Neues Werk des Wissenschaftsautors Ernst Probst

Lanze von Lehringen: Fund fasziniert Historiker bis heute

Ein Mammut-ähnliches Wesen thront auf einem Treckeranhänger.
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Die Lanze von Lehringen beschäftigt nach wie vor Wissenschaftler, aber inspiriert auch die heimische Bevölkerung. Hier ein spektakulärer Erntewagen des VdS zum Thema.

Am Ende seiner Kräfte, trottete der Urzeit-Koloss in den See, um seine Wunden zu kühlen. Tagelang hatte eine Gruppe Neandertaler den Waldelefanten verfolgt, die mit dieser Jagdbeute für sich und ihre Sippe für viele Monde einen Vorrat bunkern wollte. Mit ihren Lanzen aus Holz hatten die Jäger ihm Wunden zugefügt, und eine der Lanzen verhakte sich im Knochengerüst. Der Versuch, diese für die Jagd zu retten, gelang nicht. Am See begrub der Koloss die wertvolle Jagdwaffe unter seinem massigen Körper.

Lehringen – So ähnlich dürfte sich vor etwa 125 000 Jahren das Szenario abgespielt haben, das seit mehr als 70 Jahren die Fachwelt, aber auch die Bürger der Region rund um den Fundort bei Lehringen (Neddenaverbergen) beschäftigt. In die aktuellen Diskussion um das in Neddenaverbergen geplante spektakuläre Kunstobjekt mit dem 1948 in der Mergelkuhle geborgenen Skelett des seinerzeit verendeten Waldelefanten, passt ein neues Werk des Wissenschaftsautors Ernst Probst aus Wiesbaden zu dem Thema.

Neues Buch: „Die Lanze von Lehringen – Der Jahrhundertfund aus der Altsteinzeit“

Ursprünglich plante Probst das Taschenbuch unter dem Titel „Das Spätacheuléen – Eine Kulturstufe der Altsteinzeit vor etwa 150 000 bis 100 000 Jahren“. Aber bei den teilweise mühsamen Recherchen hat ihn das Thema rund um den „Sensationsfund“ immer mehr fasziniert und das Taschenbuch erhielt den Titel „Die Lanze von Lehringen – Der Jahrhundertfund aus der Altsteinzeit“.

Auf 120 Seiten beschäftigt sich Probst mit der Lebens- und der Umweltsituation der Urmenschen vor etwa 150 000 bis 100 000 Jahren, wobei er die Arbeit des Prähistorikers Klaus Günther als einem der „Pioniere der Steinzeitforschung“ würdigt. „Der Begriff Spätacheuléen als Kulturstufe ist von ihm für Funde von nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Fundorten geprägt worden“, erläutert Probst in seinem Vorwort. Aus dieser Zeit der Neandertaler genannten Urmenschen gebe es nur bescheidene und unsichere Reste. „Der Lehringer Fund der mehr als zwei Meter langen Holzlanze in einem Waldelefantenskelett sorgte seinerzeit für Aufsehen in Fachkreisen und war eine Weltsensation“, bemerkt der Autor. Dieser Fund beweise, dass die Jäger des Spätacheuléen selbst diese riesigen Rüsseltiere nicht fürchteten.

Rechtsstreit über den verbleib der Lanze

Für die Prähistoriker sei dieser Fund eine Möglichkeit gewesen, ihren bisherigen Forschungen einen weiteren Aspekt hinzuzufügen. In etlichen Fachbüchern sind die Ergebnisse zu finden, die sich mit der prähistorischen Zeit vor 125 000 Jahren beschäftigen. Probst nutzte diese Broschüren, aber auch andere Publikationen für seine Recherchen, wobei die Zeit ab 1948 im Vordergrund stand, und erwähnte auch andere Ausgrabungen. Die Dokumentationen, die er für seine Recherchen verwendete, sind im umfangreichen Literaturverzeichnis im Anhang des Taschenbuches erfasst.

Unter anderem handelt es sich dabei auch um einen Artikel aus der Zeitschrift Der Spiegel aus dem Jahr 1955. Darin geht es um das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreites über die Frage, wo die älteste Lanze der Welt aufbewahrt werden soll. Ein Prozess, den Heimatkundler Alexander Rosenbrock für Verden gewann.

Widersprüchliche Angaben korrigiert

„Bei den Recherchen habe ich widersprüchliche Angaben und nicht stimmige Aussagen früherer Autoren korrigiert“, erläuterte Probst. So sei die Zahl der Lanzenbruchstücke ungenau angegeben worden und bei der Länge der Lanze habe es ebenfalls starke Unterschiede gegeben. Probst sorgte auch dafür, dass die Liste der Entdecker des Jahrhundertfundes um zwei Namen erweitert wurde: So müssen auch Waltraut Deibel-Rosenbrock, Tochter des Grabungsleiters Alexander Rosebrock und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Rudolf Biere genannt werden.

Zum Ende seiner Recherchen hatte Probst einen Kontakt zu Nachfahren der einzigen noch lebenden Zeitzeugin der Grabungsarbeiten aufnehmen können. Sie war 1962 mit ihrem Mann in die USA ausgewandert und lebt seit dessen Tod vor einigen Jahren dort bei ihrer Tochter. In Gesprächen mit ihren Kindern habe die Mutter unter anderem erzählt, dass ihr und Biere die Ehre gebühre, die Lanze entdeckt zu haben. Bisher wurden hier der Kreisarchivpfleger Otto Voigt sowie später Alexander Rosenbrock genannt. Außerdem hatten die beiden Kinder viele weitere interessante und skurrile Details über die Ausgrabungen erfahren.

„Danken möchte ich den Nachfahren des Ausgräbers in den USA für die schnelle Antwort, diese Informationen waren sehr wertvoll“, so der Autor abschließend. Ein ebenso besonderer Dank gelte den Menschen in der Region, Dr. Rainer Biere, Diplom-Ingenieur Adolf Biere, Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht, Bärbel Ebeling von den Verdener Familienforschern, Dr. Björn Emigholz, Leiter Domherrenhaus Verden, Dr. Florian Dirks, Kreisarchiv, Uwe Panten, Ortsvorsteher von Neddenaverbergen, sowie der Verdener Aller-Zeitung. In seinem Buch weist Probst zum Abschluss noch auf das in Nedden geplante Kunstprojekt hin. Das 120-seitige Taschenbuch „Die Lanze von Lehringen“ mit etlichen Fotos und Zeichnungen ist nur bei Amazon im Internet für neun Euro erhältlich.

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