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„Vorübergehendes Zwischenlagern“

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Äste und Zweige versperren die Zufahrt zu einem Waldweg.
Das wird teuer: Illegal entsorgte Reifen bei Bendingbostel. © Müller

Diensthop/Bendingbostel – Die Verschmutzungen scheinen einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Anwohner beklagen diverse Hinterlassenschaften in der Gegend. Fichtenkäferholz blockiert in Diensthop einen Waldweg, während in Bendingbostel Reifen illegal entsorgt werden. Die Strafen für derartige Vergehen erreichen fünfstellige Geldbeträge.

Alte Reifen liegen im Wasserschutzgebiet in Bendingbostel

Beim Gassigehen bemerkte ein aufmerksamer Anwohner in Bendingbostel eine große Menge an alten Reifen, die von einem Unbekannten dort abgelegt wurden. „Jeder hat eine Mülltonne zu Hause, warum wird der Müll denn nicht fachgerecht entsorgt?“, beschwert sich der Hinweisgeber. Ein weiteres Problem sieht er bei der Lage: Die Reifen liegen im Wasserschutzgebiet. „Das könnte schädlich für das Grundwasser sein“, sagt er. Der Name des Anwohners ist der Redaktion bekannt.

Verursacher nur schwierig zu fassen

„Die illegale Entsorgung von Reifen kommt hin und wieder mal vor“, sagt Stefan Schulz vom Ordnungsamt Kirchlinteln. Die Verursacher zu fassen, gestalte sich schwierig. Der Landkreis beseitige Verschmutzungen auf öffentlichen Flächen, gehört die betroffene Stelle zu einem Privatgrundstück, hafte der Besitzer für den Müll. „Es ist natürlich bequemer, seine Reifen auf diesem Wege zu entsorgen“, ärgert sich Schulz.

Bei derartigen Verschmutzungen werde laut Melanie Gehringer von der Abfallberatung des Landkreises ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. „Wir haben auch mit anderen Fällen zu kämpfen. Beispielsweise wird neben Glascontainern teilweise noch zusätzlicher anderer Müll hingestellt, weil die Leute sich denken, dass dieser gleich mit abgeholt werden kann, wenn da schon Container stehen“, sagt die Fachfrau.

Bis zu 25000 Euro für illegal entsorgte Reifen fällig

Henning Koröde, ein weiterer Zuständiger, äußert sich zu den Strafen: „Es kommt zunächst darauf an, wie groß die hinterlassene Müllmenge ist, was für eine Art von Abfall es ist, also ob sie gefährlich ist oder nicht. Hinzu kommt auch noch, ob der Täter sich einsichtig gibt“. Als grobe Richtwerte gibt er den Bereich von 80 bis 1000 Euro für bis zu fünf Reifen an, für größere Anzahlen an illegal entsorgten Reifen könnten bis zu 25 000 Euro fällig werden. „Diese Werte lassen sich aber nur bedingt auf den aktuellen Fall in Bendingbostel übertragen, weil, wie gesagt, verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen“, gibt der Experte zu bedenken.

Fastfoodmüll in Diensthop

Doch nicht nur in Bendingbostel, auch in Diensthop sorgen achtlose Menschen für Ärgernisse. „Selbst 16 Kilometer von den Fastfoodketten in Dauelsen entfernt sehe ich hier noch die Verpackungen auf der Straße liegen“, sagt Michael Müller, Revierförster von Diensthop. Verdächtige, die am Auto Verpackungsmüll liegen hatten, habe Müller mal darauf angesprochen. „Die behaupteten, sie wären es nicht gewesen, sondern einer von deren Kumpels. Am Ende haben sie den Abfall doch noch mitgenommen“, sagt Müller.

Fichtenkäferholz versperrt Waldeinfahrt

Noch dreister findet der Förster das ganze abgeladene Fichtenkäferholz, das nun eine Waldeinfahrt im Speckener Wald versperrt. „Bei der Menge handelt es sich wohl um eine Treckerladung von einer Fremdfläche oder von einem größeren Garten.“

Die Zufahrt müsse für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge freigehalten werden, genauso für die Holzabfuhr. Zurzeit könne dort niemand passieren. „Vor zwei Jahren gab es hier einen Brand, und bei so viel Holz wäre es im Sommer für ein Feuer nochmals viel einfacher, sich auszubreiten“, warnt der Fachmann.

Den Haufen zu beseitigen würde ein größeres Fahrzeug mit einem Kran benötigen. Müller will aber vermeiden, zusätzliche Kosten zu verursachen: „Wenn wir das nächste Mal sowieso einen Kran brauchen, dann können wir das Holz wegnehmen. Ich werde kein Fahrzeug extra dafür bestellen“.

„Das so zu entsorgen ist illegal und gefährlich“

Normalerweise nutzten die Leute dieses Holz als Energielieferanten oder verteilten es geschreddert oder gehackt im Garten. Ansonsten könne das Holz auch kompostiert werden. „Aber das so zu entsorgen ist illegal und gefährlich“, sagt der Förster.

Allerlei Arten von Verschmutzungen

Generell finde er allerlei Arten von Verschmutzungen in der Umgebung, ob Plastikmüll oder Asche, die neben einem Weg verschüttet wurde, jedoch nach ein paar Tagen wieder weggeräumt wurde. „Eine Kohl- und Pinkeltour kann hier nachverfolgt werden, überall liegen die Flaschen am Rand herum“, ärgert sich Müller.

Jüngere und Ältere als Verursacher

Seinen Beobachtungen zufolge sei dieses Problem an keine bestimmte Gesellschaftsschicht zu knüpfen. Er habe sowohl jüngere Menschen als auch Ältere dabei erwischt, wie sie ihren Abfall in der Umwelt lassen.

„Ich finde es aber beeindruckend, wenn Menschen dagegen halten und versuchen, die Straßen wieder sauber zu machen, indem sie fremden Müll aufheben“, lobt er.

Schon einmal Täter zur Rechenschaft gezogen

Auch wenn es eine schwierige Aufgabe ist, Täter zur Rechenschaft zu ziehen, sei dies Müller schon einmal gelungen. Als zwei Männer ihren Sperrmüll unerlaubt abluden, rief er die Polizei und so konnten die Verantwortlichen überführt werden. „Sie versuchten noch, mir zu erklären, sie würden das nur vorübergehend zwischenlagern“, schmunzelt der Waldhüter.

Von David Böse

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