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Kirchlinteln: Die Nacht im Container statt obdachlos

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Container auf dem Gelände des Landkreises Verden.
Unterbringung von Flüchtlingen oder Impfzentrum: Der Landkreis Verden arbeitet schon seit Jahren mit Containern. © M. Wienken

Für Obdachlose gibt es in Kirchlinteln (noch) keine Möglichkeit der Unterbringung. Nun sucht die Gemeinde nach Lösungen....

Kirchlinteln – Kein Dach über dem Kopf, es herrschen Regen, Schnee oder Frost, ein Schlafplatz ist nicht in Sicht. Wenn ein Obdachloser an die Rathaustür in Kirchlinteln klopft, dann muss die Gemeinde dafür sorgen, dass der Frau oder dem Mann geholfen wird. Stets schwierig, weil es gibt keine Unterkunft, die die Gemeinde anbieten kann. Nun wird nach einer Lösung, darunter möglicherweise auch ein Wohn-Container, gesucht. Die Fraktionen wollen darüber beraten.

Kirchlinteln: Die Gemeinden sind zur Unterbringung von Obdachlosen verpflichtet

Ordnungsamtsleiter Stefan Schulz redet nicht lange drumherum: „Die Gemeinden sind zur Unterbringung von Obdachlosen verpflichtet. Wir müssen also tätig werden“, so Schulz im Ausschuss für Brandschutz und Ordnungsangelegenheiten. Ein schweres Geschäft, denn Immobilien sind, nach dem Abriss des Gebäudes an der Kreepener Straße, nicht mehr im Besitz der Kommune.

Gemeinde Kirchlinteln: Obdachlose bislang in Hotels oder Pensionen

Also ins Hotel, in eine Pension oder in eine Gaststätte? „Es ist die bislang praktizierte Lösung, wird aber auch nicht einfacher“, sagt Schulz. Seine bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass in der Gemeinde insbesondere in der kalten Jahreszeit Obdachlose nach einer Unterbringung fragen. Die Menschen bleiben mal eine Nacht, es kann aber auch länger dauern. Schulz sprach von vier bis acht Wochen.

Meist junge Männer, etliche alkohol- und drogenabhängig, oft deshalb schon mit psychischen Problemen, seien es, die um Hilfe bäten. Auch diese Begleitumstände machten es der Gemeinde schwer, zuverlässig und vor allem schnell ein Bett im Hotel oder in einer Pension zu finden. Die Pandemie habe die Situation zusätzlich verschärft.

Der Wohnungsmarkt in Kirchlinteln ist leergefegt

Bliebe der Gemeinde, eigene Zimmer vorzuhalten. Aber: Leergefegt ist aktuell der Wohnungsmarkt: „Versuche, privaten Wohnraum anzumieten, waren bislang erfolglos“, so Schulz. Auch langfristig, so der Blick auf die aktuelle Wohnungsmarktsituation, dürfte Entspannung kaum in Sicht sein.

Blick in einen Container: Circa 16 Quadratmeter Platz bietet ein Raum.
Blick in einen Container: Circa 16 Quadratmeter Platz bietet ein Raum. © Klee

Container als mögliche Lösung

Die Suche nach Alternativen ist begrenzt, bleibt als mögliches Angebot ein Wohncontainer, ähnlich denen, wie sie auf dem Gelände des Kreishauses in Verden stehen. „Wenn auch nicht unbedingt ein Dauerzustand, wäre es relativ kostengünstig und vom Standort flexibel, wenn er denn auf Gemeindeboden stehen sollte“, so Schulz. Platz bietet der 16 Quadratmeter große Wohnraum für eine Person. „Mehr haben bislang auch nicht angefragt“, berichtet Schulz. „Und wenn es doch mehr werden?“, fragte Sabine Mandel (SPD) nach. „Statt kaufen käme als billigere Lösung auch eine Anmietung infrage. Dann könnte man auch über zwei Container nachdenken“, schlug Schulz vor. Frank Peter Seemann (Freie) mochte sich der Idee nicht grundsätzlich verschließen, sprach angesichts der Flexibilität von einer „sinnvollen Lösung“. Hans-Rainer Strang (SPD) ordnete den Blick auf die Unterbringung der Obdachlosen als eine „kommunale Pflichtaufgabe“ ein, „der wir nachkommen müssen“. Was bislang im Austausch mit Nachbargemeinden, vor allem der Stadt Verden, gelöst werden konnte, werde zunehmend problematisch, denn: „Es kommen immer mehr Flüchtlinge. Unterkünfte sind überall ausgebucht, der Wohnungsmarkt auch da leer“, sagt Strang. Timo Degenhard (Grüne) sieht in der Containerlösung viele Fragen offen und wenn, nur eine temporäre Lösung. Langfristig brauchen wir ein gesundes, soziales Konzept.“

Kirchlinteln: Fraktionen wollen beraten

Eine zeitnahe Umsetzung dürfte allerdings kaum machbar sein. „Auch die Aufstellung eines Wohn-Containers setzt eine Baugenehmigung voraus“, so Bürgermeister Arne Jacobs. Allerdings hätte die Verwaltung mit der Erteilung und der nachfolgenden Aufstellung zunächst eine kleine Atempause gewonnen, denn die Genehmigung gelte für fünf Jahre, müsse dann erneuert werden.

Kirchlinteln: 30.000 Euro im Haushalt angemeldet

Wohin die Reise geht, wo gegebenenfalls der Container stehen könnte, soll nun in den Fraktionen geprüft und dann erneut im Ausschuss beraten werden. Im Haushalt 2022 sind für die Unterbringung vorsorglich 30 .000 Euro angemeldet. Wie auch immer eine Lösung aussieht: „Bis dahin werden wir weiterhin auch auf dem Wohnungsmarkt recherchieren“, so Bürgermeister Jacobs.

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