Schaffung von neuem Wohnraum im Dorf

Enkel und Großeltern werden Nachbarn

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Gehen das Projekt gemeinsam an: Willi und Margot Marquardt ziehen 2020 im Nebengebäude in eine seniorengerechte Wohnung. Enkel Patrick Marquardt und Ann-Kristin Wendt werden ab 2021 im revitalisierten Haupthaus wohnen.

Otersen – Leerstehende, ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude gehören in vielen Dörfern mittlerweile zum Ortsbild. Andererseits fehlen Wohnungen für junge Singles und Paare. Teilweise ist der vorhandene Wohnraum nicht altersgerecht, weil die große Wohnung für die letzte Lebensphase nicht barrierefrei ist. In der Dorfregion von Bierde bis Wittlohe (siehe auch Meldung neben dem Artikel) gibt es jetzt ein gefördertes, ehrgeiziges Bauprojekt mit Vorbild-Charakter. Ein junges Paar kehrt nach Otersen zurück, revitalisiert das Haupthaus zu Wohnraum im KfW-70-Standard (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und baut für die Großeltern im leerstehenden Nebengebäude eine seniorengerechte Wohnung aus.

„Dank der Unterstützung des Architekten konnten wir alle Bau- und Förderanträge für das komplexe Bauvorhaben bestens abwickeln. Gut ist auch der kurze Draht zum Amt für regionale Landesentwicklung in Verden“, betonte Bauherr Patrick Marquardt. „Auch die Beratung und Unterstützung durch die Planerin Karin Bukies mit Gesprächen hier vor Ort sind von Vorteil“, ergänzt Ann-Kristin Wendt und macht künftigen Antragstellern Mut.

In den acht Dörfern zwischen Bierde im Heidekreis und Wittlohe im Landkreis Verden gibt es viele Hofstellen in den Ortszentren. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten für leerstehende Gebäude in den Ortschaften gesorgt, Verfallsrisiko und unschöne Ansichten inklusive. Neue Wohnhäuser sind vielfach am Ortsrand entstanden, während im Dorfzentrum teilweise Leerstand herrscht. Fachleute sprechen dann vom „Donut-Effekt“, vom Loch mitten im Dorf. „Die Entwicklungsprogramme haben lebenswerte Dörfer, lebendige Gemeinschaften und neues Leben in alten Gebäuden als Ziele“, werben die Gemeinden.

Der 32-jährige Patrick Marquardt ist in Otersen groß geworden, wechselte dann zur Berufsfeuerwehr nach Kiel und kehrt mit seiner Lebenspartnerin Ann-Kristin Wendt nach Otersen zurück. Beide sind im 24-Stunden-Schichtbetrieb bei der Berufsfeuerwehr in Bremen aktiv und wohnen während der Bauzeit zur Miete in Wittlohe.

Nachdem im Mai alle Bewilligungen vorlagen, kann in Kürze bereits das Baugerüst rund um das Haupthaus abgebaut werden. Die Dachsanierung und der Einbau von fünf Gauben ist fast abgewickelt. Im Haupthaus entsteht neuer Wohnraum, alte Räume werden modernisiert – alles mit dem Ziel moderner Energieeffizienz, sodass beim Umbau sogar der KfW-70-Standard erfüllt wird.

Neu gebaut wird auch um die Ecke. Im früheren, leerstehenden Stallgebäude wird für die Großeltern Margot und Willi Marquardt eine seniorengerechte Wohnung geschaffen. Gleich nebenan im alten Backhaus wird die moderne Biomasse-Heizung installiert. Stückholz und Holzpellets werden in Zukunft für wohlige Wärme in den Wohnungen für die Generation „ü80“ und „ü30“ sorgen.

Die Senioren-Wohnung soll bis Sommer 2020 bezugsfertig sein. Danach geht es im Haupthaus im Erdgeschoss weiter. Fenster und Türen werden entsprechend der alten Gebäude-Architektur dorfgerecht erneuert. 2021 soll das gesamte Bauvorhaben mit viel Eigenleistungen fertiggestellt sein. Dann kommt es an der Feldstraße auf dem großen Grundstück der Familie Marquardt zur Familien-Zusammenführung mit drei Generationen auf einem Grundstück: die Großeltern Margot und Willi in der neuen Senioren-Wohnung, die zweite Generation mit Frank und Petra im Wohnhaus im früheren großen Garten und die dritten Generation mit Patrick und Ann-Kristin im sanierten und modernisierten Haupthaus. 

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