Ein Dorf erfindet sich neu

Neddener erarbeiten Projekte zur Entwicklung ihres Ortes

Das Ehrenmal in Neddenaverbergen
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Im Zuge der Dorferneuerung wurde das Ehrenmal neu gestaltet.

Neddenaverbergen – Über Jahrhunderte prägte die Landwirtschaft die Dörfer, bis Mitte des 19. Jahrhunderts durch die industrielle Produktion dieser weitgehend bäuerliche Charakter allmählich verloren ging. Mangels Arbeit und Einkommen zog es viele Menschen in die Städte, immer mehr Wohnungen und Häuser blieben leer.

Gebietsreform 1972

Die Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben veränderte das Erscheinungsbild der Dörfer, forciert wurde das noch durch die Gebietsreform 1972 mit der Zusammenlegung von bisher selbstständigen Ortschaften. Außerdem hatte sich nach dem Krieg die Aufgabe der Planer auf die Städte und Ballungsräume konzentriert, nur langsam besann man sich auf den ländlichen Raum. Das Dorferneuerungsprogramm wurde aufgelegt; von den Planern als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnet.

Lebensqualität und Funktionsfähigkeit des ländlichen Raums verbessern und entwickeln

Ein wichtiger Grundstein für dieses Programm waren die Arbeiten und Erkenntnisse des Architekten Wilhelm Landzettel, der auch als „Vater der Dorferneuerung“ gilt. Es sollte Perspektiven aufzeigen und helfen, die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit des ländlichen Raums zu verbessern und fortzuentwickeln.

Klein-Landwirte wechselten in den Nebenerwerb oder gaben Betriebe auf

Mitte der 1960er-Jahre führte der Aufbau des heute als Mars firmierenden Unternehmens in der Region dazu, dass sich durch die Suche nach Arbeitskräften viele Klein-Landwirte erfolgreich bewarben. Sie führten ihre Betriebe dann nur noch im Nebenerwerb oder gaben die Landwirtschaft gleich ganz auf.

Neddenaverbergen und Holtum (Geest) vor Ende 1984 für Dorferneuerungsprogramm gemeldet

Neddenaverbergen und Holtum (Geest) waren die ersten Dörfer aus der Gemeinde Kirchlinteln, die noch vor Ende des Jahres 1984 für das gerade verabschiedete Dorferneuerungsprogramm des Landes gemeldet worden waren. Auch in Nedden fanden sich etliche interessierte Bürger mit den unterschiedlichsten Hintergründen im Arbeitskreis zusammen, die mit ihrer Kenntnis die Probleme aufzeigen konnten. Und etwas wurde noch deutlich: Durch viele gemeinsame Aktionen wurde der gute Zusammenhalt der Einwohner weiter gefestigt, was auch ein nicht zu unterschätzender Wert einer gelebten Dorferneuerung ist.

Ermöglicht wurde das Vorhaben durch das mit finanziellen Mitteln des Landes unterstützte Dorferneuerungsprogramm, wobei öffentliche und private Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung des ländlich-prägenden Ortsbildes wichtige Bestandteile des Programms waren. Die geforderte Bürgerbeteiligung war gegeben, und für ein allgemeines Interesse an der Geschichte des Dorfes sorgte 1981 das Dorfgemeinschaftsfest zum 750. Geburtstag des Ortes.

Die Basis für die neue Gruppe „Dorferneuerung“ war die „Arbeitsgruppe Dorfchronik“, die im August 1983 mit dem Ziel gegründet worden war, bei der Vorbereitung und Gestaltung der von Jürgen Siemers zu verfassenden Chronik mitzuhelfen. Dieser hatte ein Jahr zuvor von der Gemeinde einen entsprechenden Auftrag erhalten. Diese enge Zusammenarbeit bei der 1987 herausgegebenen ersten Chronik machte sich im März 1985 auch bei der Gründung des Arbeitskreises Dorferneuerung bemerkbar.

Als Kenner der dörflichen Situation war es für die Mitglieder dieser Gruppe ein Leichtes, kritische Punkte aufzudecken und mit Anregungen auch aus der Bevölkerung die Vorschläge für den Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Ende November 1985 lag dieses Dokument vor, das 30 öffentliche und bis dahin 90 angemeldete private Maßnahmen umfasste.

Die beiden Gruppen Dorfchronik und Dorferneuerung „fusionierten“ nach der Erledigung ihrer Aufgaben zum Arbeitskreis Heimatpflege, der in der Folge mit vielerlei Aktionen und Initiativen für die Verwirklichung des Planes sorgte. „Durch die Fördermittel konnten sowohl private Projekte als auch öffentliche Maßnahmen dank einer starken Gemeinschaft umgesetzt werden“, würdigt Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald heute den damaligen Einfallsreichtum der Bürger.

In Folge 2: Die konkreten Maßnahmen in Neddenaverbergen.

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