eine Pflanze. „Claytonia perfoliata. Bekannt auch unter dem Namen Tellerkraut oder Postelein. Sehen Sie, wie diese winzige Blüte da mitten aus dem Blatt kommt?“ Daher habe die Pflanze ihren Namen, der so viel wie „durch das Blatt wachsend“ bedeute. Der Neophyt, der ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas zu uns gekommen sei, enthalte viel Vitamin C. Wegen seines mild-nussigen Geschmacks lasse er sich hervorragend roh wie Salat oder als Smoothie-Zutat verwenden. „Es ist ein tolles Wildkraut für Einsteiger“, so Zweibrück. Durch sein sehr spezielles Aussehen sei es einfach zu identifizieren, außerdem leicht zu finden, und habe keinen gewöhnungsbedürftigen Geschmack. „Das mag auch der Rest der Familie“, verspricht Zweibrück.

Sie bückt sich. „Und hier ist sie. Die echte Alternative zu Bärlauch“, sagt die Bendingbostelerin und pflückt eine Pflanze, die auf den ersten Blick der Brennnessel nicht unähnlich ist. Als Zweibrück ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt und ein scharf-würziger Duft entströmt, wird aber schnell klar: „Das ist die Knoblauchrauke“.

Kreuzblütler gelten als gesund

Sie gehört zur Familie der Kreuzblütler. „Typischer Inhaltsstoff sind Senföl-Glycoside. Sie dienen der Pflanze als Fraßschutz und gegen Mikroorganismen.“ Senföl-Glycoside sorgten nicht nur für den unverwechselbaren Geschmack, sondern seien auch ausgesprochen gesundheitsfördernd. Bei der Verstoffwechselung entstünden Senföle, die antimikrobiell im Körper wirkten. „Man sollte Kreuzblütler auf jeden Fall regelmäßig in seinen Speiseplan einbauen. Damit tut man sich etwas Gutes.“

Ein leichtes Erwärmen der Blätter könne das Aroma etwas verstärken, bei zu großer Hitze verflüchtigten sich die wertvollen Inhaltsstoffe jedoch. „Man kann die Blätter genau wie Bärlauch verwenden: in Kräuterbutter, in Dips oder im Pesto. Das Gute ist: Die Pflanze hat einen zarten Knoblauchgeschmack, mit einer gewissen Würze, aber man hat hinterher nicht die typische Knoblauchfahne.“ Die Wurzel, die im Geschmack schärfer sei als der Rest der Pflanze, lasse sich wie Meerrettich verwenden.

Das aromatische Kraut, das sich auch in dieser Region in vielen lichten Laubwäldern oder am Wegesrand finden lasse – deutlich häufiger als Bärlauch – sei früher auch kultiviert worden. „Heute ist die Knoblauchrauke leider etwas in Vergessenheit geraten. Ich finde, sie braucht mal etwas Marketing, damit sie wieder ins Bewusstsein der Menschen kommt.“ Einen Vorteil habe das Kraut außerdem: Schon in wenigen Wochen sei die Saison des Bärlauchs bereits wieder vorbei, während die Knoblauchrauke noch bis Herbst zu finden und wohlschmeckend sei.

Beste Bärlauch-Alternative: Die Knoblauchrauke.

Wer draußen in der Natur Kräuter sammeln wolle, möge respektvoll mit den Pflanzen umgehen, bittet die Bendingbostelerin. Sowohl Tellerkraut als auch Knoblauchrauke seien in ihrem Bestand nicht gefährdet und verbreiteten sich schnell. „Wer diese Pflanzen erntet, darf also ordentlich zugreifen“, so Zweibrück. Mit dem zarten Veilchen sollten Kräuterfreunde bitte „etwas liebevoller“ umgehen. Gesammelt werden sollte grundsätzlich nur, was zweifelsfrei zu identifizieren sei – und natürlich nur von geeigneten Stellen.

Wer an Kräuterwanderungen interessiert ist, kann über Zweibrücks Website www.susannes-kraeuterschaetze.de mit der Heilpflanzenexpertin Kontakt aufnehmen und wird von ihr informiert, sobald es wieder möglich ist.

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