Zeitzeuge Dietrich Steinwede berichtet über das Kriegsende in Wittlohe

Erinnerung an die Todesangst

Aufschlussreich war das Interview, das Harm Schmidt und Pastor Wilhelm Timme von der ZWiK mit Dietrich Steinwede (von links) führten. Foto: Zwik

Wittlohe – Es war für den 89-jährigen Dietrich Steinwede eine Zeitreise in seine Kindheits- und Jugendzeit, die ihn in seine alte Heimat Wittlohe führte. Auf Anregung der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus zu Wittlohe (ZWiK) war er eigens aus Bad Godesberg angereist, um über seine Erlebnisse am Ende des Krieges und kurz danach zu berichten.

Der Sohn des damaligen Pastoren Wilhelm Steinwede erlebte im April 1945 hautnah, wie der Krieg mit all seinen Grausamkeiten und Schrecken den Ort erreichte. Selbst Jugendliche wie Steinwede wurden für das Erreichen des erhofften „Endsiegs“ missbraucht und an die Front geschickt. So sollte er, kurz bevor die Briten über die Fährstelle bei Westen kamen, den dort stationierten Wehrmachtssoldaten eine Meldung überbringen. Bei einem Feuerüberfall stand er Todesängste aus. Einen Tag später erlebte er am 12. April 1945 unmittelbar vom Pfarrhaus aus, wie die britischen Truppen Wittlohe besetzten. In langen Reihen seien sie, von Otersen kommend, vorsichtig auf den Ort zumarschiert.

Allerdings habe es vorher einen Angriff auf das Pfarrhaus gegeben, bei dem ein 18-jähriger Soldat starb. Aus dem Haus sei ihm noch zugerufen worden: „Gehen Sie doch weg. Sie gefährden das Haus.“ Die Antwort, ein wenig überheblich, mit jugendlicher Stimme: „Wir sind dazu da, das Haus zu schützen.“ Später half Steinwede, den Toten aus dem Pfarrhausgarten zu bergen und auf dem Friedhof zu bestatten. „Ja, das ist das Kreuz, das wir auf dem Grab errichteten“, rief er aus. Pastor Wilhelm Timme hatte es während des Interviews vom Kirchenboden heruntergeholt und ihm gezeigt. Weitere Relikte waren Granatsplitter, die später auf dem Parkplatz vor der Kirche gefunden worden waren.

Im weiteren Verlauf des Interviews schilderte Steinwede dann auch detailliert die Kämpfe in der Nacht zum 14. April 1945, als die deutschen Truppen einen Gegenangriff auf Wittlohe unternahmen. „Unten im Keller konnten wir hören, wie die Engländer ununterbrochen aus unserem Haus mit dem Maschinengewehr schossen.“

Nach der Besetzung von Wittlohe hatte Feldmarschall Montgomery am 14. April sein Hauptquartier auf dem Hof Tietje eingerichtet. Steinwede präsentierte einen Passierschein im Original, den er von der dort ansässigen Familie erhalten hatte. Dieser erlaubte der nach Otersen ausgewiesenen Familie, das Vieh auf dem Hof zu versorgen. Neu für ihn war allerdings die Information, dass sich Montgomery auch im Pfarrhaus aufgehalten hatte.

„Die Begegnung mit Dietrich Steinwede als Zeitzeuge der jüngeren Geschichte war für die Zeitgeschichtliche Werkstatt höchst aufschlussreich und interessant, denn sie brachte neue Erkenntnisse über die letzten Kriegstage in der Gemeinde“, berichtet Harm Schmidt von der ZWi. Diese sehr persönlichen Erinnerungen in Form von Videoaufnahmen werden im Kapitelhaus dokumentiert und sind dann im nächsten Jahr ab Mai dort zu sehen.

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