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Besuchsdienst in Kirchlinteln hält Kontakt zu den Senioren

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Von: Reike Raczkowski

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Vier Frauen lächeln in die Kamera
Sie verstehen die Notwendigkeit der Corona-Maßnahmen, hoffen aber dennoch darauf, irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wieder persönliche Besuche bei den älteren Mitgliedern der Kirchengemeinde machen zu können (v.l.): Jutta Martens, Elfriede Tonding, Ilse Wagner und Anja Meier. © Raczkowski

„Es ist schon bedrückend“, sagt Anja Meier vom Besuchsdienst der St.-Petri-Kirchengemeinde. Wegen der Pandemiesituation sei es seit nunmehr zwei Jahren schwierig, den Kontakt zu älteren Gemeindemitgliedern zu pflegen. „Machen wir uns nichts vor. Viele von ihnen waren vorher einsam, und Corona hat sie noch einsamer gemacht“, sagt Jutta Martens. Die engagierten Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinde hätten aber auch in Pandemiezeiten niemanden aus den Augen verloren und sich immer wieder etwas einfallen lassen, um den Senioren zu zeigen: „Ihr seid nicht allein.“

Kirchlinteln – Außerhalb von Pandemiezeiten besuchen zwei ehrenamtliche Gruppen die älteren Gemeindeglieder zuhause oder im Seniorenheim, um ihnen zuzuhören und ihnen etwas Zeit zu schenken. Zum einen gibt es die 15 Mitarbeiter der Geburtstagsgruppe, die Senioren zu hohen Geburtstagen gratulieren, zum anderen die 17 Aktiven, die, falls gewünscht, regelmäßig zum Klönschnack vorbeikommen. Diese Gruppe heißt auch die Neubürger willkommen. Im Altenheim unterstützt der Besuchsdienst darüber hinaus die Andachten. „Wir helfen da zum Beispiel, die Gesangbücher auf der richtigen Seite aufzuschlagen“, erzählt Anja Meier aus Deelsen, die zum Team gehört und mit den Senioren besonders gerne auf Platt schnackt. Sie ist mit ihren 54 Jahren derzeit das Nesthäkchen der Gruppe. Die älteste Besuchsdienstmitarbeiterin, Margarete Delventhal aus Heins, ist 92 Jahre alt.

Dass es gleich zwei Besuchsdienstgruppen gibt, zeige die große Wertschätzung für das Thema in der Kirchengemeinde St. Petri, sind sich die Frauen einig. Das Angebot habe sich mittlerweile etabliert und von Holtum (Geest) bis Bendingbostel wüssten die meisten Senioren über den Besuchsdienst Bescheid. „Als das Angebot neu war, waren einige überrascht, als wir uns bei ihnen gemeldet haben. Mittlerweile werden wir in der Regel schon erwartet“, sagt Elfriede Tonding von der Geburtstagsgruppe.

Damit die kirchlichen Mitarbeiter erfahren, wer sich über Besuch freuen würde, seien sie auf entsprechende Informationen angewiesen. „Die Menschen können sich bei uns melden, wenn sie gerne Besuch haben möchte, manchmal rufen aber auch Kinder oder Nachbarn an“, so Jutta Martens. Ilse Wagner: „Und natürlich schaue ich auch selbst: Wer lebt in meiner Straße, wer ist oft allein, wer würde sich vielleicht freuen über Besuch?“

Eine Kekstüte an der Tür oder mal ein Telefonat

Und so ein Treffen – das kann ganz unterschiedlich aussehen. Der eine mag vielleicht einfach gerne klönen und sich darüber austauschen, was es so Neues im Dorf gibt, der andere möchte vielleicht über Erinnerungen aus Kriegstagen sprechen. Aber es kommt auch vor, dass man zusammen singt oder betet, manch einer bekommt vielleicht gerne mal etwas vorgelesen. Ilse Wagner: „Wir sind da flexibel. Grundsätzlich gilt: Wir urteilen nicht, wir geben keine Ratschläge und wir lösen keine Probleme. Aber wir sind da und wir hören zu.“ Und alles, was sie im Rahmen ihrer Besuche erfahren, dringe nicht nach außen, die Mitarbeiter seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Und wenn am Ende des ersten Besuches die Frage gestellt werde: „Kommen Sie denn auch bald wieder vorbei?“ – dann sei das ein schönes Gefühl.

