Pastorenehepaar Dohrmann bringt Kapitelhausschlüssel nach Wittlohe

Erinnerung an den Schilderskandal

Urs Dohrmann (Mitte) überreicht Wilhelm Timme den Originalschlüssel des alten Kapitelhauses; rechts Silke Dohrmann. Foto und Reproduktion: Hermann Meyer

Wittlohe - Von Hermann Meyer. Das ehemalige Pastorenehepaar Silke und Urs Dohrmann, von 1983 bis 1994 als Seelsorger in Wittlohe tätig, waren zu Besuch in ihrer alten Heimat. Anlass für die weite Reise aus der Schweiz, wo beide gemeinsam eine Pfarrstelle verwalten, war ihr Interesse an der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus (ZWiK).

Im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Harm Schmidt und Pastor Wilhelm Timme erinnerte sich Urs Dohrmann an den Abrissstopp des Kapitelhauses – damals noch Backhaus genannt. Der Bagger war schon bestellt, und nur dank seiner Initiative sowie mithilfe eines ungenannten Sponsors habe die Renovierung realisiert werden können.

Dohrmann erinnerte sich an die große Unterstützung durch die Gemeindeglieder. Durch viele ehrenamtliche Arbeitseinsätze und Spenden konnte das Kapitelhaus am 17. September 1989 feierlich vom Landessuperintendenten Manzke aus Stade eingeweiht werden.

Das Ehepaar Dohrmann zeigte sich beeindruckt, wie jetzt das Kapitelhaus genutzt wird. „Es ist doch toll, wie hier die neuere Geschichte mit Jugendlichen erarbeitet und präsentiert wird.“ Zur Freude von Wilhelm Timme überreichte Urs Dohrmann ihm den Originalschlüssel des alten Kapitelhauses.

Dohrmann erinnerte bei seinem Besuch aber auch an die Zeit vor 30 Jahren, als zur Zeit des „Kalten Krieges“ auch die Gemeinde Kirchlinteln Teil eines großen Manövers mit über 39 000 Soldaten war. „Immer wieder war in den Nato-Herbstmanövern Wittlohe einer der Brennpunkte. Deutsche, Briten, Belgier, Niederländer, Kanadier und US-Amerikaner zwängten sich durch den Ort mit ihren Panzern und Lastwagen.“

Besonders die Reforger (Return of forces to Germany)-Übungen, die Simulation riesiger Luftlandungen und die ständigen Tiefflüge seien schlimm gewesen, erinnert sich Dohrmann. Da der Kirchengemeinde die als Parkplatz genutzte Fläche zwischen Pfarrhausgarten und Landesstraße gehört, aber nicht als Privatgelände gekennzeichnet war, wurde dieser Platz oft von Panzern benutzt. Mit Übungsmunition schossen sie in Richtung Aller, „während die Kinder sich nicht an der Bushaltestelle aufhielten, sondern sich vor Holstes Kaufladen herumdrückten“, sagte Dohrmann.

Die Pastorenfamilie war mittendrin. Und so fand der Vorschlag von Pastor Dohrmann in einer Kirchenvorstandssitzung, den Parkplatz für Militärfahrzeuge mit einem Hinweisschild sperren zu lassen, breite Zustimmung. Ein Malermeister fertigte „in aller gebührenden Akkuratesse“ ein Schild an: ein weißes P auf blauem Grund mit dem Schriftzug darunter „Gesperrt für Militärfahrzeuge. Der Kirchenvorstand“ und dasselbe noch mal auf Englisch. Am Tag darauf erhielten der Pastor und einige Kirchenvorstandsmitglieder eine Anzeige von der Verdener Staatsanwaltschaft. Der Grund: Beim Aufstellen des Parkverbotsschildes läge ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vor. Das Verfahren wurde schließlich – viel später – eingestellt.

Das Schild wurde ein Medienereignis, über das Presse und Radio berichteten. Für die Kirchenvorstandsmitglieder begann eine richtige Leidenszeit. „In der heimischen Presse erschienen viele Leserbriefe, denen man anmerkte, dass man nun endlich eine Möglichkeit gefunden hatte, es mal so richtig diesem Pastoren heimzuzahlen“, wurde damals der mittlerweile verstorbene Heinrich Sackmann aus Otersen in einem Zeitungsartikel zitiert.

„Es dauerte eine ganze Weile, bis die Wogen sich glätteten in der Gemeinde, und auch die Leute im Dorf den Pastor und seine Frau wieder grüßten“, erinnerte sich Urs Dohrmann, wobei sich einige wenige sowieso nicht durch die Stimmung beeindrucken ließen.

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