Kaum Erweiterungsmöglichkeiten für heimische Betriebe

Der Bedarf Kirchlinteln ist da, die Gewerbeflächen (noch) nicht

Die Wirtschaft in Kirchlinteln floriert. Betriebe in der Gemeinde und ihren Ortschaften wollen sich erweitern.Manche suchen aber auch erstmal einen Standort, um sich niederlassen zu können. Die dafür benötigten Flächen fehlen noch, aber Bürgermeister Arne Jacobs will das ändern.

Haben Pläne, aber noch mangelt es an entsprechenden Grundstücken: Bürgermeister Arne Jacobs und Amtsleiter Manuel Rampelmann wollen aktiv Gespräche mit hiesigen Landeigentümern führen, um langfristig Gewerbeflächen für heimische Betriebe zu entwickeln.

Kirchlinteln – Wer in der Gemeinde Kirchlinteln größere Flächen besitzt, der kann sich darauf einstellen, dass bei ihm demnächst das Telefon klingelt und das Rathaus am anderen Ende der Leitung ist. Denn die Verwaltung möchte jetzt aktiv nach potenziellen Gewerbeflächen suchen und Gespräche mit Landeigentümern führen. Dass das nicht leicht wird, wissen Bürgermeister Arne Jacobs und Amtsleiter Manuel Rampelmann. Aber sie wollen es zumindest versuchen.

Auf Nachfrage der Verdener Aller-Zeitung erklären die beiden die aktuelle Lage: Es gebe zahlreiche Betriebe in der Gemeinde, die historisch gewachsen seien, die seit vielen Jahrzehnten im Kernort Kirchlinteln oder in einem der Dörfer ihren Standort hätten. Und wenn dann eine neue Generation das Ruder übernimmt, soll die Firma oft moderner werden, sich weiterentwickeln, sich vergrößern. Am bisherigen Standort sei das allerdings nur in wenigen Fällen möglich. Nicht nur mache meist die umliegende Bebauung eine Intensivierung des Betriebes alleine schon aus Emissionsgründen unmöglich, meist mangelt es schlicht an der Verfügbarkeit von Grundstücken in unmittelbarer Näher.

Eine positive Ausnahme sei hier die Firma Schutz Fahrzeugbau in Bendingbostel, berichten Jacobs und Rampelmann. Die wolle sich demnächst vergrößern und habe zum Glück die dafür erforderlichen, benachbarten Flächen bereits in ihrem Besitz. „Die Firma Schutz bietet viele Arbeitsplätze direkt vor Ort. Da unterstützen wir eine Erweiterung natürlich“, sagt Arne Jacobs. „Hinzu kommt hier, dass sich der Betrieb in einer örtlichen Randlage befindet. Die Verkehre führen nicht durch den Ort, wegen der guten Anbindung an die Landesstraße. Das ist da total verträglich.“,

Geeignete Grundstücke, auf denen sich heimische Betriebe weiterentwickeln könnten, sind in der Gemeinde Kirchlinteln Mangelware. Deswegen will die Verwaltung jetzt Gespräche mit Landeigentümern führen.

Wer selbst jedoch keine geeignete Fläche besitze, dem könne die Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt leider auch keine anbieten. Und so müsse die Verwaltung immer wieder Anfragen aus der Unternehmerwelt ablehnen – und damit verbundene Hoffnungen für die Zukunft des Betriebes zerschlagen.

Kirchlinteln ist als Standort für Betriebe attraktiv

„Diese Problematik war bei uns in der Stabsstelle für Gemeindeentwicklung immer schon sehr präsent. Wir haben keine so gut gelegenen Flächen wie andere Gemeinden in unserem Besitz“, erklärt Rampelmann. Dabei sei Kirchlinteln als Standort für Betriebe eigentlich sehr attraktiv. „Nicht zuletzt wegen der Nähe zur Autobahn“, weiß Jacobs. Mehrere Anrufe pro Woche erreichten die Verwaltung von Firmen von außerhalb, die sich über die Flächenverfügbarkeit in der Gemeinde informieren wollten, berichtet Rampelmann. „Da sind durchaus manchmal welche dabei, die für uns ein Gewinn wären.“ Aber helfen könne er den Firmen mangels Flächen nicht.

Jacobs und Rampelmann betonen, dass die kommenden Gespräche mit Flächeneigentümern aber auf keinen Fall zum Ziel hätten, einfach irgendwo ein Gewerbegebiet aus dem Boden zu stampfen, um externen Betrieben eine Möglichkeit zu geben, sich hier anzusiedeln. „Wir sind ganz klar vor allem auf der Suche nach Grundstücken, die wir heimischen Betrieben anbieten können, damit diese sich weiterentwickeln können“, so Jacobs. Man schaue nach Flächen, die aus Sicht der Verwaltung in Frage kämen, um dort etwas zu entwickeln, und suche dann das Gespräch mit den Eigentümern. „Natürlich darf sich jeder, der glaubt, ein solches Grundstück zu besitzen, auch gerne bei uns melden.“

Wohnraumentwicklung hat Priorität

Die Priorität der Gemeinde liege zwar nach wie vor auf Wohnraumentwicklung. „Aber wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir glauben, dass wir auch unseren Betrieben etwas anbieten müssen“, so Jacobs. Auf seiner Tour der Dörfer sei er mehrfach von Gewerbetreibenden angesprochen worden, die sich mit genau diesem Problem an ihn gewandt hätten. „Und wenn ein engagierter Geschäftsmann seinen Betrieb vergrößern möchte, aber hier vor Ort keine Möglichkeit dazu bekommt – dann wird er woanders fündig werden. Und das möchte ich möglichst vermeiden.“

„Wir machen uns nichts vor, wir werden nie ein ganz großer Gewerbestandort werden“, stellt Rampelmann klar. „Und das müssen wir auch nicht.“ Aber das örtliche Gewerbe sei nun einmal ein Standbein, mit dem sich die Gemeinde auch ein Stück weit finanziere. „Wir sehen uns in der Verantwortung, die Weichen zu stellen.“ Und es sei keine Zeit zu verlieren: „Wir müssen jetzt mit diesen Gesprächen starten, denn der Flächendruck wird immer größer und die Luft wird irgendwann dünner.“

Von Reike Raczkowski

Rubriklistenbild: © Raczkowski

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