Schule am Lindhoop: Projekttag muss erneut ausfallen

Stolpersteine der Geschwister Mautner glänzen wieder in Neddenaverbergen

Zwei Mädchen mit Maske knien am Straßenrand.
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Nehmen die Aufgabe ernst: Hanna (15) und Neele Meyer (9) polieren die Stolpersteine, die an das jüdische Geschwisterpaar Mautner erinnern.

Auch, wenn der Projekttag der Schule am Lindhoop in Kirchlinteln auch in diesem Jahr coronabedingt ausfallen musste: Die Schule nimmt ihre Verantwortung für die Stolpersteine in der Gemeinde ernst und sorgt dafür, dass die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden.

Neddenaverbergen – Es ist schon etwas anstrengend, aber Hanna und Neele machen tapfer weiter. Sie schrubben die Stolpersteine, bis sie in der Frühlingssonne glänzen und die beiden Namen, Amalie und Adolf Mautner, wieder gut zu lesen sind. „Das waren Menschen, die ermordet wurden, völlig ohne Grund“, sagt die 15-jährige Hanna. „Es ist gut, dass es diese Steine gibt. Damit niemand ihre Namen vergisst.“

Hanna kennt die Geschichte der Mautners: Dem jüdischen Geschwisterpaar wurde in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 die Fenster mit Holzscheiten eingeworfen. Beide waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr die Jüngsten und außerdem gebrechlich: Amalie war schwer gehbehindert, ihr Bruder taubstumm. Am 17. November 1941 wurden sie mit Pferd und Wagen zum Verdener Bahnhof gebracht und von dort aus über Bremen nach Minsk deportiert. Im Vernichtungslager Malyj Trostenez wurden sie 1942 von Angehörigen der Waffen-SS ermordet. Vor dem Grundstück in Neddenaverbergen, wo die Geschwister zuletzt wohnten, erinnern seit einigen Jahren zwei Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an ihr Schicksal.

Die Pflege der Stolpersteine ist fester Bestandteil der Arbeit als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, der sich die Schule am Lindhoop verschrieben hat. Eine Schule, die sich diesem Namenszusatz verpflichtet, führt regelmäßig Veranstaltungen durch, die sich gegen Intoleranz und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit richten. Jedes Jahr, immer am letzten Schultag vor den Osterferien, gibt es einen Projekttag, um das Motto mit Leben zu füllen. So haben es Geschichtslehrer Eike Behrens und Hermann Meyer von der örtlichen SPD vereinbart. Meyer hat die Schüler in der Vergangenheit immer wieder mit Informationen zu den Stolpersteinen und den hiermit verbundenen Schicksalen unterstützt. Außerdem überreichte er der Schule einen Klassensatz der Gedenkschrift „Das Ende des Zweiten Weltkriegs in der Gemeinde Kirchlinteln“.

Wegen der Pandemie kann der Projekttag schon im zweiten Jahr in Folge nicht durchgeführt werden. „So etwas muss man gemeinsam und persönlich erleben, das funktioniert nicht per Videokonferenz“, sagt Behrens. Da das Motto dennoch Beachtung finden soll, haben sich die Lehrkräfte darauf verständigt, in dieser Woche bei jeder sich bietenden Gelegenheit Bezüge zum Thema herzustellen. „Niemand sollte in die Osterferien starten, ohne zuvor nicht zumindest einmal an das Motto gedacht zu haben“, so Behrens.

Dass die 15-jährige Hanna, die an diesem Tag eigentlich schulfrei hätte, die Aufgabe übernommen hat, die Steine auf Hochglanz zu bringen, freut den Lehrer. Unterstützung gab es von Schwester Neele, die mit ihren neun Jahren zwar noch etwas zu jung für das Thema ist, die aber gerne dabei helfen wollte, etwas Sinnvolles zu tun. Als die Mautner-Steine wieder glänzten, legten die Mädchen gemeinsam mit Behrens noch weiße Rosen nieder.

In Kirchlinteln gibt es noch einen dritten Stein, den der Geschichtslehrer pandemiebedingt diesmal alleine poliert hat. Er erinnert an den Sozialdemokraten Hinrich Heitmann, der einem Zwangsarbeiter Brot zugesteckt hatte und deswegen von den Nazis ins Arbeitslager gesteckt wurde. Auf Grund der durch die schrecklichen Verhältnisse im Lager hervorgerufenen gesundheitlichen Folgen verstarb Heitmann 1953 im Alter von nur 55 Jahren. „Sein Stolperstein soll an einen Menschen erinnern, der sich in einer unmenschlichen Zeit unabhängig vom persönlichen Risiko menschlich verhielt und hierfür unmenschlich bestraft wurde“, erklärt Behrens.

Die Stolpersteine werden gepflegt, damit Passanten auch weiterhin „stolpern“, einen Augenblick bei den Steinen verharren, die Inschriften lesen und sich dabei vor den Opfern des Nationalsozialismus verbeugen.

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