Schützenverein Hohen feiert 100-Jähriges / Vereinswirtin sponsert neuen Schießstand

Ein Jahrhundert im Dorfleben engagiert

Wer erkennt sich? Gruppenfoto zum 50. Geburtstag des Schützenvereins Hohen im Jahr 1970. 
Repros: Meyer
+
Wer erkennt sich? Gruppenfoto zum 50. Geburtstag des Schützenvereins Hohen im Jahr 1970. Repros: Meyer

Hohenaverbergen – „Eine Gesellschaft funktioniert nur gut, wenn ihre Bürgerinnen und Bürger friedlich und respektvoll zusammenleben“, schreibt das Bundesministerium des Innern im Jahr 2020 und meint damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt, geprägt durch die Vereine, der als Kitt der Heimat gebraucht wird. Das haben sich bereits vor 100 Jahren einige junge Männer in Hohenaverbergen bei der Gründung des Schützenvereins auf die Fahne geschrieben.

Auf der Gründungsversammlung am 25. April 1920 wurde von den 56 anwesenden Männern als Vereinsziel beschlossen, den Schießsport zu fördern sowie Volkstum und Volksbrauch zusammen mit der Dorfgemeinschaft zu pflegen. Dazu sollten jährlich stattfindende Schützenfeste sowie weitere schießsportliche Veranstaltungen und gesellige Zusammenkünfte abgehalten werden.

Auch die Gemeinschaft der Selbstständigen und Gewerbetreibenden in der Gemeinde Kirchlinteln profitierte bereits von dem Hohener Engagement. Die zehnte Gewerbeschau fand 2019 in der Ortschaft statt statt, und die Schützenvereinsmitglieder sorgten dafür, dass die vielen Besucher im großen Restaurationszelt mit Kaffee und Kuchen hervorragend bewirtet wurden.

Das Jubiläumsschützenfest sollte dieses Jahr im August stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben. Durch die offizielle Einweihung des Biergartens durch den Vereinswirt Rosebrock-Heemsoth vom Gasthaus Zum Drommelbeck gab es kürzlich zumindest eine kleine Gelegenheit für die Hohener Schützen, sich über den 100. Geburtstag des Vereins zu freuen.

Ab Anfang der 1940er-Jahre war die Gaststätte im Ortsteil Drommelbeck das Vereinslokal des Schützenvereins, nachdem es die Gaststätte Rengstorf im Oberdorf nicht mehr gab. Gastwirtin Erna Rosebrock war eine honorige Förderin des Vereins. Der alte Schießstand lag am jetzigen Dorfplatz, dort wo die Straße Scheperdrift entlangführt. Die Entfernung zwischen Schießstand und Festlokal war jedoch so groß, dass das Interesse der Schützenfestbesucher aber auch der Vereinsmitglieder und der Nachbarvereine am eigentlichen Schießbetrieb immer mehr nachließ. Auf einer Generalversammlung Ende 1960 wurde über das Problem gesprochen. Es gab viele Bedenken gegen einen Neubau, aber die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer befürwortete die Entscheidung. Daraufhin stellte Vereinswirtin Erna Rosebrock den Platz für einen neuen Schießstand kostenlos zur Verfügung. Außerdem sagte sie dem Verein eine Unterstützung von 4 000 Mark für den Neubau zu. „Ein besseres Gelände wie der ,Grund’ gegenüber dem Vereinslokal hätte man sich nicht wünschen können“, ist in der Chronik zu lesen. Rechtzeitig zum 75-jährigen Jubiläum 1995 wurde der Festplatz vor dem Schützenhaus neu gestaltet und die Toilettenanlage fertig.

