Ihre Schwestern lieben Lichter und Glitzern, Raclette und gemeinsames Singen

Dörte Liebetruth feiert mit ihrer Familie „Weihnukka“

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Kirchlintler Schwestern in Weihnachtsstimmung: die SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (Mitte) mit Nadine (links) und Imke (rechts).

Kirchlinteln - Von Ulf Buschmann. Im Fenster zur Straße steht schon eine beleuchtete Pyramide. Im Dunkeln ist sie nicht sofort wahrzunehmen, deshalb weist Dörte Liebetruth beim Hineingehen ins Haus darauf hin. Die 37-jährige frisch gewählte SPD-Landtagsabgeordnete aus Kirchlinteln „ist selbst nicht so der Weihnachtsmensch“. Aber ihre beiden Schwestern, die 35-jährige Imke und die 27-jährige Nadine, lieben das Fest sehr. Die Drei leben seit einigen Monaten zusammen in einem Haus aus den 1960er-Jahren im Danziger Weg. Imke und Nadine oben zu zweit in einer Wohngemeinschaft, Dörte Liebetruth unten in ihrer Wohnung. Imke und Nadine haben beide das Down-Syndrom und werden von der Tragenden Gemeinschaft betreut.

Wenn die Weihnachtszeit anbricht, drehen Imke und Nadine auf. Beleuchtete Pyramiden, Ketten, eine Obstschale mit Mandarinen auf dem Tisch, Deko-Sterne und allerhand mehr findet sich in der Wohnung der beiden Frauen. Besonders Imke strahlt, wenn sie über Weihnachten erzählt. „Ich mag das Glitzern“, sagt Imke. Sie kann gar nicht genug davon bekommen. Sogar der Pullover muss zumindest von feinen Glitzerfäden durchzogen sein.

Mit viel Gemüse und Fleisch

Je mehr es auf die Festtage zugeht, desto aufgeregter werden Imke und Nadine. Die ältere der beiden Schwestern lässt sich „verzaubern“, wie sie sagt. Nadine ist einfach nur „aufgeregt“, wie sie leise zugibt. Die Hochstimmung der beiden Kirchlintlerinnen kommt nicht nur von den schönen weihnachtlichen Lichtern und Düften. Weihnachten ist für beide auch deshalb ein schönes Fest, weil sich Heiligabend die ganze Familie bei den Eltern trifft. Mutter und Vater, Imke und Nadine, Dörte, der Bruder Michael mit seiner Frau aus Celle und die 90-jährige Oma, alle sind in der „Zentrale“ dabei. So heißt das Haus der Eltern im Familienjargon. Dort gibt es den Weihnachtsbaum, Geschenke und – was Imke besonders liebt – Weihnachtslieder. Zum Essen tischen die Liebetruths traditionell Raclette auf. „Mit viel Gemüse und Fleisch“, freut sich Imke schon jetzt. Auch den Gottesdienst besucht die Familie gemeinsam.

Am ersten Weihnachtstag geht es mit dem Familientreffen weiter. Speziell für Imke und Nadine ist das Raclette-Reste-Essen wichtig, schließlich gibt es zum Nachtisch Schokoladenpudding mit Vanillesoße. Von allem ist stets reichlich vorhanden. Das alles gehöre zum Weihnachtsfest dazu, sind sich Imke und Nadine einig. Wie der Kartoffelsalat mit Würstchen, der am zweiten Weihnachtstag auf dem Tisch steht.

Zum Judentum konvertiert

Und wie hält es die große Schwester? Dass „Weihnachten nicht so meins“ ist, hat einen besonderen Grund: Die SPD-Parlamentarierin beschäftigte sich vor vielen Jahren mit dem Ursprung des Christentums und lernte dabei das Judentum immer besser kennen. Am Ende eines längeren Prozesses habe sie sich dafür entschieden, zum Judentum überzutreten. Vor diesem Hintergrund steht für die 37-Jährige am Ende des Jahres das jüdische Lichterfest Chanukka im Mittelpunkt ihres persönlichen Kalenders. Weil ihre ganze Familie zum Weihnachtsfest zusammenkommt, feiert Dörte Liebetruth dann eben das, was sie mit einem verschmitzten Lächeln „Weihnukka“ nennt.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth ist zum jüdischen Glauben konvertiert und feiert das Lichterfest Chanukka.

Im Judentum wird jedes Jahr acht Tage lang Chanukka gefeiert: Mit Lichtern wird der Wunder gedacht, die Gott auch mit Hilfe von Menschen vollbracht hat. Historischer Hintergrund ist die Wiedereinweihung des jüdischen Tempels in Jerusalem nach dem erfolgreichen Freiheitskampf der vermeintlich schwachen jüdischen Makkabäer im Jahr 164 v. Chr. Chanukka fällt in den November oder Dezember.

Für das Fest hat sich Dörte Liebetruth einen echten Chanukka-Leuchter zugelegt und entzündete in diesem Jahr am 12. Dezember abends die ersten beiden Kerzen. An den folgenden Tagen wird jeweils eine weitere entzündet, bis am 19. Dezember abends schließlich alle neun brennen. Um mit ihren Glaubensschwestern und -brüdern Chanukka feiern zu können, fährt sie zur Liberalen Jüdischen Gemeinde nach Hannover. Pünktlich zum Weihnachtsfest ist sie aber wieder bei ihrer Familie im heimischen Kirchlinteln.

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