Die persönlichen Besuche, quasi das Herz dieser ehrenamtlichen Arbeit, seien in der Pandemie aber nur sehr eingeschränkt möglich. Im Seniorenheim seien Besuche fast gar nicht erlaubt gewesen, bei den Senioren daheim seien Treffen, wenn überhaupt, meist nur im Freien vertretbar, im Garten beispielsweise. Oder ein kurzer Besuch mit Mundschutz an der Tür. „Aber wir halten den Kontakt natürlich weiterhin“, sagt Jutta Martens. Die Gespräche würden derzeit vor allem telefonisch geführt. Aber auch zahlreiche Karten würden geschrieben, zu Ostern und Weihnachten Tüten mit kleinen Aufmerksamkeiten, wie einem Weihnachtsengel oder selbst gebackenen Keksen, an die Tür gehängt. Auch für die kommende Passionszeit hätten sich Frauen wieder eine kleine Überraschung überlegt, verrät Jutta Martens.

Neue „Besucher“ sind willkommen

All das würde den persönlichen Kontakt aber nicht ersetzen, sind sich die Mitarbeiterinnen einig. Wobei sie die strengen Corona-Maßnahmen, die sich die Kirchengemeinde auferlegt hat, absolut nachvollziehen könnten. „Es ist ja leider so, dass man immer die Angst im Nacken hat, man könnte selbst das Virus mit ins Haus tragen, jemanden aus der Risikogruppe anstecken. Und das wäre ja furchtbar“, sagt Meier. „Diese Sorge, die trübt das Ganze natürlich ein“, stimmt Martens zu. „Aber ich bin optimistisch und glaube, dass ab Sommer alles besser wird.“

Die derzeitige Situation sei eigentlich eine gute Zeit für Interessierte, sich der Besuchsdienstgruppe anzuschließen, finden die Frauen. Denn im Moment gebe es ausreichend Zeit, die Gruppe kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, sich ausreichend vorzubereiten auf die ersten Besuche und in Gesprächen von den Erfahrungen der zum Teil langjährigen Mitarbeiterinnen zu profitieren. Geeignet sei das Ehrenamt für alle, die gut zuhören und sich in andere hineinversetzen können. Denen es nicht schwerfällt, verschwiegen zu sein und die Lust darauf haben, Zeit mit älteren Menschen zu verbringen. „Dabei entscheidet jeder selbst, wie viel Zeit er in dieses Ehrenamt investieren möchte“, so Meier. Niemand müsse Angst haben, dass er direkt 20 Senioren „aufgedrückt“ bekomme, die er alle besuchen soll. „Wenn jemand nur die Zeit für einen Besuch im Monat hat, ist das auch völlig in Ordnung.“

Die Gruppenmitglieder treffen sich einmal im Monat im Gemeindehaus – sofern pandemiebedingt möglich – und tauschen sich aus. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, interessante Fortbildungen zu besuchen. Martens, Wagner und Meier waren zum Beispiel gerade Ende des vergangenen Jahres auf einem Seminar, das alle drei mit einem Zertifikat abgeschlossen haben. Fortbildungen seien hilfreich bei der Arbeit, erklären die Frauen. Man lerne beispielsweise viel über Gesprächsführung, könne in Rollenspielen auch schwierige Situationen kennenlernen. „Das Gelernte lässt sich auch privat, im Alltag, gut nutzen“, so Meier.

Wer mehr über den Besuchsdienst wissen möchte, kann sich gerne bei einer der Frauen melden – oder im Pfarrbüro unter Telefon 04236/94230.

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