Jäger erlegen 17 Stück Schwarzwild / Landesregierung fordert Dezimierung

Drückjagd gegen Schweinepest

Nur wenige Jagdhornbläser können mit (v.l.) Jürgen Büntemeyer, Gerd Offer und Heinz Meier dem Wild in Coronazeiten die letzte Ehre erweisen.
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Nur wenige Jagdhornbläser können mit (v.l.) Jürgen Büntemeyer, Gerd Offer und Heinz Meier dem Wild in Coronazeiten die letzte Ehre erweisen.

Groß Heins – Gleich zwei Seuchen bestimmen die diesjährigen Drückjagden auch in der Gemeinde Kirchlinteln: die Afrikanische Schweinepest und natürlich Corona.

Als Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) soll nach Willen der Politik das Schwarzwild massiv bejagt werden, um die Wildschweinpopulation unter Kontrolle zu halten. Milde Winter und paradiesische Futtermittelverhältnisse lassen die Bestände der schwarzhaarigen Vierbeiner stark ansteigen, was wiederum die Verbreitung des ASP-Erregers fördert. Mittlerweile sind schon weit über hundert infizierte Wildschweine in Brandenburg und in Sachsen gefunden worden. Für Menschen nicht ansteckend, bedroht die ASP aber die wertvollen Mastschweinbestände der Region, was zusätzlich Druck auf die Erzeuger ausübt.

Die zweite Seuche ist das Coronavirus, wodurch die Durchführung der effektiven Drückjagden noch aufwendiger wird. Ein umfangreiches Hygienekonzept musste in Kooperation mit dem Gesundheitsamt erarbeitet werden, auch wenn nach Hinweis aus dem Landwirtschaftsministerium keine explizite Genehmigung bei Drückjagden notwendig sei.

„Am Mittwoch dachten wir noch, dass wir die Jagd absagen müssen. Doch Dank der beispielhaften Unterstützung der zuständigen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Verden, haben wir eine Lösung gefunden, die den Ansprüchen beider Seiten gerecht wird“, dankte der Vorsitzende der Jägerschaft Verden, Jürgen Luttmann. Er nannte die Zusammenarbeit mit der Kreisveraltung ausdrücklich „konstruktiv“. Auch die Landespolitik gab eine klare Empfehlung bezüglich der Drückjagden aus. Nach der Niedersächsischen Corona-Verordnung ist die körperliche Betätigung im Freien grundsätzlich zulässig.

Damit dürfe auch die Jagd weiterhin ausgeübt werden. Dabei weist das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium (ML) in einer Pressemitteilung auf die Wahrung der Abstands- und Hygieneregelungen hin. Auch Drückjagden auf Schalenwild zur gesetzlich vorgeschriebenen Abschussplanerfüllung und zur Prävention der ASP seien weiterhin zulässig, da sie der Ausübung einer Tätigkeit der Gefahrenabwehr zuzuordnen seien. Unter Einhaltung des Hygienekonzepts fordert die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, weiter den Bestand des Schwarzwildes zu dezimieren. „Die Infektionskette bei der Übertragung des ASP-Virus kann nur durch niedrige Schwarzwildbestände verringert oder unterbrochen werden. Daher ist eine effektive Bejagung der Schwarzwildbestände jetzt vorrangig. Dies wird in diesem Jahr auch aufgrund der guten Eichelmast nur mit gemeinschaftlichen Jagden erreicht werden können. Darüber hinaus werden die Jäger und Jägerinnen die Möglichkeit erhalten, Nachtzieltechnik bei der Einzeljagd einzusetzen.“, sagte Otte-Kinast.

Bei Treibjagden sehe der Vorgang schon wieder anders aus, weil diese anders als Drückjagden als Veranstaltungen der vorherigen Genehmigungspflicht durch die zuständigen Behörden unterlägen. Deshalb bittet die Ministerin, von diesen Gesellschaftsjagden, die einer Genehmigung bedürfen, abzusehen. Damit sollen die zuständigen Behörden in der Pandemie entlastet werden.

Deswegen wurde bei der Drückjagd in den 20 teilnehmenden Revieren in der Gemeinde Kirchlinteln das jagdliche Brauchtum auf ein absolutes Minimum reduziert. Nachdem die Jäger den Vormittag alleine mit dem Ansitzen auf ihren Hochsitzen verbracht hatten, gab es nur einr kurze Strecke zu legen, begleitet von nur sehr wenigen Jagdhornbläsern. Dieses Brauchtum fand in jedem Revier separat statt, um keine zentrale Zusammenkunft, wie in den letzten Jahren zu haben. Im Freien und mit großem Abstand war das Zeremonielle für die diesjährige Drückjagd nach wenigen Minuten auch schon wieder vorbei. Das beliebte Schüsseltreiben fiel natürlich ebenfalls aus, wodurch das gemeinsame Mittagessen nach der langen Jagd entfiel.

Anhand der Anzahl der zur Strecke gebrachten Wildschweine, insgesamt 17 Stück, lasse sich aber der Sinn für den großen Aufwand erkennen.

Von Henning Leeske

Erfolgreicher Einsatz gegen die Schweinepest: Hartmut Schröder (l.) und Heinrich Luttmann jun. konnten im Klein Heinser Revier zusammen mit anderen Jägern fünf Wildschweine zur Strecke bringen.

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