Geplanter Edeka: Kirchlintler Aktionsbündnis ruft Bürger auf, sich zu äußern

Demo-Wand soll Dimensionen des Marktes verdeutlichen

So hoch könnte der geplante Supermarkt auf dem Aula-Grundstück in Kirchlinteln werden. Mit ihrer „Demonstrationswand“ wollen die Gegner des Bauvorhabens verdeutlichen, wie sehr das Gebäude das Ortsbild prägen würde.

Kirchlinteln - „Schauen Sie mal, dort soll der Parkplatz hin. Und dort, sehen Sie die großen Bäume? Die kommen dann alle weg.“ Karen Rodel ist sichtlich verärgert, als sie auf der Wiese umhergeht, die seit vielen Jahren immer wieder im Fokus von Verwaltung und Politik steht. „Ich glaube, dass viele Bürger die Dimensionen des geplanten neuen Edeka-Marktes in der Ortsmitte nicht richtig einschätzen“, sagt Stephan Jeite, der sich wie Rodel und andere Bürger im Aktionsbündnis „Tatort Ortskern Kirchlinteln“ gegen den Bau des Supermarktes auf dem sogenannten Aula-Grundstück engagiert. Um zu verdeutlichen, wie sehr der Markt das Ortsbild verändern würde, haben sich die Akteure etwas Besonderes einfallen lassen: Auf dem Nachbargrundstück haben sie mit Hilfe von Holzstangen und weißen Absperrbändern eine Wand des geplanten Marktes „nachgebaut“ und nach eigener Aussage die vorgesehenen Maße verwendet.

Schon seit Monaten äußern die Mitglieder des Aktionsbündnisses ihre Bedenken zu der Planung, die vorsieht, dass ein neuer Supermarkt mit einer Fläche von 2 300 Quadratmetern und acht Metern Höhe gebaut werden soll. „Wir haben immer wieder betont, dass wir nicht gegen einen neuen Supermarkt sind. Wir sind gegen einen Supermarkt auf dem Aula-Grundstück“, betont Karen Rodel. Wie auch Jeite ist sie keine direkte Anliegerin des Grundstücks und ist dennoch davon überzeugt, dass der neue Markt den Ortskern nachhaltig negativ prägen würde.

Die wichtigsten Argumente des Aktionsbündnisses: Die historische Ortsmitte würde durch den großen Bau mit Flachdach optisch verschandelt. Natürlich sei Architektur auch ein Stück weit Geschmackssache, aber die geplante Optik passe nicht zum ländlich geprägten Umfeld des Aula-Grundstückes, sind sich die Gegner sicher. Der Anlieferungsverkehr im Umfeld der Schule stelle darüberhinaus einen erheblichen Gefahrenpunkt für Schüler und Fußgänger dar. Und drittens: Während die Politik im Jahr 2010 einen solchen Markt auf der gemeindeeigenen Fläche nach einer Bürgerbefragung noch abgelehnt hatte, soll dieser jetzt gebaut werden – ohne, dass sich die Umstände geändert hätten und ohne eine erneute Bürgerbefragung. „Damals war der Markt von Bürgern anscheinend nicht ausreichend gewollt“, so Rodel. „Und nun wird die gleiche Umfrage dazu herangezogen, um den Bau zu rechtfertigen?“ 2010 hatten 16,7 Prozent der befragten Bürger den Bau eines größeren Supermarktes als „notwendig“ und 36,9 Prozent als „wünschenwert“ bezeichnet. „Die CDU sagt heute, sie würde von einer schweigenden Mehrheit ausgehen, die den Markt will“, sagt Jeite. „Woher haben die das?“

„Außerdem finde ich, dass sich die Gemeinde nicht ausreichend bemüht hat, eine alternative Planung für das Aula-Grundstück zu erarbeiten. Man hätte auch das Interesse bei den Bürgern und bei potenziellen Investoren wecken müssen, mit dem Ziel, eine zum Ortsbild passende, kleinteilige Bebauung zu realisieren“, so Jeite weiter.

Seit dem 6. Juni liegt der für den Bau des Supermarktes geänderte Bebauungsplan Nr. 12 im Rathaus Kirchlinteln aus. „Auch im Internet können ihn Interessierte unter www.instara.de/html/kirchlinteln12-2.htm abrufen“, so Jeite. Die Kirchlintler Bürger können noch bis zum 5. Juli Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplanes abgeben. Möglich ist das beim Planungsbüro (E-Mail info@instara.de) sowie persönlich oder schriftlich bei der Gemeindeverwaltung. Die Bedenken werden dann vom Planungsbüro ausgewertet und zu einem späteren Zeitpunkt von der Politik besprochen. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat nach der Sommerpause.

Wer mehr über die Arbeit des Aktionsbündnisses wissen wolle, könne außerdem gerne mal bei Facebook vorbeischauen, wo die Akteure unter Tatort Ortskern Kirchlinteln regelmäßig Neuigkeiten veröffentlichen. Im Internet (https://www.openpetition.de/petition/online/kein-supermarkt-auf-dem-aula-grundstueck) hat das Aktionsbündnis darüberhinaus eine Online-Petition gegen den Bau gestartet.

Wer sich noch keine Meinung zu dem Thema gebildet hat, solle doch einfach mal zum Aula-Gelände gehen und sich die Demonstrationswand anschauen, meinen Rodel und Jeite. Diese würde die Ausmaße des Marktes besser verdeutlichen als die Holzstangen, die Gemeinde und Investoren auf dem Gelände aufgebaut haben. - rei

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