Schon auf der ersten Generalversammlung des neu gegründeten Vereins am 18. Mai 1920 wurde beschlossen, die Schützenfeste immer am zweiten Wochenende im Jahr zu feiern, so wie es bis heute gehandhabt wird. Besonders Willi Heemsoth, Heinrich Intemann und Willi Mindermann warben damals für die Gründung eines Schützenvereins. Viele Jahre sorgte Fritz Dreyer dafür, dass der Schützenverein und sein Vorstand aktiv blieben. Wahrscheinlich sorgten parteipolitische Spannungen, hervorgerufen durch die Nationalsozialisten, und der Beginn des Zweiten Weltkriegs dafür, dass das Vereinsleben von 1937 bis 1948 teilweise ganz zum Erliegen kam. Erst 1948 konnte der Schützenverein mit Zustimmung der britischen Verwaltung wieder ein Fest feiern. Da Schusswaffen noch verboten waren, wurde der König durch Blechbüchsenwerfen ermittelt. Diesen Titel sicherte sich damals Herbert Kracke aus Borstel.

Die Neugründung des Schützenvereins Hohenaverbergen erfolgte am 11. Juli 1949. Vorsitzender wurde Willi Mindermann, der jedoch bereits 1951 sein Amt zur Verfügung stellte und von Fritz Dreyer abgelöst wurde. Das Vereinsleben begann sich zu normalisieren. Im Jahre 1952 zählte man 40 Mitglieder. Heute kann Vereinsvorsitzender Helmut Söhn auf 157 Mitglieder zählen, davon 37 Frauen und 15 Jugendliche. 1953 wurden bereits die Vereinsfeste nach altem Brauch gefeiert. 1958 wurde beschlossen, Jugendliche in den Verein aufzunehmen, obwohl diese bereits seit 1953 jedes Jahr einen Juniorenkönig ausgeschossen hatten. Sieben Frauen sorgten 1963 durch ihren Eintritt für die Gründung einer Damenabteilung. In der Festschrift ist zu lesen: „Die anfangs abfällig als ,Flintenweiber’ bezeichneten Damen sind zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unseres Vereins geworden und seit Jahren in der Überzahl im Vorstand.“

Eine richtige Entscheidung war für den Schützenverein im September 1975 der Arbeitsgemeinschaft Kirchlintelner Sportvereine beizutreten. Im Nachhinein hat sich bestätigt, dass die kommunalen Zuschüsse den Bauvorhaben und Anschaffungen von Sportwaffen hilfreich waren.

Ab 1980 gab es eine „revolutionäre Änderung“ bei der Ausrichtung der Schützenfeste: Erstmals fand am Sonnabend vor den üblichen beiden Schützenfesttagen Sonntag und Montag ein Discoabend „speziell für die Jugend“ statt. „Selbst Liveauftritte von Bands wie ,Free Steps’ und ,Black Steps’ gehörten zum Programm“, erinnert sich Helmut Söhn an die 1990er-Jahre.

Durch weitere Umbaumaßnahmen beim Schießstand verfügt der Verein jetzt über sieben elektronische Anlagen für Kleinkaliberdisziplinen und drei Stände für Sportpistole sowie neun Luftgewehrstände. Auch diese sollen zukünftig elektronische Anlagen bekommen. Ein Antrag sei gestellt, sagt Söhn. Sechs bis sieben Mannschaften nehmen regelmäßig an den Rundenwettkämpfen im Sommer und Winter teil. Seit 2017 wird auch Bogensport ausgeübt. Zahlreiche Veranstaltungen für die älteren Mitglieder werden von den drei Seniorenbeauftragten des Vereins organisiert.

Von Hermann Meyer

1935 wurde noch auf dem alten Schießstand in der Nähe des jetzigen Dorfplatzes auf die Königsscheibe angelegt. Sitzend in Schützenuniform: Fritz Dreyer.
Ab Anfang der 1940er-Jahre war Erna Rosebrock die Vereinswirtin.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Meistgelesene Artikel

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Endlich bezugsfertig

Endlich bezugsfertig

Begehrte Früchte am Wegesrand

Begehrte Früchte am Wegesrand

Image steht auf dem Spiel

Image steht auf dem Spiel

Kommentare