Dieter Bergstedt blickt auf seine Zeit als Brandmeister zurück

Manche Einsätze wird er wohl nie vergessen

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Von den 13 Ortsfeuerwehren erhielt Dieter Bergstedt zum Abschied eine Standrohr-Uhr. Seine 28-jährige Brandmeister-Dienstzeit ist zwar abgelaufen, die Feuerwehr-Uhr des 57-jährigen Otersers tickt aber weiter.

Otersen - Eine große Stand-rohr-Uhr gab es zum Abschied nach zwölf Jahren als Chef von mehr als 400 Aktiven in 13 Ortsfeuerwehren. Nach 28 Jahren als Ortsbrandmeister und später Gemeindebrandmeister ist die Dienstzeit von Dieter Bergstedt als Führungskraft abgelaufen – und trotzdem tickt sie weiter, seine Feuerwehr-Uhr.

„Ich werde im normalen Dienst und bei Einsätzen aktiv sein – noch sechs Jahre bis zum Erreichen der Altersgrenze“, erzählt Bergstedt, der dann, mit 63 Jahren, auf insgesamt 50 Jahre Dienst am Nächsten zurückblicken kann. 1971 begann der 13 Jahre junge Dieter Bergstedt bei der neuen Jugendfeuerwehr Otersen, war dort Gruppenführer, ebenso wie später in der aktiven Feuerwehr, bis er 1987 als 29-jähriger Brandschützer Ortsbrandmeister in Otersen wurde. 17 Jahre, bis 2004, war er Chef der örtlichen Feuerwehr. Nach einem Jahr als Stellvertreter trat Dieter Bergstedt im Juni 2003 die Nachfolge von Hermann Carstens an.

Beim Gemeindefeuerwehrtag am 14. Juni 2003 stand Bergstedt in Weitzmühlen erstmals als Chef vor den 13 Ortsfeuerwehren, als dritter Gemeindebrandmeister seit 1972. In seiner Amtszeit pflegte er mit drei Verwaltungschefs im Rathaus eine gute Zusammenarbeit. „Wir haben immer nur das beantragt, was wirklich notwendig war“, unterstreicht Bergstedt die sparsame Art „seiner“ Feuerwehr.

Eine Woche, nachdem er von Bürgermeister Wolfgang Rodewald die Entlassungsurkunde erhalten hat, blickt Bergstedt im Gespräch mit dieser Zeitung zurück. So richtig gewöhnt hat er sich noch nicht an seine neue Rolle: „Den Funkmeldeempfänger habe ich schon öfter an meinem Hosenbund vermisst, er war Tag für Tag mein Begleiter.“ Der Pieper hat den Feuerwehrmann jährlich zu 40 bis 50 Einsätzen gerufen, ob mitten in der Nacht oder tagsüber, wenn der Unternehmer seinen Fahrzeugbaubetrieb leitete. Einige Einsätze werden ihm immer in Erinnerung bleiben.

Erinnerung an Verlust

eines Kameraden

Da war das Großfeuer auf dem Hof seines Vorgängers Hermann Carstens. Beim Großbrand einer Bäckerei in Luttum kämpften die Feuerwehren unter seiner Leitung bei klirrender Kälte mit gefrorenem Wasser gegen die Flammen. Trauer schwingt in seiner Stimme mit, als er sich an den Verlust eines Feuerwehrmanns auf der Fahrt zum Einsatzort erinnert, der trotz Reannimation nicht vor dem Herztod gerettet werden konnte. Gemeistert hat Bergstedt den Bahn-Unfall in Holtum (Geest), bei dem er als Einsatzleiter die Verantwortung für insgesamt 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, Polizei und Bundesbahn hatte. Für die letzte große Herausforderung in seiner Amtszeit sorgte vor gut einem Jahr ein Starkregen. Innerhalb von vier Stunden musste Bergstedt mit seinen Feuerwehrleuten 36 Einsätze in Kirchlinteln fahren und im Gewerbegebiet ein Düngerlager vor dem Absaufen retten.

Waren es früher hauptsächlich Brandeinsätze, müssen die Feuerwehrleute heute immer öfter zu technischen Hilfeleistungen ausrücken – bei Verkehrsunfällen ebenso wie bei Naturereignissen. Mit der Einsatzleitung ist es für einen Gemeindebrandmeister noch lange nicht getan. „Wir müssen uns mit immer neuen Richtlinien beschäftigen, die Aus- und Fortbildung organisieren und uns um die Beschaffung der richtigen Fahrzeuge ebenso kümmern wie um Baumaßnahmen“, berichtet Bergstedt.

Die Verdienste des seit 44 Jahren aktiven Brandschützers sind vom Landesfeuerwehrverband gewürdigt worden. 2011 wurde er in Stade vom damaligen Ministerpräsident David McAllister geehrt. Am Gemeindefeuerwehrtag, der heute in Luttum stattfindet, wird Bergstedt erstmals seit 28 Jahren ganz ohne Führungsaufgaben teilnehmen.

Aber eins ist sicher: Wenn die Sirene auf dem First seines Wohnhauses heult, wird er weiterhin mit ausrücken.

tl

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